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Ceph Squid auf Tentacle: das Upgrade im laufenden Proxmox-Cluster

Squid läuft aus, Tentacle ist seit Proxmox VE 9.2 der Standard für neue Cluster. Das Upgrade selbst sind ein Dutzend Befehle — entscheidend sind die Reihenfolge, die Prüfung nach jedem Schritt und der eine Befehl, nach dem es kein Zurück gibt. Ehrlich: Wer OSDs aus der Zeit vor Ceph Pacific betreibt, sollte vorher prüfen, statt hinterher Platz zu suchen.

Kategorie VirtualisierungStand 27.10.2026Lesezeit 18 Min.
Das Wichtigste in Kürze
  • Ceph Squid (19.2) hat laut Release-Übersicht des Ceph-Projekts ein geschätztes Lebensende am 31.10.2026, während für Tentacle (20.2) der 01.06.2027 genannt wird.
  • Das Proxmox-Upgrade auf Tentacle setzt pve-manager 9.1.4 und Ceph-Pakete ab 19.2.3-pve3 voraus — ein Cluster auf Proxmox VE 8 muss zuerst auf Version 9.
  • Der Befehl ceph osd require-osd-release tentacle ist der Punkt ohne Rückweg: Er sperrt ältere OSDs aus und gehört erst ans Ende, wenn alle OSDs Version 20.2 melden.
  • OSDs, die unter Ceph Octopus (v15) oder früher angelegt wurden, können nach dem Upgrade deutlich mehr META-Speicher belegen; die Proxmox-Anleitung nennt das Problem für Tentacle bis Version 20.2.4.
  • Die Neustart-Reihenfolge Monitor, Manager, OSD, MDS ist nicht verhandelbar, und OSDs werden immer nur auf einem Knoten gleichzeitig neu gestartet.
KI-Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde teilweise mit Unterstützung von KI-Systemen erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Kennzeichnung gemäß EU-KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689).

/01Squid und Tentacle: worum es bei diesem Upgrade geht

Das Upgrade von Ceph 19.2 „Squid" auf 20.2 „Tentacle" ist ein Wechsel der Hauptversion des Speichersystems unter einem hyperkonvergenten Proxmox-Cluster — bei laufenden VMs, ohne Neuinstallation. Es besteht aus drei Teilen: neue Paketquelle, neue Pakete auf allen Knoten, dann der geordnete Neustart aller Ceph-Dienste, damit sie die neuen Programmdateien tatsächlich laden.

Was dieser Artikel nicht ist: keine Anleitung für das Upgrade von Proxmox VE 8 auf 9. Das ist die Vorstufe, und sie ist im Beitrag zum Support-Ende von Proxmox VE 8 beschrieben, inklusive der Kurzfassung der Ceph-Befehle. Hier geht es um die Prüfungen zwischen den Befehlen, den Rückfallpunkt und das seit 28.09.2026 dokumentierte bekannte Problem. Ebenfalls nicht Thema: Ceph-Cluster, die außerhalb von Proxmox mit cephadm oder Rook betrieben werden — dort orchestriert das Werkzeug den Ablauf selbst.

Für wen der Text irrelevant ist: Wer Proxmox mit einem SAN und Shared LVM betreibt, hat kein Ceph und nichts zu tun. Wer Ceph nur als externen Speicher eines fremden Clusters anbindet, aktualisiert lediglich die Client-Pakete. Die Abwägung zwischen beiden Architekturen steht in SAN oder Ceph für Proxmox im Mittelstand.

Merksatz: Ein Ceph-Upgrade ist kein Paket-Update mit Neustart, sondern eine Abfolge von Zustandswechseln. Nach jedem Schritt wird geprüft, bevor der nächste beginnt — und der letzte Schritt lässt sich nicht zurücknehmen.

/02Wie lange wird Ceph Squid noch gepflegt?

Die Release-Übersicht des Ceph-Projekts führt für Squid ein geschätztes Lebensende am 31.10.2026, für Tentacle den 01.06.2027 (abgerufen am 22.10.2026). Squid erschien am 26.09.2024, Tentacle am 18.11.2025. Der jüngste Squid-Stand upstream ist 19.2.7 vom 12.10.2026, bei Tentacle 20.2.4 vom 19.08.2026.

Proxmox selbst hat sich nicht auf einen festen Tag festgelegt. Im Forum schrieb ein Proxmox-Mitarbeiter am 09.01.2026, Squid bleibe „vorerst bis September 2026" unterstützt — eine Forum-Aussage mit dem Vorbehalt „for the time being", keine Lifecycle-Zusage. Belastbar ist dagegen, was in der Paketquelle steht: Am 22.10.2026 enthielt das öffentliche Proxmox-Repository für Squid zuletzt 19.2.6-pve4, für Tentacle 20.2.4-pve5. Squid 19.2.7 war dort zu diesem Zeitpunkt noch nicht paketiert.

Nüchtern: Squid bekommt noch Pakete, aber das Ende ist angekündigt. Seit Proxmox VE 9.2 vom 21.05.2026 ist Tentacle laut Roadmap der Standard für Neuinstallationen; bestehende Cluster bleiben auf Squid, bis jemand sie umstellt.

/03Voraussetzungen: was vor dem ersten Befehl stimmen muss

Die Proxmox-Anleitung „Ceph Squid to Tentacle" nennt drei harte Bedingungen: alle Knoten mindestens auf Proxmox VE 9.1 mit pve-manager ab 9.1.4, Ceph-Pakete ab 19.2.3-pve3 und ein gesunder Cluster. Der letzte Punkt steht dort wörtlich mit Ausrufezeichen. Die Ceph-Dokumentation zu Tentacle präzisiert, was „gesund" heißt: keine Placement Groups im Zustand down, recovering, incomplete, undersized oder backfilling.

# Auf JEDEM Knoten: Versionen pruefen
pveversion --verbose | grep -E '^pve-manager|^ceph:'
# erwartet (Beispiel):
# pve-manager: 9.1.4 oder hoeher
# ceph: 19.2.3-pve3 oder hoeher

# Einmal, auf beliebigem Knoten: Zustand des Clusters
ceph -s
ceph health detail
ceph pg stat
# Ziel: HEALTH_OK, alle PGs "active+clean"

Dazu kommen Voraussetzungen, die in keiner Anleitung stehen, aber im Betrieb den Unterschied machen:

  • Aktuelles Backup aller VMs außerhalb von Ceph. Ein Backup auf einem Proxmox Backup Server mit eigenem Speicher ist die Bedingung, unter der man anfängt — weil ein Knotenausfall mitten im Fenster sonst zwei Probleme gleichzeitig erzeugt.
  • Freie Kapazität. Ist der Pool zu mehr als etwa drei Vierteln belegt, wird jede Verschiebung von Daten heikel. Das ist ein Erfahrungswert, keine Herstellergrenze. Ceph selbst rechnet je OSD, nicht je Pool: Standardmäßig gilt ein OSD ab 85 Prozent als nearfull, ab 90 Prozent nimmt es kein Backfill mehr an, ab 95 Prozent als full. Maßgeblich ist also das vollste OSD, nicht der Durchschnitt.
  • Stabiles Quorum auf beiden Ebenen. Proxmox-Cluster über Corosync und Ceph-Monitore sind zwei getrennte Quorum-Systeme. Beide müssen vollständig sein, bevor ein Monitor neu startet.

/04Bestandsaufnahme mit ceph versions und ceph osd df

Vorher wird der Ausgangszustand festgehalten; die Ausgaben gehören in die Änderungsdokumentation. Zwei Befehle reichen, ein dritter ist für ältere Cluster Pflicht.

# 1. Welche Dienste laufen mit welcher Version?
ceph versions
# Ausgabe (gekuerzt, Schema):
# {
#     "mon": { "ceph version 19.2.x (...) squid (stable)": 3 },
#     "mgr": { "ceph version 19.2.x (...) squid (stable)": 3 },
#     "osd": { "ceph version 19.2.x (...) squid (stable)": 12 },
#     "overall": { "ceph version 19.2.x (...) squid (stable)": 18 }
# }
# Deutung: Genau EINE Version je Dienst. Stehen dort zwei Squid-Staende,
# erst angleichen, dann Tentacle.

# 2. Belegung je OSD, Spalte META merken
ceph osd df tree
# Deutung: META ist der Platz fuer RocksDB-Metadaten. Diesen Wert
# je OSD notieren - er ist die Basis fuer die Pruefung in Abschnitt /08.

# 3. Nur bei Clustern, die vor Ceph Pacific (v16) angelegt wurden:
#    Sharding je OSD pruefen (OSD muss dafuer gestoppt sein, Knoten fuer Knoten)
ceph osd set noout
systemctl stop ceph-osd@
ceph-bluestore-tool show-sharding --path /var/lib/ceph/osd/ceph-
systemctl start ceph-osd@
ceph osd unset noout

Der dritte Schritt beantwortet die Frage, die das bekannte Problem aus Abschnitt /08 auslöst: Nutzt die RocksDB des OSD Sharding oder nicht? Laut Ceph-Dokumentation verwenden OSDs, die unter Pacific oder später angelegt wurden, Sharding standardmäßig; bei OSDs aus der Zeit davor ist es nach einem Upgrade abgeschaltet und bleibt es, bis jemand es umstellt. Ein über mehrere Ceph-Versionen gewachsener Cluster kann beide Sorten mischen, ohne dass die Weboberfläche es zeigt.

/05Repository, noout und Pakete: die Vorbereitung

Die Vorbereitung verändert noch nichts am laufenden Betrieb. Nach apt full-upgrade liegen die Tentacle-Programmdateien zwar auf der Platte, aber laut Proxmox-Anleitung laufen alle Dienste weiter mit den alten Squid-Binaries — bis zum Neustart. Dieser Teil geht deshalb auf allen Knoten in einem Zug.

# Auf JEDEM Knoten: Paketquelle von squid auf tentacle umstellen
sed -i 's/squid/tentacle/' /etc/apt/sources.list.d/ceph.sources
# oder im alten Einzeilen-Format:
sed -i 's/squid/tentacle/' /etc/apt/sources.list.d/ceph.list

# Kontrolle (Beispiel ohne Subskription):
cat /etc/apt/sources.list.d/ceph.sources
# Types: deb
# URIs: http://download.proxmox.com/debian/ceph-tentacle
# Suites: trixie
# Components: no-subscription
# Signed-By: /usr/share/keyrings/proxmox-archive-keyring.gpg

# Einmal, beliebiger Knoten: Rebalancing waehrend der Neustarts verhindern
ceph osd set noout

# Auf JEDEM Knoten: Pakete holen
apt update && apt full-upgrade

Mit gültiger Proxmox-Subskription zeigt die URI auf enterprise.proxmox.com/debian/ceph-tentacle mit der Komponente enterprise. Das Flag noout ist laut Anleitung optional, aber empfohlen: Es verhindert, dass Ceph einen kurz neu startenden OSD als ausgefallen bewertet und mit dem Umverteilen seiner Daten beginnt. Dieses Umverteilen erzeugt Last und verzögert die Neustarts.

Ein Detail, das gern übersehen wird: apt full-upgrade zieht auch alle anderen anstehenden Proxmox-Pakete mit, je nach Stand inklusive eines neuen Kernels. Wer Ceph-Upgrade und Kernelwechsel nicht im selben Fenster haben will, bringt die Knoten vorher auf den aktuellen Squid-Stand und startet sie neu — die Logik dahinter steht im Beitrag zur Update-Reihenfolge im Proxmox-Cluster.

Zwischen „Pakete eingespielt" und „alle Dienste neu gestartet" liegt der Teil, an dem Cluster in der Praxis hängen bleiben — weil das Wartungsfenster vorbei ist oder ein Knoten nicht wie erwartet zurückkommt. On-Premise-Betrieb durch HostSpezial — Patch-Management, Überwachung rund um die Uhr und Eskalation für Cluster, die in Ihrem Haus stehen.

/06Neustart-Reihenfolge: Monitore, Manager, OSDs, MDS

Die Reihenfolge ist durch Ceph vorgegeben und in der Proxmox-Anleitung wie in der Ceph-Dokumentation identisch: erst alle Monitore, dann die Manager, dann die OSDs, dann die Metadatenserver für CephFS. Jeder Dienst wird einzeln oder knotenweise neu gestartet, danach wird geprüft. Alle Befehle, die mit ceph beginnen, laufen einmal auf einem beliebigen Knoten; systemctl läuft auf dem jeweiligen Knoten.

Neustart-Reihenfolge mit Prüfung und erwartetem Ergebnis
SchrittBefehl je KnotenPrüfung danachErwartet
1. Monitore, ein Knoten nach dem anderensystemctl restart ceph-mon.targetceph -sHEALTH_OK oder HEALTH_WARN mit „noout flag(s) set"
Abschluss Monitore—ceph mon dump | grep min_mon_releasemin_mon_release 20 (tentacle)
2. Manager auf allen Knotensystemctl restart ceph-mgr.targetceph -sein aktiver Manager, übrige als Standby
3. OSDs, strikt ein Knoten gleichzeitigsystemctl restart ceph-osd.targetceph statusalle PGs wieder active+clean, bevor der nächste Knoten dran ist
Abschluss OSDs—ceph versionsnur noch eine 20.2-Version; Warnung „require_osd_release < tentacle" ist normal
4. MDS (nur mit CephFS)siehe Ablauf untenceph fs statusje Dateisystem ein aktiver MDS auf Rang 0, danach alte Werte zurück

Zwei Hinweise aus der Proxmox-Anleitung, die sich in der Praxis bestätigen. Erstens: Liefert min_mon_release nach dem letzten Monitor nicht „20 (tentacle)", ist mindestens ein Monitor nicht neu gestartet oder nicht im Quorum. Dann wird nicht weitergemacht. Zweitens: In seltenen Fällen reagieren die Manager nach dem ersten Monitor-Neustart nicht mehr. Die Anleitung empfiehlt, dann zuerst alle Monitore fertig neu zu starten und erst danach die Manager.

Bei den OSDs entscheidet Geduld. Zwischen zwei Knoten wird gewartet, bis ceph status keine PGs mehr im Zustand peering oder degraded zeigt. Belastbare Zeiten liefert nur der eigene Cluster. Wer den Ablauf skriptet, baut die Prüfung ein, statt mit festen Wartezeiten zu arbeiten:

# Auf dem Knoten, dessen OSDs gerade neu gestartet wurden:
systemctl restart ceph-osd.target
sleep 30   # dem Monitor Zeit geben, die Neustarts zu registrieren
# warten, bis keine PG mehr in einem unsauberen Zustand ist
until ! ceph pg stat | grep -qE 'degraded|undersized|peering|activating|recover|backfill|down|stale|unknown'; do
  sleep 15
done
ceph versions | grep -A3 '"osd"'

CephFS: die Metadatenserver

Nur wer CephFS nutzt, etwa für ISO-Ablagen oder gemeinsame Verzeichnisse, hat Metadatenserver. Der Ablauf laut Anleitung je Dateisystem: allow_standby_replay notieren und abschalten, bei mehreren aktiven MDS max_mds notieren und auf 1 setzen, warten bis nur noch Rang 0 aktiv ist, alle Standby-MDS mit systemctl stop ceph-mds.target anhalten, den letzten aktiven MDS neu starten, die Standbys wieder starten und die notierten Werte zurücksetzen.

ceph fs ls
ceph fs get <fs_name> | grep -E 'allow_standby_replay|max_mds'
ceph fs set <fs_name> allow_standby_replay false
ceph fs set <fs_name> max_mds 1
# ... Standbys stoppen, letzten MDS neu starten, Standbys starten ...
ceph fs set <fs_name> max_mds <alter_wert>
ceph fs set <fs_name> allow_standby_replay <alter_wert>

Laufen im Cluster Object-Gateways (RGW), was unter Proxmox selten ist, folgen sie laut Ceph-Dokumentation als letzter Dienst: systemctl restart ceph-radosgw.target auf jedem Gateway-Knoten.

Ehrlich: Während der letzte aktive MDS neu startet, warten Zugriffe auf dieses Dateisystem. VM-Platten auf RBD sind davon nicht betroffen, wohl aber Container oder Anwendungen, die CephFS direkt einbinden. Das gehört in die Ankündigung des Wartungsfensters.

/07require-osd-release: der Punkt ohne Rückweg

Erst wenn ceph versions für alle OSDs eine 20.2-Version zeigt, folgt der Befehl, der das Upgrade abschließt:

ceph osd require-osd-release tentacle
# danach verschwindet die Warnung:
# "all OSDs are running tentacle or later but require_osd_release < tentacle"

ceph osd unset noout
ceph -s     # Ziel: HEALTH_OK

Laut Ceph-Dokumentation schließt dieser Schritt OSDs älterer Versionen aus und schaltet die Funktionen frei, die nur Tentacle kennt. Das ist der eigentliche Rückfallpunkt des ganzen Vorgangs: Bis hierher laufen OSDs zwar schon mit Tentacle, der Cluster akzeptiert aber noch Squid-OSDs. Danach nicht mehr. Einen dokumentierten Weg zurück auf Squid nennt weder die Proxmox-Anleitung noch die Tentacle-Upgrade-Beschreibung von Ceph — ein „Downgrade" ist im Ernstfall eine Wiederherstellung, kein Befehl.

Für die Planung heißt das: Zwischen dem letzten OSD-Neustart und require-osd-release darf Zeit liegen. Eine Wartezeit schreiben weder Ceph noch Proxmox vor; beide führen den Befehl schlicht als Abschlussschritt. Was folgt, ist unsere Praxis, keine Herstellervorgabe: Wir lassen einen Cluster in dieser Phase gern einige Tage im Normalbetrieb laufen, beobachten Latenzen und die META-Spalte und setzen den Abschluss erst danach. Wichtig ist nur, dass der Zwischenzustand dokumentiert ist und nicht in Vergessenheit gerät — ein Cluster, der monatelang gelb meldet, gewöhnt alle an eine gelbe Statusanzeige. In einem Runbook steht deshalb ein Datum für diesen Schritt, nicht „später".

Rückfallpunkt in einem Satz: Bis require-osd-release ist das Upgrade ein Zustand, den man beobachten und anhalten kann; danach ist es abgeschlossen. Ein Snapshot der VMs ersetzt diesen Rückfallpunkt nicht, weil er auf demselben Ceph liegt.

/08Bekanntes Problem: wachsender META-Verbrauch alter OSDs

Seit der Überarbeitung vom 28.09.2026 führt die Proxmox-Anleitung einen Abschnitt „Known Issues". Er betrifft OSDs, die unter Ceph Octopus (v15, erschienen Anfang 2020) oder früher angelegt wurden: Nach dem Upgrade auf Tentacle bis Version 20.2.4 kann deren META-Verbrauch steigen. Zu sehen ist das in ceph osd df in der Spalte META. In der Proxmox-Oberfläche zeigt es sich indirekt: Der angezeigte Gesamtspeicher sinkt, weil Ceph den verfügbaren Platz am vollsten OSD ausrichtet.

Die Ursache laut Anleitung: Die RocksDB dieser OSDs nutzt kein Sharding, das Ceph erst ab Pacific (v16) standardmäßig einrichtet. Im Ceph-Tracker ist der Fehler als Bug #76256 geführt („META space usage explodes on osds without sharding after upgrade to tentacle"). Der Tentacle-Backport ist dort als erledigt markiert, allerdings mit einem Entwicklungsstand nach 20.2.4; eine Tentacle-Version mit dem Fix war am 22.10.2026 upstream noch nicht erschienen. Proxmox liefert seit Paket 20.2.4-pve5 vom 01.10.2026 laut Changelog einen zurückportierten Fix für ein BlueFS-Speicherleck beim Schließen von Dateien. Das passt inhaltlich zum Tentacle-Backport, der Changelog nennt die Tracker-Nummer aber nicht. Deshalb gilt: nach dem Upgrade messen, nicht auf eine Versionsnummer vertrauen.

Die Anleitung nennt drei Wege, die sich nach Aufwand staffeln:

Gegenmaßnahmen bei META-Wachstum alter OSDs
WegBefehlWirkungPreis
Manuelle Verdichtungceph daemon osd.<id> compactvorübergehend; das Grundproblem bleibtI/O-intensiv, laut Anleitung nacheinander und außerhalb der Stoßzeiten; ceph daemon spricht den lokalen Admin-Socket an, läuft also auf dem Knoten des OSD
Sharding nachrüstenceph-bluestore-tool --path <pfad> --sharding="…" resharddauerhaft; OSD bekommt das Pacific-Schemanur bei gestopptem OSD; laut Ceph ein langwieriger Vorgang, Unterbrechung verhindert den OSD-Start bis zur Fortsetzung
OSD neu anlegenOSD nacheinander zerstören und neu erstellendauerhaft; neue Datenstrukturvollständiges Rebalancing je OSD, Kapazitätsreserve nötig

Den vollständigen Sharding-Parameter nennt die Ceph-Dokumentation zu BlueStore; er wird nicht von Hand variiert. Unsere Reihenfolge in betreuten Clustern: Wer in Abschnitt /04 OSDs ohne Sharding gefunden hat, stellt sie vor dem Tentacle-Upgrade um oder legt sie neu an — dann tritt das Problem gar nicht erst auf. Wer es erst hinterher bemerkt, verdichtet zunächst, um Luft zu bekommen, und plant die dauerhafte Lösung in ruhige Fenster.

Hilfreich ist eine Alarmierung auf genau diese Größe. Die Spalte META wächst sonst unbemerkt, bis eine nearfull-Warnung auftaucht. Wie sich Ceph-Werte in Prometheus und Grafana einbinden lassen, beschreibt der Beitrag zum Proxmox-Monitoring mit Prometheus, Grafana und PDM.

/09Wo es hakt: CephX-Schlüssel, Autoscaler und Wartungsfenster

Neue Sicherheitsmeldungen nach dem Upgrade

Tentacle 20.2.4 behebt laut Ceph-Releasenotes unter anderem CVE-2025-30156, eine Authentifizierungsumgehung in CephX durch fehlerhafte Verwendung von AES-CBC. Behoben ist sie ab Squid 19.2.6 und Tentacle 20.2.4. Laut Ceph-Sicherheitshinweis bringt das Update sechs neue Warnungen oder Fehler im Cluster-Zustand mit, darunter AUTH_INSECURE_KEYS_CREATABLE, und verlangt die Umstellung der Schlüssel auf den Typ aes256k. Wer von einer Squid-Version vor 19.2.6 kommt, sieht diese Meldungen zum ersten Mal mitten im Tentacle-Upgrade — und hält sie leicht für eine Folge des Upgrades. Ceph nennt die Meldungen ausdrücklich normal und empfiehlt, das Rotationsverfahren schon vor dem Upgrade zu lesen.

Unsere Empfehlung: Die Schlüsselumstellung nach dem Abschluss des Upgrades als eigenen Schritt planen, nach dem Abschnitt „Upgrading and Rotating CephX Keys" der Ceph-Dokumentation, und nicht zwischen Monitor- und OSD-Neustarts einschieben. Proxmox hat in den Paketen 20.2.4-pve3 und -pve4 laut Changelog zusätzliche Hilfen für die Schlüsselrotation eingebaut, etwa eine Anzeige, welche Sitzung mit welchem Schlüssel angemeldet ist.

PG-Autoscaler anhalten

Die Ceph-Dokumentation zu Tentacle schlägt vor, den Autoscaler für die Placement Groups während des Upgrades für alle Pools anzuhalten und erst nach bestätigtem Erfolg wieder freizugeben. So beginnt Ceph nicht mitten im Ablauf, PGs zu teilen oder zusammenzulegen:

ceph osd pool set noautoscale     # vor dem ersten Neustart
ceph osd pool unset noautoscale   # nach erfolgreichem Abschluss

Wartungsfenster und Hochverfügbarkeit

Das Ceph-Upgrade selbst verlangt keinen Neustart der Knoten und keine Migration von VMs. Die HA-Verwaltung von Proxmox bleibt aktiv. Trotzdem gilt: Während OSDs eines Knotens neu starten, läuft der Cluster mit reduzierter Redundanz. Fällt in genau diesem Moment ein zweiter Knoten aus, sind bei Pools mit drei Kopien weniger Kopien erreichbar als die Mindestzahl min_size verlangt — Zugriffe auf die betroffenen Placement Groups stehen dann, bis ein Knoten zurück ist. Deshalb finden Ceph-Upgrades nicht parallel zu Hardwaretausch oder Netzarbeiten statt.

Wer den Cluster nicht selbst durch Monitor-, OSD- und Schlüsselwechsel führen will, braucht jemanden, der das Wartungsfenster plant, die Prüfungen fährt und nachts erreichbar ist, falls ein Knoten hängt. On-Premise-Betrieb — Ihr Cluster bleibt bei Ihnen, Betrieb, Überwachung und Updates übernimmt HostSpezial.

/10Jetzt upgraden oder warten? Die Entscheidungstabelle

Ob das Upgrade in den nächsten Wochen oder erst im Frühjahr fällig ist, hängt an vier Fragen: Proxmox-Version, Alter der OSDs, Gesundheit des Clusters, Nutzung von CephFS. Die folgende Tabelle ist die Entscheidungslogik, nach der wir betreute Cluster einordnen.

Entscheidungstabelle Ceph Squid → Tentacle
AusgangslageEmpfehlung
Proxmox VE 8 mit Ceph Reef oder SquidErst Proxmox VE 9, dabei Ceph auf Squid. Tentacle ist auf Version 8 nicht vorgesehen.
Proxmox VE 9.0 oder pve-manager unter 9.1.4Erst Proxmox auf aktuellen 9.x-Stand bringen, Knoten neu starten, dann Tentacle.
VE 9.1+, Squid aktuell, HEALTH_OK, alle OSDs ab Pacific angelegtUpgrade im nächsten regulären Wartungsfenster. Kein Grund zu warten.
OSDs aus Octopus-Zeit oder älter vorhandenErst Sharding prüfen, umstellen oder OSDs neu anlegen; Tentacle danach.
Cluster mit Warnungen, degradierten PGs oder über drei Viertel belegtNicht upgraden. Erst Ursache beheben oder Kapazität erweitern.
CephFS mit mehreren aktiven MDSUpgrade möglich, aber Fenster für kurze Dateisystem-Unterbrechung ankündigen.
Nur RBD für VM-Platten, kein CephFSMDS-Schritt entfällt; Ablauf ist kürzer.

Wann sich das Upgrade nicht lohnt: Ein Cluster, dessen Hardware ohnehin in den nächsten Monaten ersetzt wird, bekommt Tentacle sinnvollerweise mit der Neuinstallation — seit Proxmox VE 9.2 ist es dort ohnehin Standard. Den Altbestand noch umzustellen, ist dann Aufwand ohne Ertrag — sofern Squid bis zur Ablösung gesichert und überwacht bleibt. Den Hintergrund zu Ceph als Speicherarchitektur liefert der Beitrag Ceph Storage ohne Lizenzkosten.

Für alle anderen gilt: Squid hat ein angekündigtes Ende, Tentacle ist seit Proxmox VE 9.2 im Mai 2026 als stabile Option verfügbar, und der Ablauf ist dokumentiert. Warten verschiebt das Upgrade nur in eine Zeit ohne Squid-Sicherheitskorrekturen. Für On-Premise-Cluster ohne eigenes Ceph-Know-how ist das der Moment, über Managed Services nachzudenken, bevor der Druck kommt.

Bestandsaufnahme, Sharding-Prüfung und ein Ablaufplan mit Datum für require-osd-release sind ein überschaubares Paket. On-Premise-Betrieb durch HostSpezial — Updates in abgestimmten Fenstern, Überwachung rund um die Uhr, Rechenzentrumsbetrieb in Coburg mit Ausweichstandort Neustadt für Systeme, die nicht im Haus stehen müssen.

/11Häufige Fragen

/01Wann endet der Support für Ceph Squid?+
Die Release-Übersicht des Ceph-Projekts nennt für Squid ein geschätztes Lebensende am 31.10.2026. Proxmox hat im Forum im Januar 2026 von einer Unterstützung „vorerst bis September 2026" gesprochen, ohne festen Lifecycle-Termin. Im Proxmox-Repository standen am 22.10.2026 noch Squid-Pakete bis 19.2.6-pve4 bereit, neue Korrekturen fließen aber vorrangig in Tentacle.
/02Muss ich für Tentacle erst Proxmox VE 9 installieren?+
Ja. Die Proxmox-Anleitung setzt alle Knoten auf mindestens Proxmox VE 9.1 mit pve-manager 9.1.4 und Ceph-Pakete ab 19.2.3-pve3 voraus. Ein Cluster auf Version 8 geht also zuerst auf 9 und behält dabei Squid; Tentacle folgt als eigener Schritt danach.
/03Laufen die VMs während des Ceph-Upgrades weiter?+
Ja, das Upgrade erfolgt im laufenden Betrieb, und VM-Platten auf RBD bleiben erreichbar. Weil OSDs immer nur auf einem Knoten gleichzeitig neu starten, läuft der Cluster in dieser Zeit mit reduzierter Redundanz. Nur Dateisysteme auf CephFS warten kurz, während der letzte aktive Metadatenserver neu startet.
/04Kann ich nach dem Upgrade auf Squid zurück?+
Einen dokumentierten Rückweg nennen weder Proxmox noch Ceph. Bis zum Befehl ceph osd require-osd-release tentacle akzeptiert der Cluster noch Squid-OSDs, danach nicht mehr. Ein Rückfall bedeutet im Ernstfall eine Wiederherstellung aus einem Backup außerhalb von Ceph.
/05Warum zeigt Proxmox nach dem Upgrade weniger freien Speicher an?+
Häufigste Ursache sind OSDs, die unter Ceph Octopus oder früher angelegt wurden und kein RocksDB-Sharding nutzen. Laut Proxmox-Anleitung steigt bei ihnen nach dem Upgrade der META-Verbrauch, und weil Ceph den freien Platz am vollsten OSD ausrichtet, sinkt die Gesamtanzeige. Abhilfe: Verdichtung sofort, Sharding nachrüsten oder OSDs neu anlegen dauerhaft.
/06Wie lange dauert das Upgrade eines Drei-Knoten-Clusters?+
Das hängt davon ab, wie schnell die Placement Groups nach jedem OSD-Neustart wieder sauber sind — also von Datenmenge, Plattentyp und Netz. Belastbare Zeiten liefert nur der eigene Cluster. Den Abschluss mit require-osd-release planen wir bewusst getrennt, nach einigen Tagen Beobachtung.
/07Brauchen wir dafür eine Proxmox-Subskription?+
Nein, das Upgrade funktioniert auch mit dem öffentlichen no-subscription-Repository. Mit gültiger Subskription nutzen Sie das Enterprise-Repository, das Proxmox seit Version 8 auch für Ceph anbietet.
Quellen
  1. Proxmox VE Wiki — „Ceph Squid to Tentacle" (Voraussetzungen, Ablauf, Known Issues), Stand 28.09.2026, pve.proxmox.com/wiki/Ceph_Squid_to_Tentacle, abgerufen am 22.10.2026.
  2. Proxmox VE Roadmap — Release-Notes Proxmox VE 9.1 und 9.2 (Tentacle als Standard für Neuinstallationen), pve.proxmox.com/wiki/Roadmap, abgerufen am 22.10.2026.
  3. Proxmox Support Forum — „Ceph 20.2 Tentacle Release Available as Test Preview and Ceph 18.2 Reef Soon to be Fully EOL", Beitrag vom 09.01.2026, forum.proxmox.com, abgerufen am 22.10.2026.
  4. Ceph Documentation — „Ceph Releases (index)" (Erscheinungs- und geschätzte EOL-Daten), docs.ceph.com/en/latest/releases/, abgerufen am 22.10.2026.
  5. Ceph Documentation — „Tentacle" (Upgrade-Voraussetzungen, Reihenfolge, Release-Notes v20.2.x), docs.ceph.com/en/latest/releases/tentacle/, abgerufen am 22.10.2026.
  6. Ceph Documentation — „CVE-2025-30156", docs.ceph.com/en/latest/security/CVE-2025-30156/, abgerufen am 22.10.2026.
  7. Ceph Documentation — „Monitor Config Reference" (mon_osd_nearfull_ratio 0.85, mon_osd_backfillfull_ratio 0.90, mon_osd_full_ratio 0.95), docs.ceph.com/en/latest/rados/configuration/mon-config-ref/, abgerufen am 22.10.2026.
  8. Ceph Documentation — „BlueStore Configuration Reference", Abschnitt RocksDB Sharding, docs.ceph.com/en/reef/rados/configuration/bluestore-config-ref/, abgerufen am 22.10.2026.
  9. Ceph Documentation — „ceph-bluestore-tool" (show-sharding, reshard), docs.ceph.com/en/latest/man/8/ceph-bluestore-tool/, abgerufen am 22.10.2026.
  10. Ceph Tracker — Bug #76256 „bluefs: META space usage explodes on osds without sharding after upgrade to tentacle", tracker.ceph.com/issues/76256, abgerufen am 22.10.2026.
  11. Proxmox-Paketquelle ceph-tentacle und ceph-squid (trixie, no-subscription), Paketindex und Changelog ceph 20.2.4-pve5, download.proxmox.com, abgerufen am 22.10.2026.
Herausgeber · Autor: Marco Hofmann

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