- Device-Code-Phishing lässt das Opfer einen Gerätecode auf der echten Microsoft-Anmeldeseite eingeben; MFA wird dabei regulär erfüllt, die Tokens erhält trotzdem der Angreifer.
- Das Phishing-Kit EvilTokens hat laut Microsoft seit Februar 2026 mehr als 12.000 Postfächer in über 10.000 Organisationen kompromittiert.
- Conditional Access sperrt den Gerätecode-Fluss über die Bedingung „Authentication flows"; die Regel setzt Entra ID P1 voraus, das in Microsoft 365 Business Premium enthalten ist.
- Ein Sitzungswiderruf beendet einen Angriff nicht sofort, weil bereits ausgestellte Access Tokens laut Microsoft bis zu eine Stunde gültig bleiben; das Konto gehört zusätzlich gesperrt.
- Ausnahmen für Teams Rooms gelten für das ganze Konto und nicht für eine einzelne App, deshalb gehören nur echte Raumkonten in die Ausnahmegruppe.
/01Was Device-Code-Phishing ist — und was nicht
Device-Code-Phishing missbraucht eine legitime Anmeldeart von Microsoft Entra ID: den Gerätecode-Fluss (Device Code Flow, im OAuth-2.0-Standard „Device Authorization Grant"). Sperren lässt er sich mit einer einzigen Regel in Conditional Access, die den Fluss für alle Konten blockiert, die ihn nicht nachweislich brauchen.
Gedacht ist der Fluss für Geräte ohne vernünftige Tastatur: Konferenzraumsysteme, Smart-TVs, Drucker, Kommandozeilenwerkzeuge. Das Gerät zeigt einen kurzen Code an, der Nutzer öffnet auf dem Handy oder Laptop microsoft.com/devicelogin, tippt den Code ein und meldet sich an. Das Gerät fragt im Hintergrund so lange bei Microsoft nach, bis die Anmeldung erledigt ist, und bekommt dann die Tokens.
Der Angriff dreht die Rollen um. Der Angreifer startet den Fluss auf seiner eigenen Maschine, erhält einen Code und schickt ihn dem Opfer – getarnt als Besprechungs-ID, als Freigabe für ein geteiltes Dokument oder als Sicherheitsprüfung. Das Opfer gibt den Code auf der echten Microsoft-Seite ein, erfüllt die Multi-Faktor-Authentifizierung und landet danach auf einer harmlosen Seite. Die Tokens gehen an das „Gerät", das den Code angefordert hat: das des Angreifers.
Abgrenzung
- Kein klassisches Phishing mit gefälschter Anmeldeseite. Es wird kein Passwort abgegriffen; die Seite, auf der das Opfer sich anmeldet, ist echt. Filter, die nach nachgemachten Microsoft-Seiten suchen, greifen deshalb ins Leere.
- Kein Adversary-in-the-Middle-Angriff. Bei AiTM sitzt ein Proxy zwischen Opfer und Microsoft und fängt das Sitzungs-Cookie ab. Beim Device-Code-Phishing gibt es keinen Proxy; Microsoft stellt die Tokens selbst aus, nur eben an den Falschen.
- Kein Fehler in Entra ID. Der Fluss funktioniert wie spezifiziert. Das Problem ist, dass ein Merkmal, das kaum ein Unternehmen braucht, in den meisten Tenants für alle Konten offen steht.
/02Warum MFA und Passkeys hier nicht schützen
Die unbequeme Nachricht für alle, die in den letzten Jahren MFA und Passkeys sauber eingeführt haben: Gegen diesen Angriff ändern sie nichts. Phishing-resistente Verfahren wie FIDO2 binden die Anmeldung an die Adresse der Seite. Die Adresse stimmt hier aber – das Opfer ist tatsächlich bei Microsoft. Auch die Forscher von ERNW halten in ihrer Analyse zum Tokendiebstahl in Entra ID fest, dass der Angriff phishing-resistente MFA umgeht, weil er den Autorisierungsfluss missbraucht und nicht die Anmeldung selbst.
Das heißt nicht, dass MFA überflüssig wäre. Microsoft empfiehlt in denselben Beiträgen weiterhin phishing-resistente Verfahren, weil sie gegen die meisten anderen Angriffe wirken. Es heißt nur: Wer seine Abwehr allein auf die zweite Anmeldestufe stützt, hat diese Lücke offen. Device-Code-Phishing ist ein Fall für die Frage „Welche Anmeldewege lassen wir überhaupt zu?" – also für Zero-Trust-Regeln, nicht für Authentifizierungsmethoden.
Merksatz: MFA prüft, wer sich anmeldet. Sie prüft nicht, für welches Gerät die Anmeldung gilt. Genau diese Lücke nutzt der Gerätecode-Fluss.
Auch die Schulung stößt an Grenzen. Die üblichen Hinweise – Adresszeile prüfen, keine Passwörter auf unbekannten Seiten eingeben – passen hier nicht. Was Mitarbeiter lernen können, ist eine einzige Regel: Microsoft fordert niemanden per Mail, Chat oder Telefon auf, einen Code auf microsoft.com/devicelogin einzugeben. Wer das nicht selbst an einem Konferenzgerät gestartet hat, gibt keinen Code ein. Wie weit solche Regeln in der Praxis tragen und was eine Klickrate darüber aussagt, haben wir in Phishing-Simulation: Was die Klickrate nicht misst beschrieben.
/03Die Lage 2026: Storm-2372, EvilTokens und KI-Köder
Device-Code-Phishing ist keine neue Technik, aber 2026 ist es vom Spezialwerkzeug staatlicher Gruppen zum Massenprodukt geworden. Drei Etappen, alle von Microsoft selbst dokumentiert:
| Bericht | Akteur | Was neu war |
|---|---|---|
| 13.02.2025 | Storm-2372 | Aktiv seit August 2024; Köder als Teams-Einladung, der Code als „Meeting-ID". Einen Tag später der Wechsel auf die Client-ID des Microsoft Authentication Broker: damit registrierte der Angreifer ein eigenes Gerät in Entra ID und erhielt ein Primary Refresh Token. |
| 06.04.2026 | EvilTokens-Kunden | Der Code wird erst beim Klick des Opfers erzeugt, damit die 15 Minuten Gültigkeit nicht vorher ablaufen; die Seite fragt alle drei bis fünf Sekunden nach und kopiert den Code gleich in die Zwischenablage. Köder per generativer KI auf Rolle und Abteilung zugeschnitten. |
| 22.09.2026 | Storm-2992 (Betreiber von EvilTokens) | Mehr als 12.000 kompromittierte Postfächer in über 10.000 Organisationen seit Februar 2026; Microsoft hat 50 Websites beschlagnahmt und über 150 Domains abgeschaltet, in Großbritannien gab es zwei Festnahmen. |
Das Geschäftsmodell erklärt die Verbreitung: Laut Microsoft kostet der Einstieg in EvilTokens 1.500 US-Dollar, danach 500 US-Dollar Abo, mit fertigen Vorlagen und Telegram-Benachrichtigung, sobald im erbeuteten Postfach ein Stichwort wie „Rechnung" auftaucht. Die Abschaltung im September hat die Infrastruktur getroffen, nicht die Technik. Wer das Kit gekauft hat, kennt den Ablauf; Nachahmer brauchen nur einen Webspace und eine Liste von Adressen.
Was nach dem Einbruch passiert
Microsoft beschreibt in den Berichten vom April und September ein wiederkehrendes Muster. Manche Täter registrierten binnen zehn Minuten ein eigenes Gerät, um ein langlebiges Primary Refresh Token zu bekommen. Andere warteten Stunden, legten dann Posteingangsregeln an, die Antworten ausblenden, und durchsuchten das Postfach nach Überweisungen, Rechnungen und Mails der Geschäftsführung. Für den Mittelstand ist das der eigentliche Schaden: kein verschlüsselter Server, sondern eine geänderte Bankverbindung in einer Rechnung, die echt aussieht, weil sie aus einem echten Postfach kommt.
Die von Microsoft genannten Branchen – Großhandel, Bau, Finanzdienstleister, Immobilien, Hochschulen, Gesundheitswesen – sind keine exotischen Ziele. Deutschland taucht in der Liste der Länder mit den meisten Opfern nicht auf; daraus Entwarnung abzuleiten, wäre bei einem Kit, das jeder kaufen kann, leichtsinnig.
/04Bestandsaufnahme: Wer nutzt den Gerätecode-Fluss?
Bevor Sie sperren, sollten Sie wissen, wer den Fluss heute legitim nutzt. Microsoft schreibt selbst, der Fluss werde von Kunden selten, von Angreifern aber häufig genutzt. Unser Erfahrungswert aus Tenants mit 40 bis 300 Arbeitsplätzen, keine Studienlage: Nach der Auswertung bleibt eine Handvoll Konten übrig – Teams-Raumsysteme, ein oder zwei Administratoren mit Kommandozeilenwerkzeugen, gelegentlich ein Altgerät. Dass das so ist, sagt Ihnen allerdings nur die Messung im eigenen Tenant.
Im Entra Admin Center
Unter Entra ID › Monitoring & health › Sign-in logs den Filter Authentication Protocol hinzufügen und auf Device code setzen. Der Zeitraum ist begrenzt: Entra ID speichert Anmeldeprotokolle mit P1 oder P2 30 Tage, in der kostenlosen Stufe nur sieben.
Per Microsoft Graph PowerShell
Für eine Liste, die sich ablegen und vergleichen lässt, eignet sich das Graph-SDK. Die Eigenschaften authenticationProtocol und originalTransferMethod stehen in der Beta-Schnittstelle; das Herunterladen der Anmeldeprotokolle über Graph setzt Entra ID P1 oder P2 voraus.
# einmalig: Install-Module Microsoft.Graph.Beta.Reports
Connect-MgGraph -Scopes "AuditLog.Read.All","Directory.Read.All"
$seit = (Get-Date).ToUniversalTime().AddDays(-30).ToString("yyyy-MM-ddTHH:mm:ssZ")
$anm = Get-MgBetaAuditLogSignIn -Filter "createdDateTime ge $seit" -All
$dc = $anm | Where-Object {
$_.AuthenticationProtocol -eq 'deviceCode' -or
$_.OriginalTransferMethod -eq 'deviceCodeFlow'
}
$dc | Group-Object UserPrincipalName, AppDisplayName |
Sort-Object Count -Descending |
Select-Object Count, Name
# Detail je Konto: wann, von wo, mit welchem Ergebnis
$dc | Select-Object CreatedDateTime, UserPrincipalName, AppDisplayName,
IpAddress, @{n='Land';e={$_.Location.CountryOrRegion}},
@{n='Fehler';e={$_.Status.ErrorCode}} |
Sort-Object CreatedDateTime | Format-Table -AutoSize
Ohne Filter auf den Ereignistyp liefert die Schnittstelle nur interaktive Anmeldungen. Das reicht für die Frage „Wer hat den Fluss angestoßen?", weil die Code-Eingabe interaktiv ist. Bei großen Tenants dauert -All über 30 Tage spürbar; dann den Zeitraum in Wochenscheiben abfragen.
Eine Beispielausgabe, wie sie typischerweise aussieht (Namen geändert):
Count Name
----- ----
14 raum-og2@firma.de, Microsoft Teams Rooms
6 admin-mk@firma.de, Microsoft Azure CLI
1 s.becker@firma.de, Microsoft Authentication Broker
Deutung: Das Raumkonto ist erwartbar und kommt auf die Ausnahmeliste. Der Administrator mit Azure CLI ist eine Gewohnheit, die sich ändern lässt (siehe /06). Die einzelne Zeile der Sachbearbeiterin mit dem Authentication Broker ist der Fall, den Sie sofort ansehen: IP-Adresse, Land, Uhrzeit, und ob danach ein neues Gerät registriert wurde. Genau diese Kombination beschreibt Microsoft bei Storm-2372.
Mit Log Analytics oder Sentinel
Wer die Entra-Protokolle per Diagnoseeinstellung in einen Log-Analytics-Arbeitsbereich oder ein SIEM schreibt, hat längere Aufbewahrung und kann dauerhaft alarmieren:
SigninLogs
| where TimeGenerated > ago(90d)
| where AuthenticationProtocol == "deviceCode"
or OriginalTransferMethod == "deviceCodeFlow"
| summarize Anzahl = count(),
Erste = min(TimeGenerated), Letzte = max(TimeGenerated),
IPs = make_set(IPAddress, 10), Laender = make_set(Location, 10)
by UserPrincipalName, AppDisplayName, ResultType
| order by Anzahl desc
ResultType 0 bedeutet erfolgreiche Anmeldung, alles andere ist ein Fehlercode. Ein erfolgreicher Gerätecode-Eintrag bei einem Konto, das nicht auf Ihrer Ausnahmeliste steht, ist nach der Sperre ein Alarm, den ein SOC nachts genauso ernst nehmen sollte wie tagsüber.
/05Die Sperrregel in Conditional Access
Microsoft empfiehlt ausdrücklich, den Gerätecode-Fluss „wherever possible" zu blockieren, und beschreibt die Regel in der eigenen Dokumentation. Vorher lohnt ein Blick in die Richtlinienliste: Microsoft rollt eine verwaltete Richtlinie „Block device code flow" aus, die in berechtigten Tenants im Report-only-Modus angelegt und frühestens 30 Tage später scharf geschaltet wird, angekündigt zwei Wochen vorher. Steht dort in der Spalte „Created by" bereits Microsoft, entscheiden Sie bewusst, ob Sie diese Richtlinie nutzen oder eine eigene mit Ihren Ausnahmen.
Im Portal
- Als mindestens Conditional Access Administrator im Entra Admin Center anmelden, Entra ID › Conditional Access › Policies › New policy.
- Name nach Ihrem Schema, etwa
CA-BLOCK-DeviceCodeFlow. - Users › Include: All users. Exclude: die Notfallkonten und eine Gruppe
CA-Ausnahme-DeviceCode. - Target resources › Include: All resources. Exclude: Device Registration Service – sonst scheitert die Registrierung von Teams-Geräten.
- Conditions › Authentication flows: Configure auf Yes, Device code flow auswählen.
- Grant: Block access.
- Enable policy: Report-only. Nach ein bis zwei Wochen Auswertung auf On.
Per Graph, reproduzierbar
Für Dokumentation und mehrere Tenants ist die Regel als Code besser aufgehoben als als Klickfolge. Die Client-ID des Device Registration Service nennt Microsoft in der Dokumentation zu den Authentication Flows.
Connect-MgGraph -Scopes "Policy.ReadWrite.ConditionalAccess","Policy.Read.All"
$ausnahme = (Get-MgGroup -Filter "displayName eq 'CA-Ausnahme-DeviceCode'").Id
$notfall = (Get-MgGroup -Filter "displayName eq 'CA-Notfallkonten'").Id
$regel = @{
displayName = "CA-BLOCK-DeviceCodeFlow"
state = "enabledForReportingButNotEnforced" # Report-only
conditions = @{
users = @{ includeUsers = @("All"); excludeGroups = @($ausnahme, $notfall) }
applications = @{
includeApplications = @("All")
excludeApplications = @("01cb2876-7ebd-4aa4-9cc9-d28bd4d359a9") # Device Registration Service
}
clientAppTypes = @("all")
authenticationFlows = @{ transferMethods = "deviceCodeFlow" }
}
grantControls = @{ operator = "OR"; builtInControls = @("block") }
}
New-MgIdentityConditionalAccessPolicy -BodyParameter $regel
Den Report-only-Zeitraum werten Sie über die Registerkarte Policy impact der Richtlinie oder im Anmeldeprotokoll unter Conditional Access › Report-only aus. Jede Zeile „Report-only: Failure" ist eine Anmeldung, die nach dem Scharfschalten gesperrt würde – also entweder ein Kandidat für die Ausnahmegruppe oder genau das, was Sie verhindern wollen.
Die Sperre ist eine Regel unter vielen; wirksam wird sie erst im Zusammenspiel mit Notfallkonten, Gerätebedingungen und Protokollauswertung. Zero Trust Security — Identitäten, Anmelderegeln und Geräteprüfung als Gesamtwerk, beginnend mit einem Security-Assessment Ihres Tenants.
/06Ausnahmen für Teams Rooms, Azure CLI und Altgeräte
Ausnahmen sind der Teil, an dem die Regel in der Praxis scheitert – nicht technisch, sondern weil die Liste nach einem Jahr niemand mehr kennt. Microsoft gibt für Teams-Geräte eine klare Linie vor: Standard ist die Sperre, Ausnahmen gibt es nur für die Ressourcenkonten der Geräte, und der Device Registration Service bleibt ausgenommen.
| Nutzung | Umgang | Begründung |
|---|---|---|
| Teams Rooms, Teams-Telefone, Panels | Ressourcenkonto in die dauerhafte Ausnahmegruppe; Besitzer, Gerät und Ticketnummer dokumentieren | Laut Microsoft beim Erstanmelden, beim Neueinrichten und bei Neuanmeldungen nach Passwort- oder Richtlinienänderung nötig |
Azure CLI, PowerShell-Module mit --use-device-code | auf Browser- oder Broker-Anmeldung umstellen; Automatisierung auf verwaltete Identitäten | Gewohnheit, keine technische Notwendigkeit; Admin-Konten sind das wertvollste Ziel |
| Altgerät oder Fachanwendung ohne Alternative | eigene Ausnahmegruppe, nur dieses Dienstkonto, möglichst mit Standortbedingung | dokumentierte Risikoannahme mit Besitzer und Prüftermin |
| Persönliche Teams-Geräte | möglichst keine Ausnahme; wenn doch, einzeln, überwacht, befristet geprüft | Das Nutzerkonto könnte den Fluss dann auch außerhalb von Teams verwenden |
Der wichtigste Satz steht in Microsofts Anleitung für Teams-Geräte: Eine Ausnahme ist an das Konto gebunden, es gibt keinen Weg, sie auf eine Ressource oder ein Szenario zu begrenzen. Ein ausgenommenes Konto kann den Gerätecode-Fluss für jede App nutzen. Darum gehört kein normales Nutzerkonto in die Gruppe der Raumsysteme – auch nicht „nur kurz zum Einrichten".
Ausnahmegruppe regelmäßig prüfen
$g = Get-MgGroup -Filter "displayName eq 'CA-Ausnahme-DeviceCode'"
Get-MgGroupMember -GroupId $g.Id -All |
ForEach-Object { $_.AdditionalProperties.userPrincipalName }
Diese Liste gehört in die vierteljährliche Rechteprüfung, zusammen mit den Mitgliedern privilegierter Rollen (Privileged Access Management). Ein Konto, das dort steht, aber in 90 Tagen keine Gerätecode-Anmeldung hatte, fliegt raus. Administratoren, die den Fluss für Kommandozeilenwerkzeuge brauchten, bekommen statt einer Dauerausnahme die Browser-Anmeldung und – wo Sie das ohnehin planen – zeitlich begrenzte Rollen per Just-in-Time-Zugriff.
/07Verdacht auf Device-Code-Phishing: die ersten Schritte
Ein Mitarbeiter meldet: „Ich habe heute früh einen Code für eine Teams-Besprechung eingegeben, danach kam nichts." Oder die Abfrage aus /04 zeigt eine Gerätecode-Anmeldung, die niemand erklären kann. Dann zählt die Reihenfolge, und die ist in einem Runbook besser aufgehoben als im Gedächtnis.
- Konto sperren, nicht nur Sitzungen widerrufen. Microsoft weist darauf hin, dass der Widerruf meist nur Refresh Tokens ungültig macht; bereits ausgestellte Access Tokens bleiben bis zu eine Stunde nutzbar.
- Sitzungen widerrufen – danach, nicht stattdessen.
- Neu registrierte Geräte des Kontos prüfen und entfernen. Ein vom Angreifer registriertes Gerät mit Primary Refresh Token überlebt sonst den Passwortwechsel.
- Posteingangsregeln und Weiterleitungen prüfen. Typisch sind Regeln, die Antworten verschieben oder löschen; Microsoft beschreibt auch Regelnamen nur aus Sonderzeichen.
- Gesendete Mails und Kontakte prüfen. Storm-2372 verschickte aus übernommenen Postfächern weitere Gerätecode-Köder an Kollegen und Partner.
- Buchhaltung warnen. Laufende Zahlungen mit geänderter Bankverbindung telefonisch über eine bekannte Nummer bestätigen lassen.
$upn = "s.becker@firma.de"
# 1 + 2: sperren, dann Sitzungen widerrufen
Update-MgUser -UserId $upn -AccountEnabled:$false
Revoke-MgUserSignInSession -UserId $upn
# 3: registrierte Geräte mit Datum
Get-MgUserRegisteredDevice -UserId $upn -All | ForEach-Object {
[pscustomobject]@{
Name = $_.AdditionalProperties.displayName
System = $_.AdditionalProperties.operatingSystem
Registriert = $_.AdditionalProperties.registrationDateTime
}
}
# 4: Posteingangsregeln (Exchange Online PowerShell)
Connect-ExchangeOnline
Get-InboxRule -Mailbox $upn |
Select-Object Name, Enabled, MoveToFolder, DeleteMessage, ForwardTo, RedirectTo
Das Konto wird erst wieder freigegeben, wenn Geräte, Regeln und Weiterleitungen bereinigt sind und die Sperrregel aus /05 aktiv ist – sonst wiederholt sich das Spiel mit dem nächsten Code. Den größeren Rahmen, wer im Ernstfall was entscheidet, beschreibt Cyberangriff: die ersten 60 Minuten; die Gerätecode-Schritte gehören als eigener Fall in Ihren Incident-Response-Plan.
Ob eine Gerätecode-Anmeldung um 23 Uhr harmlos ist, entscheidet jemand, der den Alarm sieht und die Sperre auslösen darf. Managed SOC — Auswertung der Entra-Anmeldeprotokolle, Alarmierung und Erstreaktion nach abgestimmtem Ablauf.
/08Grenzen und Fallstricke der Sperre
Die Regel ist einfach, ihre Nebenwirkungen nicht immer. Vier Punkte, an denen Einführungen hängen bleiben:
- Protokoll-Tracking wirkt nach. Entra ID merkt sich, dass eine Sitzung mit dem Gerätecode-Fluss begonnen hat, und vererbt das an spätere Token-Erneuerungen. Eine Sitzung, die per Gerätecode für SharePoint erlaubt war, kann deshalb beim Zugriff auf Exchange gesperrt werden, obwohl dort kein Gerätecode im Spiel ist. Im Protokoll zeigt das Feld Original transfer method den Grund; gilt die Regel für alle Anwendungen, erscheint der Fehler AADSTS530036. Microsoft nennt das erwartetes Verhalten ohne Abhilfe – betroffene Geräte müssen sich neu anmelden.
- Der Device Registration Service muss draußen bleiben. Seit September 2024 greifen Authentication-Flow-Regeln auch dort, wenn die Regel auf „All resources" zielt. Wer ihn nicht ausnimmt, wundert sich, warum neue Teams-Geräte sich nicht mehr registrieren lassen.
- Die Regel schützt nicht vor Token-Diebstahl über andere Wege. AiTM-Proxys, gestohlene Sitzungs-Cookies von infizierten Rechnern oder böswillige App-Einwilligungen sind eigene Baustellen. Die Sperre schließt genau einen Weg, und zwar einen, der 2026 besonders billig geworden ist.
- Ohne Lizenz keine Feinsteuerung. Conditional Access setzt Entra ID P1 voraus. Wer nur Microsoft 365 Business Standard hat, kann keine eigene Regel mit Ausnahmen bauen (siehe /09).
Ein weiterer Fallstrick ist organisatorisch: Report-only ist bequem und wird gern vergessen. Eine Regel, die seit einem halben Jahr „nur protokolliert", schützt niemanden. Setzen Sie beim Anlegen ein Datum für das Scharfschalten fest und tragen Sie es in den Änderungskalender ein.
/09Entscheidung: sperren, eingrenzen oder Lizenz klären
Für die meisten Mittelständler ist die Antwort kurz: sperren, mit kleiner, dokumentierter Ausnahmeliste. Die Tabelle ordnet die häufigsten Ausgangslagen.
| Wenn … | und … | dann … |
|---|---|---|
| Entra ID P1 oder Business Premium vorhanden | die Bestandsaufnahme zeigt keine legitime Nutzung | Regel für alle Nutzer und Ressourcen, eine Woche Report-only, dann On |
| P1 vorhanden | Teams Rooms oder andere Raumsysteme im Einsatz | Regel mit Ausnahmegruppe nur für Ressourcenkonten, Device Registration Service ausnehmen |
| P1 vorhanden | Administratoren nutzen Gerätecode für Kommandozeilen | Anmeldung umstellen, keine Dauerausnahme für Admin-Konten |
| keine P1-Lizenz | Sicherheitsstandards aktiv | bereits gesperrt – die Sicherheitsstandards blockieren den Gerätecode-Fluss; prüfen, ob sie wirklich an sind |
| keine P1-Lizenz | Sicherheitsstandards abgeschaltet, keine eigenen Regeln | offene Flanke: Sicherheitsstandards einschalten oder auf Business Premium bzw. P1 wechseln |
| Raumsysteme ohne P1 | Sicherheitsstandards würden sie aussperren | Lizenzfrage klären; Ausnahmen gibt es nur mit Conditional Access |
Die Sicherheitsstandards sind die kostenlose Grundsicherung von Entra ID. Laut Microsoft blockieren sie den Gerätecode-Fluss, und seit dem 1. Juli 2026 gilt das für alle neuen Tenants. Ältere Tenants, in denen die Standards irgendwann abgeschaltet wurden – oft wegen eines Druckers oder eines alten Mailprogramms –, stehen dagegen offen. Ein Blick unter Entra ID › Overview › Properties › Manage security defaults klärt das in einer Minute.
Wann ist das Thema für Sie irrelevant? Wenn Sie kein Microsoft 365 und kein Entra ID nutzen – oder wenn Ihre Bestandsaufnahme ergibt, dass die Sicherheitsstandards aktiv sind und Sie keine Raumsysteme betreiben. Dann ist der Fluss bereits zu, und Ihre Zeit ist bei anderen Anmelderegeln besser aufgehoben. Wo Microsoft 365 im Rahmen einer Umstellung ohnehin neu geordnet wird, gehört die Regel in die Grundkonfiguration der Microsoft-365-Migration und nicht in ein späteres Nachrüstprojekt.
In der Praxis (Erfahrungswert): Die Bestandsaufnahme dauert in einem Tenant mit 120 Konten eine Stunde, die Regel zehn Minuten, die Report-only-Phase eine Woche. Der aufwändigste Teil ist nicht die Technik, sondern die Frage, wem die Ausnahmeliste gehört.
/10Häufige Fragen
/01Hilft MFA gegen Device-Code-Phishing?+
/02Wie blockiere ich den Device Code Flow in Entra ID?+
/03Brauchen wir den Gerätecode-Fluss überhaupt?+
/04Was passiert mit unseren Teams Rooms, wenn wir sperren?+
/05Wir haben kein Entra ID P1. Sind wir ungeschützt?+
/06Reicht es, nach einem Vorfall das Passwort zu ändern?+
/07Woran erkenne ich, ob wir schon betroffen waren?+
- Microsoft Security Blog, „Inside an AI-enabled device code phishing campaign", 06.04.2026, microsoft.com/en-us/security/blog/2026/04/06/ai-enabled-device-code-phishing-campaign/, abgerufen am 22.10.2026.
- Microsoft Security Blog, „Unmasking EvilTokens: Getting to the root of device code phishing", 22.09.2026, microsoft.com/en-us/security/blog, abgerufen am 22.10.2026.
- Microsoft On the Issues, „Disrupting EvilTokens", Steven Masada, 22.09.2026, blogs.microsoft.com/on-the-issues, abgerufen am 22.10.2026.
- Microsoft Threat Intelligence, „Storm-2372 conducts device code phishing campaign", 13.02.2025 mit Update vom 14.02.2025, microsoft.com/en-us/security/blog, abgerufen am 22.10.2026.
- Microsoft Learn, „Authentication flows as a condition in Conditional Access policy", Stand 24.03.2026, learn.microsoft.com, abgerufen am 22.10.2026.
- Microsoft Learn, „Block authentication flows with Conditional Access policy", Stand 24.03.2026, learn.microsoft.com, abgerufen am 22.10.2026.
- Microsoft Learn, „Restrict device code flow for Microsoft Teams devices with Conditional Access", Stand 27.05.2026, learn.microsoft.com, abgerufen am 22.10.2026.
- Microsoft Learn, „Microsoft-managed Conditional Access policies", Stand 28.05.2026, learn.microsoft.com, abgerufen am 22.10.2026.
- Microsoft Learn, „Configure security defaults for Microsoft Entra ID", learn.microsoft.com, abgerufen am 22.10.2026.
- Microsoft Learn, „Microsoft Entra Conditional Access" (License requirements), Stand 27.04.2026, learn.microsoft.com, abgerufen am 22.10.2026.
- Microsoft Learn, „Microsoft Entra data retention", Stand 06.01.2026, learn.microsoft.com, abgerufen am 22.10.2026.
- Microsoft Graph, signIn resource type (beta) und conditionalAccessAuthenticationFlows (v1.0), learn.microsoft.com/graph, abgerufen am 22.10.2026.
- Microsoft Learn, Azure Monitor Logs reference – SigninLogs, Stand 27.08.2026, learn.microsoft.com, abgerufen am 22.10.2026.
- Niklas Kerner, „Token Theft in Microsoft Entra ID (Part 1 of 4)", insinuator.net (ERNW), 24.08.2026, abgerufen am 22.10.2026.
HostSpezial-Redaktion — HostSpezial betreibt seit 2010 Managed Services für den Mittelstand aus deutschen Rechenzentren, zertifiziert nach ISO/IEC 27001 (Zertifikat 202787), Sitz in Lichtenfels. Fachliche Prüfung und Freigabe dieses Beitrags liegen bei der Redaktion. Impressum · Kontakt
