Seit der Übernahme von VMware durch Broadcom hat sich das Lizenzmodell grundlegend geändert — und das spüren mittelständische Zulieferer in den Landkreisen Coburg, Lichtenfels, Kronach und Kulmbach gerade sehr deutlich auf ihren Renewal-Angeboten. Wer ein klassisches vSphere-Cluster mit ESXi-Hosts an einem Fibre-Channel-SAN betreibt, steht vor der Frage: das deutlich teurere Subscription-Paket verlängern oder migrieren?
Dieser Artikel richtet sich an IT-Leiter und Geschäftsführer, die diese Entscheidung konkret vor sich haben. Wir verbinden die technische Migrationstiefe — FC-SAN, Shared-LVM, Proxmox VE 9, Live-Migration — mit dem, was überregionale Systemhäuser nicht bieten: persönliche Präsenz in der Region und ein eigenes Rechenzentrums-Setup im SÜC Coburg.
Kurz vorweg, ehrlich: Proxmox ersetzt nicht jedes VMware-Komfortfeature 1:1. Wo es Lücken gibt, sagen wir das vorher — nicht erst beim Cutover. Aber für die typische Zulieferer-Umgebung mit 20–40 VMs an einem bestehenden SAN ist Proxmox VE 9 eine technisch ausgereifte und deutlich günstigere Alternative.
Warum VMware für Zulieferer in Oberfranken zum Kostenproblem wird
Broadcom hat das VMware-Portfolio nach der Übernahme radikal vereinfacht und auf ein reines Subscription-Modell umgestellt. Die unbefristeten Lizenzen (Perpetual), die viele Zulieferer über Jahre angeschafft hatten, gibt es im Neugeschäft nicht mehr. Wer bleibt, mietet — jährlich.
Das Broadcom-Lizenzmodell: 16-Core-Minimum und Subscription-Zwang
Die für den Mittelstand schmerzhafteste Änderung ist die Lizenzierung pro CPU mit einem Mindestabnahme von 16 Cores pro physischer CPU (laut Broadcom/VMware-Lizenzdokumentation). Wer also Hosts mit kleineren CPUs betreibt, zahlt trotzdem für 16 Cores je Sockel — die tatsächliche Kernzahl spielt nach unten keine Rolle. In Kombination mit dem Subscription-Zwang ergibt das bei vielen Bestandskunden eine spürbar höhere Jahresrechnung als unter dem alten Modell.
Häufiger Irrtum: Es kursiert die Zahl „72-Core-Minimum". Das ist falsch. Das Minimum liegt bei 16 Cores pro CPU. 72 ist keine Lizenzuntergrenze, sondern allenfalls eine Beispielsumme aus mehreren Sockeln. Wichtig für Ihre Kalkulation: gerechnet wird pro physischer CPU, mindestens 16 Cores.
Was Renewals real bedeuten — 2x bis 5x in der Praxis
Belastbare Durchschnittszahlen gibt es naturgemäß nicht, weil jeder Vertrag anders aussieht. Was wir in Migrationsgesprächen mit Zulieferern aus der Region beobachten: Renewal-Angebote liegen häufig beim Zwei- bis Fünffachen der bisherigen Jahreskosten. Diese Spanne ist ausdrücklich eine Markt- und Erfahrungsbeobachtung, keine belegte Statistik — Ihr konkretes Angebot kann darunter oder darüber liegen. Entscheidend ist, dass die Größenordnung für planungsverantwortliche IT-Leiter relevant genug ist, um Alternativen ernsthaft zu prüfen.
Proxmox VE 9 als Alternative — was Zulieferer technisch erwartet
Proxmox Virtual Environment (Proxmox VE) ist eine quelloffene Virtualisierungsplattform auf Basis von Debian, KVM und LXC. Mit Version 9 hat das Projekt eine für SAN-Betreiber zentrale Lücke geschlossen. Wer aus der VMware-Welt kommt, findet die meisten gewohnten Konzepte wieder — teils unter anderem Namen.
| VMware-Feature | Proxmox-Äquivalent | Hinweis |
|---|---|---|
| vMotion | Live-Migration | VM-Umzug zwischen Nodes ohne Abschalten |
| vSAN | Ceph / Shared-LVM | Ceph als HCI, Shared-LVM auf vorhandenem SAN |
| VMFS-Snapshots | LVM-/qcow2-Snapshots | Seit PVE 9 auch auf thick Shared-LVM |
| DRS | HA-Rules / Affinity | Lastverteilung über Regeln, nicht vollautomatisch |
| vCenter | PVE-GUI / Datacenter Manager | Cluster-weite Web-GUI, PDM für Multi-Cluster |
FC-SAN und Shared-LVM: Snapshots auf bestehender Storage-Hardware
Der häufigste Einwand von Zulieferern lautet: „Wir haben gerade erst in ein Fibre-Channel-SAN investiert — das werfen wir nicht weg." Müssen Sie auch nicht. Proxmox VE 9 unterstützt Shared-LVM auf FC-LUNs nativ. Ihre ESXi-Hosts greifen heute über das SAN auf dieselben LUNs zu — genau dieses Modell bildet Proxmox mit einer gemeinsamen LVM-Volume-Group über alle Cluster-Nodes ab.
Das eigentliche Highlight von Version 9: Snapshots funktionieren jetzt auch auf thick-provisioniertem Shared-LVM (laut Proxmox-Release-Notes 9.0). Das war lange die Schwachstelle gegenüber VMFS — und sie ist beseitigt. Für Backup- und Testworkflows auf FC-Storage ist das der entscheidende Unterschied. Tiefer steigen wir in unserem Praxisartikel zu Proxmox-Cluster mit Fibre-Channel-SAN ein.
| Storage-Option | Snapshots | Eignung |
|---|---|---|
| FC-SAN + Shared-LVM (thick) | Ja (ab PVE 9) | Vorhandenes SAN weiternutzen |
| Ceph (HCI) | Ja | Neuaufbau ohne SAN, ab 3 Nodes |
| ZFS local | Ja | Einzelhost / kleine Setups, keine Shared-Nutzung |
Live-Migration und HA im Cluster
Über das Shared-Storage lassen sich VMs per Live-Migration im laufenden Betrieb zwischen Nodes verschieben — funktional das, was Sie als vMotion kennen. Für Hochverfügbarkeit verwaltet der Proxmox-HA-Manager den automatischen Neustart von VMs auf einem anderen Node, falls ein Host ausfällt. Affinity- und Anti-Affinity-Regeln steuern, welche VMs zusammen oder getrennt laufen sollen. Eine vollautomatische Lastverteilung wie VMwares DRS ersetzt das nicht 1:1 — das ist eine der ehrlichen Lücken, die man kennen sollte.
TISAX und Informationssicherheit bei der Migration
Automotive-Zulieferer kennen TISAX (Trusted Information Security Assessment Exchange): Es ist kein Gesetz, sondern eine vertragliche Anforderung der OEM-Lieferkette, basierend auf dem VDA-ISA-Katalog und organisiert über die ENX Association. Wer für die Automobilindustrie produziert, muss seinen Informationssicherheits-Reifegrad nachweisen — und das betrifft auch die Virtualisierungsplattform.
Proxmox selbst trägt kein TISAX-Label — das wäre auch sinnlos, denn zertifiziert wird Ihre Organisation und ihr Betrieb, nicht ein Stück Software. Entscheidend ist, dass die Migration die bestehende Netzsegmentierung, die Zugriffskontrollen und die Dokumentationspflichten unangetastet lässt. Wir setzen Migration und Betrieb so auf, dass sie Ihre TISAX- und ISO 27001-Nachweise stützen statt zu gefährden. Größere Zulieferer sollten zusätzlich prüfen, ob sie unter NIS2 fallen. Mehr dazu auf unserer Branchenseite Automotive & TISAX.
Trust-Signal: HostSpezial ist nach ISO/IEC 27001:2022 zertifiziert (Zertifikat Nr. 202787, ISOZERT-WEST). Das ist keine Marketingaussage, sondern belegbar — und es ist die Nachweisbasis, auf der wir Ihren abgesicherten Betrieb aufsetzen.
Migrationsablauf in fünf Phasen (Assessment bis Cutover)
Eine seriöse Migration ist kein Big-Bang, sondern läuft in klar getrennten Phasen. So sieht der typische Ablauf für ein Zulieferer-Cluster aus:
- 1. Assessment: Aufnahme von Hosts, VMs, Storage-Layout, Netzsegmenten und Abhängigkeiten. Hier entscheidet sich, was per Live-Import und was per Cold-Migration umzieht.
- 2. Zielarchitektur: Auslegung des Proxmox-Clusters, Anbindung der vorhandenen FC-LUNs als Shared-LVM, HA- und Backup-Konzept.
- 3. Pilot: Migration einiger unkritischer VMs zur Validierung von Performance, Treibern (VirtIO) und Backup-Restore.
- 4. Migrationswellen: Schrittweiser Umzug in definierten Wartungsfenstern, kritische Systeme per Cold-Migration über Nacht.
- 5. Cutover & Betrieb: Abschaltung der VMware-Lizenzen, Übergabe in den Regelbetrieb — optional als Managed Proxmox.
| Migrationsmethode | Downtime | Wann geeignet |
|---|---|---|
| Live-Import aus ESXi | Gering | Standard-VMs, integrierter Import-Assistent |
| qm importdisk | Mittel | Manueller Disk-Import, Sonderfälle |
| Cold-Migration (Backup/Restore) | Geplant (Fenster) | Kritische Systeme, sauberer Schnitt über Nacht |
Praxisbeispiel: Ein Maschinenbau-Zulieferer aus der Region (~120 Mitarbeiter, 28 VMs, 3-Node-Cluster an einem FC-SAN) erhielt ein VMware-Renewal-Angebot deutlich über dem Vorjahr. Ergebnis: Migration auf Proxmox VE 9 mit Shared-LVM auf dem bestehenden SAN, Cutover in mehreren Wartungsfenstern, keine Neuanschaffung der Storage-Hardware.
Warum regionale Nähe bei der Migration zählt
Eine Migration ist kein reines Software-Projekt. Beim Cutover stehen Sie an einem Punkt, an dem ein Treiberproblem, eine SAN-Pfad-Konfiguration oder ein Netzthema in Minuten gelöst werden muss — nicht über eine Hotline, die ein Ticket eröffnet und in der Warteschlange einreiht. Genau hier macht ein Partner aus der Region den Unterschied.
Vor-Ort-Hardware-Zugriff und das SÜC-Rechenzentrum Coburg
Als ISO-27001-zertifizierter MSP mit Sitz in Lichtenfels sind wir bei kritischen Cutover-Fenstern persönlich in Ihrem Haus — physischer Zugriff auf Hosts und SAN inklusive. Für Zulieferer, die georedundanten Betrieb oder einen externen Standort brauchen, bieten wir Hosting im SÜC-Rechenzentrum Coburg an. Das verbindet Migrationstiefe mit Erreichbarkeit, die ein überregionales Systemhaus aus der Ferne nicht leisten kann.
Praxisbeispiel Automotive: Ein Zulieferer mit TISAX-Anforderung migrierte unter Beibehaltung seiner Netzsegmentierung und Dokumentationspflichten — mit der Option, kritische Systeme georedundant im SÜC-RZ Coburg zu betreiben.
Kostenvergleich: VMware-Renewal vs. Proxmox-Migration
Die zentrale Frage der Geschäftsführung lautet: Rechnet sich das? Die ehrliche Antwort: Es hängt von Cluster-Größe und Storage ab. Aber das Muster ist konsistent — die VMware-Kosten sind wiederkehrend und gestiegen, die Migration ist eine einmalige Investition.
| Aspekt | VMware-Renewal | Proxmox-Migration |
|---|---|---|
| Kostenart | Jährlich, wiederkehrend | Einmalig (+ optionaler Support) |
| Lizenzmodell | Subscription, 16-Core-Minimum/CPU | Optionale Subscription, keine Core-Untergrenze |
| Storage-Hardware | Bleibt | Bleibt (FC-SAN via Shared-LVM) |
| Tendenz Folgejahre | Weiter steigend | Planbar, ohne Lizenz-Eskalation |
In der Praxis amortisiert sich die einmalige Migration bei gestiegenen Renewal-Angeboten oft schon im ersten bis zweiten Jahr. Danach entfällt der jährliche Lizenz-Block weitgehend — bei optionaler Proxmox-Subscription ohne Core-Mindestabnahme.
Häufige Stolpersteine und wie man sie vermeidet
Damit eine Migration nicht zur Lehrstunde wird, hier die Punkte, an denen es in der Praxis am häufigsten hakt:
- Fehlende VirtIO-Treiber: Windows-VMs brauchen die VirtIO-Treiber für optimale Performance — vor dem Umzug einspielen, nicht danach.
- SAN-Multipathing: Die FC-Pfad-Konfiguration muss auf den Proxmox-Hosts sauber eingerichtet sein, sonst leidet die Storage-Performance.
- Backup zuerst: Kein Cutover ohne validiertes Restore. Wir testen die Wiederherstellung im Pilot, nicht im Ernstfall.
- DRS-Erwartung: Wer vollautomatische Lastverteilung gewohnt ist, muss wissen, dass Proxmox hier mit Regeln statt Automatik arbeitet.
- Wartungsfenster realistisch planen: Kritische Produktionssysteme gehören in geplante Fenster, nicht in den laufenden Tagbetrieb.
Fazit und nächster Schritt
Für die typische Zulieferer-Umgebung in Oberfranken — ein vSphere-Cluster an einem Fibre-Channel-SAN, 20 bis 40 VMs, TISAX-Anforderung — ist Proxmox VE 9 eine technisch tragfähige und wirtschaftlich klar überlegene Alternative zum gestiegenen VMware-Renewal. Die bestehende SAN-Hardware bleibt, Snapshots funktionieren, und der Betrieb lässt sich TISAX- und ISO-27001-konform aufsetzen.
Was den Unterschied macht, ist die Kombination: FC-SAN-Migrationskompetenz plus Partner vor Ort. Wir migrieren Sie weg von VMware, ohne dass Sie Ihre Storage-Investition wegwerfen — und stehen beim Cutover persönlich neben dem Rack statt am anderen Ende einer Hotline.
Ehrlich bleibt ehrlich: Eine pauschale Null-Downtime-Zusage wäre unseriös. Bei sauberer Planung migrieren die meisten VMs in Wartungsfenstern, kritische Systeme über Nacht per Cold-Migration. Genau das klären wir in der Migrationsanalyse vorab — inklusive der ehrlichen Lücken.
Häufige Fragen
Funktioniert Proxmox mit unserem Fibre-Channel-SAN?
Ja. Proxmox VE 9 unterstützt Shared-LVM auf FC-LUNs und kann seit Version 9 Snapshots auch auf thick-provisioniertem Shared-Storage erstellen — Ihre SAN-Hardware bleibt im Einsatz.
Wie viel Downtime entsteht bei der Migration?
Bei sauberer Planung migrieren die meisten VMs in definierten Wartungsfenstern; kritische Systeme lassen sich per Cold-Migration über Nacht umziehen. Eine pauschale Null-Downtime-Zusage wäre unseriös.
Ist Proxmox TISAX-konform?
Proxmox selbst ist kein Zertifikat — entscheidend ist der dokumentierte, abgesicherte Betrieb. Wir setzen Migration und Betrieb so auf, dass sie Ihre TISAX- und ISO-27001-Nachweise stützen.
Was kostet die Migration im Vergleich zum VMware-Renewal?
Das hängt von Cluster-Größe und Storage ab. In der Praxis amortisiert sich die einmalige Migration oft schon im ersten bis zweiten Jahr gegenüber den gestiegenen Subscription-Kosten.
Bekommen wir auch den laufenden Betrieb?
Ja, optional als Managed Proxmox inkl. Patching, Monitoring und Backup — auf Wunsch mit Hosting im SÜC-Rechenzentrum Coburg.