Nicht der Hypervisor ist das Problem — das SAN ist die Frage
Seit der Broadcom-Übernahme von VMware ist die Migration weg von vSphere für viele Mittelständler keine Glaubensfrage mehr, sondern eine betriebswirtschaftliche. Die technische Entscheidung für Proxmox VE als VMware-Alternative ist meist schnell getroffen. Was die Projekte ins Stocken bringt, ist fast immer derselbe Satz aus der Infrastruktur-Runde: „Schön, aber wir haben ein Fibre-Channel-SAN mit VMFS. Was passiert damit?"
Diese Sorge ist berechtigt — und in der Praxis lösbar. Ein gut dimensioniertes FC-SAN ist eine Investition über fünf bis acht Jahre; niemand wirft es weg, weil der Hypervisor wechselt. Die gute Nachricht: Proxmox VE betreibt Ihr bestehendes SAN weiter, mit Live Migration und Hochverfügbarkeit. Die ehrliche Nachricht: Der Weg dorthin ist technisch anders als unter VMware, und an einer Stelle — den Snapshots — müssen Sie eine bewusste Architekturentscheidung treffen. Genau darum geht es in diesem Artikel.
Für wen dieser Deep Dive geschrieben ist: IT-Leiter und Administratoren, die heute VMware vSphere oder Microsoft Hyper-V auf einem geteilten Fibre-Channel- (oder iSCSI-) SAN betreiben und prüfen, ob ein Proxmox-Cluster ihre Storage-Architektur eins zu eins ablösen kann. Wenn Sie kein SAN haben und über verteilten Speicher nachdenken, ist unsere Proxmox-Cluster-Anleitung mit Ceph der bessere Startpunkt.
- SAN bleibt, Live Migration bleibt
- Multipath + Shared LVM (thick)
- ESXi-Import-Wizard ab PVE 8.2
- Snapshots: bewusste Entscheidung
- VMware-Lizenz entfällt komplett
- HA mit ≥3 Knoten + Fencing
Warum jetzt: Die Broadcom-Lizenzlage 2026
Der Auslöser für die Migrationswelle ist bekannt, lohnt aber die nüchterne Zusammenfassung — weil sie die wirtschaftliche Grundlage der Entscheidung liefert:
- Keine Perpetual-Lizenzen mehr. Broadcom verkauft seit 2024 keine unbefristeten VMware-Lizenzen; seit April 2025 sind auch keine Verlängerungen der Support-Verträge für Perpetual-Lizenzen mehr erhältlich. Es gilt das Abomodell.
- Konsolidierte Bundles. Das Portfolio besteht aus vier Stufen: VMware Cloud Foundation (VCF), vSphere Foundation (VVF), vSphere Standard und vSphere Enterprise Plus. Funktionen, die früher einzeln lizenzierbar waren, stecken nun in Paketen.
- Mindestabnahmen und Kern-Lizenzierung. Im April 2025 kündigte Broadcom eine Mindestabnahme von 72 Kernen pro Bestellung an — nach massivem Kundenprotest teils zurückgenommen, die Stoßrichtung größerer Mindestvolumina blieb.
- Preissprünge. Berichtete Steigerungen reichen je nach Vorvertrag und Rabattlage von rund 150 % bis weit über 1.000 %; erste VCF-Angebote lagen häufig beim Zwei- bis Fünffachen der bisherigen Perpetual-plus-Support-Kosten.
- Auslaufende Fristen. Der allgemeine Support für vSphere 7 endete am 2. Oktober 2025; bestehende Perpetual-Support-Verträge laufen spätestens bis Oktober 2027 aus. Danach bleibt nur: zu Neukonditionen abonnieren — oder migrieren.
Für ein typisches KMU mit zwei bis vier Hosts kann das den Unterschied zwischen einem niedrigen vierstelligen Wartungsbetrag und einer fünfstelligen Jahres-Subscription bedeuten. Eine ausführliche Gegenüberstellung der Optionen finden Sie in unserem Beitrag VMware-Alternativen 2026.
Nicht in Panik migrieren. Die Oktober-2027-Frist gibt Luft für ein sauberes Projekt. Eine überstürzte Migration auf unverstandener Storage-Architektur kostet am Ende mehr als eine Übergangs-Subscription. Planen Sie die SAN-Anbindung zuerst — sie ist der kritische Pfad, nicht der Hypervisor.
VMFS gibt es bei Proxmox nicht — und das ist okay
Der wichtigste konzeptionelle Unterschied vorab, weil daran die meisten Missverständnisse hängen: Proxmox hat kein direktes Gegenstück zu VMFS.
VMware legt mit VMFS ein clusterfähiges Dateisystem direkt auf das LUN. Mehrere ESXi-Hosts schreiben gleichzeitig hinein; VMFS regelt die Sperren auf Dateisystemebene. Das ist elegant, aber proprietär.
Proxmox geht den Linux-Weg: Auf dem gemeinsamen LUN liegt eine LVM-Volume-Group, und jede VM-Disk ist ein eigenes Logical Volume (Block-Device, kein File). Die Koordination — welcher Knoten welche VM und damit welches LV besitzt — übernimmt nicht ein Cluster-Dateisystem, sondern die Proxmox-Cluster-Datenbank (pmxcfs, repliziert über Corosync). Zu jedem Zeitpunkt aktiviert nur genau ein Knoten ein bestimmtes Logical Volume. Das verhindert Doppelzugriffe ganz ohne Cluster-Dateisystem.
Das Resultat ist funktional gleichwertig zu VMFS auf FC: gemeinsamer Block-Speicher, den alle Knoten sehen, mit Live Migration und HA. Nur die Mechanik darunter ist eine andere — und sie bringt die eine Einschränkung mit, die wir weiter unten ehrlich behandeln: native Snapshots.
Schritt 1: Multipath — das SAN-LUN sauber einbinden
Bevor LVM ins Spiel kommt, muss jedes LUN über alle redundanten FC-Pfade als ein Gerät erscheinen. Das ist die Aufgabe von multipathd. In einem ordentlichen SAN-Setup hat jeder Knoten zwei HBA-Ports an zwei getrennten Fabrics (A/B); ohne Multipath sähe Linux dasselbe LUN doppelt — ein Rezept für Datenkorruption.
Voraussetzung im Fabric: ein Zoning, das alle Proxmox-Knoten mit dem SAN-Target verbindet, und eine LUN-Maskierung, die dasselbe LUN an alle Hosts ausreicht. Das geschieht auf SAN- und Switch-Seite, identisch für jeden Knoten.
# Pakete (das -boot-Paket bindet Multipath früh in die initramfs ein)
apt install multipath-tools multipath-tools-boot
# WWID des LUN ermitteln
/lib/udev/scsi_id -g -u -d /dev/sdc
# Multipath-Status: ein LUN, mehrere Pfade
multipath -ll
Eine minimale, gut funktionierende /etc/multipath.conf sieht so aus — die blacklist schließt lokale Platten aus, die wwids werden gezielt freigegeben:
defaults {
user_friendly_names yes
find_multipaths yes
}
blacklist {
devnode "^(ram|raw|loop|fd|md|dm-|sr|scd|st)[0-9]*"
}
# Hersteller-Profile bringt multipath-tools meist schon mit;
# bei Bedarf device { vendor/product/path_grouping_policy } ergänzen.
Stolperfalle initramfs. Liegt das Root-Dateisystem nicht auf dem SAN (Normalfall), trotzdem nach jeder Änderung an /etc/multipath/wwids die initramfs neu erzeugen: update-initramfs -u. Sonst sieht der Knoten beim Boot kurzzeitig die rohen Pfade — genau das Fenster, in dem unsaubere Setups Daten beschädigen.
Ergebnis: Das LUN erscheint als /dev/mapper/mpath0 (oder ein WWID-Alias) — und nur dieses Device fassen wir ab jetzt an, nie die /dev/sdX direkt.
Schritt 2: Shared LVM anlegen — thick, niemals thin
Jetzt kommt der gemeinsame Speicher. Auf genau einem Knoten wird das Physical Volume und die Volume Group erzeugt; die anderen Knoten sehen die VG automatisch, weil sie auf dasselbe LUN schauen.
pvcreate /dev/mapper/mpath0
vgcreate shared-san /dev/mapper/mpath0
Anschließend wird der Storage in Proxmox bekannt gemacht — entweder per GUI (Rechenzentrum → Storage → Hinzufügen → LVM) oder direkt in /etc/pve/storage.cfg. Entscheidend ist das Flag shared 1: Es teilt dem Cluster mit, dass dieses LVM auf allen Knoten denselben Inhalt zeigt.
lvm: shared-san
vgname shared-san
shared 1
content images,rootdir
Die wichtigste Regel auf gemeinsamem Speicher: thick, nicht thin. LVM-thin ist nicht cluster-sicher und wird von Proxmox ausschließlich für lokalen Storage unterstützt. Auf einem geteilten FC-LUN würde ein Thin-Pool von mehreren Knoten gleichzeitig in denselben Metadatenbereich schreiben — das führt zu Datenverlust. Thin-Provisioning auf gemeinsamem Speicher überlässt man dem SAN selbst (die meisten Arrays beherrschen es auf LUN-Ebene).
Thick provisioniertes Shared LVM bedeutet: Jede VM-Disk belegt ihren vollen Platz sofort. Das kostet etwas Speichereffizienz, gibt aber maximale Stabilität und ist der bewährte Standardweg für FC-SANs unter Proxmox.
Schritt 3: Cluster, Live Migration und Hochverfügbarkeit
Mit gemeinsamem Speicher ist der Rest fast geschenkt — weil die Daten bereits überall liegen.
Live Migration: schneller als ohne SAN
Weil die VM-Disk als Logical Volume auf dem geteilten LUN liegt, muss bei einer Live Migration nur der RAM-Zustand über das Netzwerk wandern — die Platte bleibt, wo sie ist. Eine VM mit 100 GB Disk und 8 GB RAM migriert in Sekunden statt Minuten. Das ist exakt das Verhalten, das vMotion-Nutzer gewohnt sind.
Quorum: warum drei Knoten
Ein Proxmox-Cluster braucht für sichere Entscheidungen ein Quorum. Mit zwei Knoten gibt es bei Netzwerktrennung keine Mehrheit (Split-Brain-Gefahr). Lösung: mindestens drei Knoten — oder zwei Knoten plus ein QDevice (ein kleiner Tie-Breaker, etwa ein Raspberry Pi oder eine VM außerhalb des Clusters).
HA-Stack und Fencing
Der Proxmox-HA-Manager startet VMs automatisch auf einem gesunden Knoten neu, wenn ein Host ausfällt. Damit das sicher ist, muss ein abgestürzter Knoten zuverlässig „eingezäunt" werden (Fencing), bevor seine VMs woanders starten — sonst griffen zwei Knoten auf dasselbe LV zu. Proxmox nutzt dafür einen Hardware-Watchdog: Verliert ein Knoten das Quorum, setzt der Watchdog ihn nach wenigen Sekunden hart zurück. Erst danach übernimmt die HA-Gruppe.
Das Ergebnis nach drei Schritten: Ein Proxmox-Cluster, der Ihr vorhandenes FC-SAN als gemeinsamen Speicher nutzt, VMs zwischen Knoten live verschiebt und bei Hardware-Ausfall automatisch failt — die drei Eigenschaften, für die früher die vSphere-Enterprise-Plus-Lizenz nötig war. Ohne Lizenzkosten für die Funktion selbst.
Der wunde Punkt: Snapshots auf Shared SAN
Hier ist die ehrliche Stelle. Klassisches thick-provisioniertes Shared LVM kann von Haus aus keine VM-Snapshots — anders als VMFS, wo Snapshots selbstverständlich sind. Das war jahrelang das stärkste Argument der VMware-Verteidiger. 2026 ist die Lage differenzierter. Es gibt drei tragfähige Wege:
Weg A — Snapshots auf SAN-Ebene (Hardware-Snapshots)
Praktisch jedes Enterprise-SAN (Dell PowerStore/Unity, HPE 3PAR/Primera/Alletra, NetApp, Pure) kann LUN- oder Volume-Snapshots selbst — performant, hardwarebeschleunigt, oft mit Replikation gekoppelt. Für viele Bestandskunden ist das der pragmatischste Weg: Die Snapshot-Logik bleibt dort, wo sie schon immer lief, und das Array macht, wofür es gekauft wurde. Nachteil: Snapshots sind dann LUN-granular, nicht pro VM aus der Proxmox-GUI heraus.
Weg B — QCOW2-Snapshot-Ketten auf thick LVM (Proxmox VE 9)
Mit Proxmox VE 9 (2025) kam die direkte Antwort auf genau diese Lücke: Snapshots als QCOW2-Volume-Ketten auf thick LVM. Vereinfacht legt Proxmox dabei pro Snapshot ein neues, voll dimensioniertes Logical Volume an, platziert darauf ein QCOW2-Overlay und nutzt das vorherige Image als Backing-File — eine lineare Kette von Schichten. Damit werden Snapshots und Rollback auch auf rohen FC-LUNs möglich.
Die Einordnung dazu, klar gesagt:
- Die Funktion ist als Technologie-Vorschau einzustufen — für unternehmenskritische Produktion (noch) mit Vorsicht zu genießen.
- QCOW2 auf Block-Storage kostet Performance: je nach Disk-Größe und Zugriffsmuster sind spürbare Einbußen gegenüber rohen Volumes zu erwarten, mit jedem zusätzlichen Snapshot in der Kette wächst der Overhead.
- Es muss für Basis- und Snapshot-Image jeweils voller Platz reserviert werden — die Speichereffizienz leidet.
- Proxmox VE 9.1 (November 2025) hat mit der Ablage des TPM-Zustands im QCOW2-Format eine frühere Einschränkung für Windows-VMs mit virtuellem TPM adressiert.
Weg C — Proxmox Backup Server als Point-in-Time-Sicherung
In vielen Fällen wird der „Snapshot" eigentlich als schnelle Rücksprungmarke vor Updates oder als Sicherung gebraucht. Genau das leistet der Proxmox Backup Server (PBS): inkrementelle, deduplizierte Sicherungen mit minutengenauer Wiederherstellung und „Live Restore". Für viele KMU-Workloads ersetzt ein straff getakteter PBS-Plan den klassischen VMFS-Snapshot vollständig — und schützt zusätzlich vor dem, wogegen ein Snapshot nichts ausrichtet: Ransomware und Hardware-Verlust.
Unsere Praxis-Empfehlung: Für den Produktivstart kombinieren wir thick Shared LVM + SAN-Hardware-Snapshots + Proxmox Backup Server. Die QCOW2-Snapshot-Ketten (Weg B) testen wir parallel auf nicht-kritischen Workloads und holen sie nach, wenn die Funktion den Vorschau-Status verlässt. So bekommen Sie heute den vollen Funktionsumfang, den Sie von VMware kennen — ohne auf eine Vorschau-Funktion zu wetten.
Storage-Optionen im direkten Vergleich
| Anforderung | VMware VMFS auf FC | Proxmox Shared LVM (thick) | Proxmox QCOW2-on-LVM (PVE 9) |
|---|---|---|---|
| FC-SAN weiterverwenden | Ja | Ja | Ja |
| Live Migration | Ja (vMotion) | Ja | Ja |
| HA / Auto-Failover | Ja (HA) | Ja | Ja |
| VM-Snapshots | Nativ | Nein (SAN/PBS nutzen) | Ja, Tech-Vorschau |
| Thin Provisioning | Ja | Nur via SAN | Nur via SAN |
| Storage-Performance | Sehr hoch | Sehr hoch (raw) | Reduziert (QCOW2) |
| Lizenzkosten Funktion | Subscription | Keine | Keine |
Die Botschaft der Tabelle: In den drei Eigenschaften, die den Cluster-Betrieb ausmachen — Live Migration, HA, SAN-Weiterverwendung — ist Proxmox auf Augenhöhe. Der einzige echte Kompromiss betrifft native Snapshots, und der ist über SAN-Hardware oder PBS sauber auflösbar.
Migration von VMware ESXi
Seit Proxmox VE 8.2 (2024) gibt es einen integrierten ESXi-Import-Wizard, der die Migration drastisch vereinfacht. Statt Disks manuell zu exportieren, binden Sie den ESXi-Host als Storage-Quelle ein und importieren VMs samt Konfiguration weitgehend automatisch.
- ESXi-Host als Storage einbinden In Proxmox unter Rechenzentrum → Storage → Hinzufügen → ESXi die Verbindungsdaten des ESXi- bzw. vCenter-Hosts hinterlegen. Alle VMs des Hosts werden sichtbar.
- VM auswählen und importieren Der Wizard übernimmt CPU, RAM, Disks und Netzwerkkonfiguration ins Proxmox-Modell. Disks landen direkt auf dem Ziel-Storage — Ihrem neuen Shared-LVM-SAN.
- VirtIO-Treiber bereitstellen Vor oder nach dem Import die VirtIO-Treiber einspielen (Windows) bzw. sicherstellen, dass das Linux-Gast-Image VirtIO kennt — für maximale I/O-Performance auf KVM.
- Boot-Modus prüfen UEFI vs. BIOS und SecureBoot-Einstellungen angleichen, damit der Gast nach dem Wechsel sauber bootet.
- Testen, dann umschalten VM isoliert testen, Dienste prüfen, erst dann den Produktiv-Cut-over. Die Ausfallzeit pro VM beschränkt sich auf den finalen Sync.
Getestet ist der Import von ESXi 6.5 bis 8.0. Für Disks, die bereits exportiert vorliegen, bleibt der universelle Weg über qm importdisk bzw. OVF/OVA jederzeit nutzbar. Wie ein solches Projekt in der Praxis aussieht, zeigt unsere Case Study: Maschinenbauer spart 85 % mit Proxmox.
Migration von Hyper-V
Für Microsoft Hyper-V gibt es keinen automatischen Wizard — der Weg führt über die virtuellen Festplatten. Das ist gut beherrschbar, erfordert aber mehr Handarbeit pro VM.
- Gast vorbereiten In der laufenden Windows-VM die Hyper-V-Integrationsdienste deinstallieren und die VirtIO-Treiber bereitstellen, damit der Gast nach dem Wechsel die KVM-Geräte erkennt. Bei Linux-Gästen analog die Hyper-V-Module entfernen.
- VHDX exportieren Die VM in Hyper-V herunterfahren und die VHDX-Datei(en) bereitstellen.
- Disk konvertieren oder importieren Per
qemu-img convert -f vhdx -O raw disk.vhdx disk.rawin ein Rohformat wandeln — oder direkt mitqm importdisk <vmid> disk.vhdx shared-sanin den Shared-SAN-Storage ziehen. - VM-Hülle in Proxmox anlegen Eine neue VM mit passender CPU-/RAM-Ausstattung erstellen, die importierte Disk anhängen, Boot-Reihenfolge und Maschinentyp (q35, UEFI) setzen.
- Booten, Treiber finalisieren Beim ersten Start ggf. VirtIO-Storage als IDE/SATA übergangsweise anbinden, Treiber installieren, dann auf VirtIO umstellen — der bewährte Zwei-Schritt für Windows.
Generalisierte Images sparen Arbeit. Wer viele gleichartige Windows-Server migriert, fährt mit einem frisch aufgesetzten Proxmox-Template plus Datenmigration oft schneller als mit Einzel-Konvertierungen — besonders, wenn die Altsysteme über Jahre gewachsene Treiber-Altlasten tragen.
Stolperfallen-Checkliste vor dem Go-Live
- Thin auf Shared = Stopp. Auf gemeinsamem LUN niemals LVM-thin. Im Zweifel die Storage-Definition prüfen.
- Multipath vor LVM. Erst muss
multipath -llein sauberes, vollständiges Pfadbild zeigen — dann erstpvcreate. Nie auf/dev/sdXarbeiten. - initramfs aktualisieren nach jeder WWID-Änderung, sonst Boot-Race.
- Quorum sicherstellen: drei Knoten oder zwei plus QDevice. Zwei nackte Knoten sind kein HA-Cluster.
- Fencing testen, nicht annehmen. Watchdog aktiv? Knoten hart trennen und Failover beobachten — im Wartungsfenster, nicht im Ernstfall.
- Snapshot-Strategie festlegen, bevor die erste Produktiv-VM läuft: SAN-Hardware, PBS oder QCOW2-Kette — bewusst entscheiden.
- VirtIO überall. Ohne VirtIO-Treiber bleibt die I/O-Leistung weit unter dem, was das SAN hergibt.
- Backup vor Cut-over. Erst sichern (PBS oder vorhandenes Tool), dann migrieren — die Altumgebung bleibt bis zum bestandenen Test der Notausgang.
Typische Probleme & Lösungen
Die folgenden Fehlerbilder begegnen uns in FC-SAN-Migrationen am häufigsten — fast alle gehen auf dieselben drei Wurzeln zurück: Multipath nicht sauber vor LVM eingerichtet, der Storage nicht korrekt als shared markiert, oder fehlende VirtIO-Treiber im Gast. Erst die Diagnose-Befehle, dann die Symptom-Tabelle.
# Pfade & Multipath-Status
multipath -ll # sauberes Pfadbild? aktiv/aktiv?
journalctl -u multipathd -e
# LVM-Sicht auf das LUN
pvs ; vgs ; lvs # PV auf /dev/mapper/mpathX?
pvscan --cache # Metadaten-Cache auffrischen
# Cluster & HA
pvecm status # Quorum vorhanden?
ha-manager status
| Symptom | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
Dasselbe LUN erscheint doppelt (z. B. /dev/sdb + /dev/sdc) |
Multipath nicht aktiv oder LUN nicht in den WWIDs freigegeben. | multipath-tools installieren, find_multipaths yes, mit multipath -ll prüfen — ab jetzt nur /dev/mapper/mpathX ansprechen. |
| Volume Group auf anderen Knoten nicht sichtbar | LVM-Metadaten-Cache veraltet oder global_filter blockt das Multipath-Device. |
pvscan --cache / vgscan; im LVM-Filter /dev/mapper/ zulassen und lokale Disks ausschließen. |
| Live Migration bricht ab: „storage not available on target" / „not shared" | Storage nicht als gemeinsam markiert. | In storage.cfg shared 1 setzen; sicherstellen, dass die VG auf allen Knoten dasselbe LUN ist. |
Nach Reboot kurz rohe /dev/sdX statt mpath, LVM aktiviert falsch |
Multipath fehlt in der initramfs. | multipath-tools-boot installieren und nach jeder WWID-Änderung update-initramfs -u. |
Windows-VM nach ESXi-Import: INACCESSIBLE_BOOT_DEVICE / Bluescreen |
VirtIO-SCSI-Treiber fehlen; ESXi nutzte einen anderen Controller. | Boot-Disk übergangsweise auf SATA/IDE, VirtIO-Treiber installieren, dann auf VirtIO-SCSI umstellen. |
| VM startet nach Hyper-V-Migration nicht / Boot-Schleife | UEFI/SecureBoot- bzw. Generation-2-Einstellungen passen nicht. | Maschinentyp q35 + OVMF/UEFI setzen, ggf. SecureBoot deaktivieren; Hyper-V-Integrationsdienste vorher entfernen. |
| Schlechte Disk-Performance nach dem Umzug | Kein VirtIO — oder aktive QCOW2-Snapshot-Kette (PVE-9-Vorschau). | VirtIO-Block/SCSI nutzen; für Produktion raw auf thick LVM, Snapshots auf SAN-Hardware oder PBS auslagern. |
| Knoten rebootet ständig / HA „fenced" grundlos | Kein Quorum (nur zwei Knoten) oder instabiles Corosync-Netz. | Dritten Knoten oder QDevice ergänzen; Corosync auf ein dediziertes, möglichst redundantes Netz legen. |
| Datenkorruption auf dem gemeinsamen LUN | LVM-thin auf einem geteilten LUN verwendet. | Auf shared LUN ausschließlich thick LVM; thin nur lokal. Betroffene VG sauber neu aufsetzen, aus Backup zurückspielen. |
Faustregel bei jedem Storage-Problem: Erst multipath -ll, dann pvs/vgs/lvs, dann die Storage-Definition. In über 90 % der Fälle liegt die Ursache in dieser Kette — nicht in Proxmox selbst, sondern in der Schicht zwischen LUN und LVM.
Glossar
- Multipath
- Linux-Mechanismus, der mehrere physische FC-Pfade zu demselben LUN zu einem einzigen Gerät (
/dev/mapper/mpathX) bündelt — für Redundanz und Lastverteilung. - Shared LVM
- Eine LVM-Volume-Group auf einem gemeinsam genutzten LUN, in Proxmox mit
shared 1markiert. Jede VM-Disk ist ein eigenes Logical Volume. - VMFS
- VMwares clusterfähiges Dateisystem, das mehrere ESXi-Hosts gleichzeitig auf ein LUN schreiben lässt. Proxmox hat kein direktes Pendant.
- Quorum
- Die Mehrheit der Cluster-Stimmen, die für gültige Entscheidungen nötig ist. Verhindert Split-Brain bei Netzwerktrennung.
- Fencing
- Das sichere Abtrennen eines ausgefallenen Knotens (per Watchdog), bevor seine VMs anderswo neu starten — Schutz vor Doppelzugriff.
- QCOW2-Volume-Kette
- In PVE 9 eingeführter Snapshot-Mechanismus für thick LVM: pro Snapshot ein neues Logical Volume mit QCOW2-Overlay über dem vorherigen Stand.
Fazit: Das SAN bleibt, die Lizenz geht
Die Frage, mit der dieser Artikel begann — „Was wird aus meinem Fibre-Channel-SAN?" — hat eine klare Antwort: Es bleibt im Einsatz. Proxmox VE bindet es per Multipath ein, legt ein Shared LVM darüber und liefert Live Migration und Hochverfügbarkeit, die funktional dem entsprechen, was vSphere Enterprise Plus bot — ohne die Funktion zu lizenzieren.
Der einzige Punkt, an dem Sie aktiv eine Architekturentscheidung treffen müssen, sind Snapshots. Mit SAN-Hardware-Snapshots und dem Proxmox Backup Server ist diese Lücke heute sauber geschlossen; die nativen QCOW2-Snapshot-Ketten in PVE 9 schließen sie mittelfristig auch direkt im Hypervisor. Wer das von Anfang an mitplant, migriert ohne funktionalen Rückschritt — und ersetzt eine fünfstellige Jahres-Subscription durch eine quelloffene Plattform auf der Hardware, die bereits im Rack steht.
Der kritische Erfolgsfaktor ist nicht das Tooling, sondern die Planung der Storage-Schicht und ein sauber getesteter Cut-over. Genau hier begleiten wir Mittelständler von der Bestandsaufnahme des SAN bis zur letzten migrierten VM.
VMware-Ausstieg mit bestehendem SAN — wir planen den Weg
Wir nehmen Ihr Fibre-Channel-SAN, Ihre Hosts und Ihre VM-Landschaft auf, dimensionieren den Proxmox-Cluster, klären die Snapshot-Strategie und begleiten die Migration von ESXi oder Hyper-V — ohne Wegwerf-Investition. Erstgespräch kostenlos.
Migrations-Check anfragenHäufige Fragen (FAQ)
Kann Proxmox VE mein bestehendes Fibre-Channel-SAN weiterverwenden?
Ja. Proxmox spricht jedes FC-SAN, für das ein Linux-Multipath-Treiber existiert — praktisch alle gängigen Arrays von Dell (PowerStore, PowerVault, Unity), HPE (3PAR, Primera, Alletra), NetApp, IBM, Hitachi und Pure. Die LUNs werden per Multipath eingebunden, darüber liegt ein gemeinsames LVM. SAN und FC-Fabric bleiben vollständig erhalten.
Was ist das Proxmox-Äquivalent zu VMFS?
Es gibt kein direktes Gegenstück. Statt eines Cluster-Dateisystems nutzt Proxmox ein gemeinsames LVM (thick) über dem Multipath-Device; jede VM-Disk ist ein Logical Volume, die Sperren koordiniert die Cluster-Datenbank. Funktional gleichwertig (Shared Block-Storage, Live Migration, HA), technisch anders aufgebaut.
Funktioniert Live Migration mit einem FC-SAN unter Proxmox?
Ja — und sie ist schneller als ohne Shared Storage, weil nur der RAM-Zustand übertragen wird; die Disk bleibt auf dem SAN. Voraussetzung: Shared-LVM-Storage mit shared 1 und ein Cluster mit Quorum (drei Knoten oder zwei plus QDevice).
Unterstützt Proxmox Snapshots auf einem Shared FC-SAN?
Klassisches thick Shared LVM nicht. Proxmox VE 9 bietet Snapshots als QCOW2-Volume-Ketten auf thick LVM (Technologie-Vorschau, mit Performance-Overhead). Robust für Produktion sind heute SAN-Hardware-Snapshots oder Point-in-Time-Recovery über den Proxmox Backup Server.
Wie migriere ich VMs von VMware ESXi zu Proxmox?
Über den integrierten ESXi-Import-Wizard ab Proxmox VE 8.2: ESXi-Host als Storage einbinden, VMs samt Konfiguration mit minimaler Ausfallzeit importieren (getestet von ESXi 6.5 bis 8.0), danach VirtIO-Treiber einspielen. Alternativ per OVF/OVA oder qm importdisk.
Wie migriere ich von Hyper-V zu Proxmox?
Ohne automatischen Wizard, über die Festplatten: Integrationsdienste entfernen, VirtIO vorbereiten, VHDX mit qemu-img konvertieren bzw. per qm importdisk in den Shared-SAN-Storage importieren, VM-Hülle anlegen, Boot-Modus angleichen.
Sollte ich LVM-thin oder thick auf dem FC-SAN nutzen?
Auf gemeinsam genutzten LUNs ausschließlich thick. LVM-thin ist nicht cluster-sicher und nur für lokalen Speicher gedacht — auf einem geteilten LUN drohte Datenkorruption. Thin-Provisioning überlässt man dem SAN selbst.
Brauche ich Ceph, wenn ich schon ein SAN habe?
Nein. Ceph ist die Antwort für alle ohne SAN, die verteilten Software-Storage auf lokalen Platten wollen. Mit vorhandenem FC-SAN ist Shared LVM einfacher, latenzärmer und ohne den Overhead eines Ceph-Clusters. Man wählt das eine oder das andere.
Was kostet der Wechsel von VMware auf Proxmox wirklich?
Die VMware-Subscription entfällt. Proxmox VE ist quelloffen; für Produktion empfiehlt sich ein Subscription-Abo (Enterprise-Repository) je nach Stufe und Sockelzahl — ein Bruchteil heutiger VCF-/VVF-Kosten. Der reale Aufwand liegt in Migration und Know-how, nicht in der Lizenz; SAN, Server und Fabric bleiben.