- Server-DRAM ist binnen zwei Quartalen explodiert: Konventionelle DRAM-Vertragspreise stiegen laut TrendForce im ersten Quartal 2026 tatsächlich um 93 bis 98 Prozent gegenüber dem Vorquartal, im zweiten Quartal um weitere 58 bis 63 Prozent.
- Die dritte Quartalsprognose bremst nur die Rate, nicht das Niveau: Für das dritte Quartal 2026 rechnet TrendForce noch mit 13 bis 18 Prozent Aufschlag bei Server-DRAM und 10 bis 15 Prozent bei NAND-Flash — auf einer bereits verdoppelten bis verdreifachten Basis.
- DRAM und NAND sind zwei verschiedene Kurven: NAND-Flash-Vertragspreise zogen im zweiten Quartal 2026 mit 70 bis 75 Prozent sogar stärker an als DRAM — Storage-Erweiterungen treffen damit einen eigenen, nicht identischen Preisdruck.
- Hersteller reichen die Kosten weiter: Dell, Lenovo und HPE haben ihre Server-Preislisten Ende 2025 und Anfang 2026 um rund 10 bis 17 Prozent angehoben, Dell zusätzlich zum 30. März 2026 — Tendenz bei speicherlastigen Konfigurationen weiter steigend.
- Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht: TrendForce prognostiziert für den gesamten Speichermarkt bis 2027 weiter steigende Umsätze und Vertragspreise — das ist eine Prognose, keine Garantie, aber sie spricht gegen „einfach abwarten".
/01Was gerade passiert — und was nicht
Seit Ende 2025 steigen die Vertragspreise für Arbeitsspeicher und Flash-Speicher in einem Tempo, das es in dieser Form vorher nicht gab. Das ist keine Behauptung aus einer Pressemitteilung, sondern in den quartalsweisen Marktberichten des Marktforschers TrendForce nachvollziehbar, der die Vertragspreise zwischen Speicherherstellern und Großabnehmern erhebt. Was dort steht, ist ungewohnt eindeutig: Für konventionelles DRAM meldete TrendForce für das erste Quartal 2026 einen tatsächlichen Anstieg von 93 bis 98 Prozent gegenüber dem Vorquartal — nicht als Prognose, sondern als Ergebnis, nachdem das Quartal abgeschlossen war. Der DRAM-Branchenumsatz insgesamt kletterte im selben Zeitraum um 81 Prozent auf 97 Milliarden US-Dollar.
Was hier nicht passiert: Es handelt sich nicht um eine kurze Spitze, die sich mit etwas Geduld aussitzen lässt, und es ist auch keine reine Angst-Erzählung der Presse. Die Prognosen, aus denen sich diese Werte ableiten ließen, wurden im Jahresverlauf selbst mehrfach nach oben korrigiert: Im Januar 2026 rechnete TrendForce für das erste Quartal noch mit 55 bis 60 Prozent Anstieg bei konventionellem DRAM. Im Februar wurde diese Prognose auf 90 bis 95 Prozent angehoben. Das tatsächliche Ergebnis im Juni lag mit 93 bis 98 Prozent noch darüber. Diese Kette — Prognose zu niedrig, Revision, Ergebnis über der Revision — ist der eigentliche Grund, warum dieser Artikel keine einzelne geglättete Zahl nennt, sondern Spannen mit Datum.
Der Unterschied in einem Satz: Eine sinkende Wachstumsrate ist keine sinkende Preisstufe. Wenn die Zuwachsrate von „plus 93 Prozent" auf „plus 15 Prozent" fällt, wird der Speicher trotzdem jedes Quartal teurer — nur langsamer.
Für die Beschaffungsentscheidung heißt das: Wer im September 2026 einen Server, eine Storage-Erweiterung oder zusätzliche Backup-Kapazität plant, kauft in einem Markt, der seit rund neun Monaten in eine Richtung läuft. Ob und wann sich das umkehrt, weiß niemand verlässlich — TrendForce selbst rechnet in einer im Januar 2026 veröffentlichten Prognose mit weiter steigenden Marktumsätzen und Vertragspreisen bis 2027. Das ist eine Prognose, kein Naturgesetz, aber sie ist die belastbarste Aussage, die es derzeit zum weiteren Verlauf gibt.
/02Die Zahlen: DRAM und NAND laufen nicht gleich
Der Fehler, der Beschaffungsentscheidungen am häufigsten verzerrt, ist die Vermischung von zwei Speicherarten, die technisch und preislich wenig gemeinsam haben: Arbeitsspeicher (DRAM, in Servern meist als RDIMM) und Flash-Speicher (NAND, in Servern als Enterprise-SSD). Beide sind 2026 teurer geworden — aber nicht im selben Takt, und wer die Kurven verwechselt, kalkuliert eine Storage-Erweiterung mit RAM-Zahlen oder umgekehrt.
| Zeitraum | Konventionelles DRAM | Server-DRAM | NAND-Flash / Enterprise-SSD | Status |
|---|---|---|---|---|
| 1Q26, Prognose 05.01.2026 | +55 bis 60 % QoQ | >60 % QoQ | +33 bis 38 % QoQ | Prognose, später überholt |
| 1Q26, Prognose 02.02.2026 | +90 bis 95 % QoQ | — | Enterprise-SSD +53 bis 58 % QoQ | Revision nach oben |
| 1Q26, Ergebnis 01.06.2026 | +93 bis 98 % QoQ (Ist) | — | — | tatsächlich eingetreten |
| 2Q26, Prognose 31.03.2026 | +58 bis 63 % QoQ | — | +70 bis 75 % QoQ | Prognose |
| 3Q26, Prognose 03./09.07.2026 | +13 bis 18 % QoQ | +13 bis 18 % QoQ | +10 bis 15 % QoQ | Prognose, moderiert |
Zwei Dinge fallen an dieser Tabelle auf. Erstens: Im zweiten Quartal 2026 zog NAND-Flash mit 70 bis 75 Prozent stärker an als DRAM mit 58 bis 63 Prozent — historisch war es meist umgekehrt. Für Storage- und Backup-Planung heißt das, dass die SSD-Kurve nicht automatisch der RAM-Kurve folgt und getrennt geprüft werden muss. Zweitens: Die für das dritte Quartal 2026 gemeldete „Beruhigung" auf 13 bis 18 Prozent ist eine Verlangsamung der Zuwachsrate, kein Rückgang. Verkettet man die berichteten Quartalsraten für konventionelles DRAM von Januar bis zur Juli-Prognose grob (1,955 × 1,605 × 1,155), ergibt sich rechnerisch etwa das 3,6-Fache des Preisniveaus von Ende 2025 — eine eigene Näherungsrechnung aus den TrendForce-Werten, keine von TrendForce selbst veröffentlichte Kennzahl, aber sie zeigt die Größenordnung, um die es geht.
Die deutsche Handelsebene bestätigt die Richtung, auch wenn die Zahlen hier naturgemäß weniger sauber in Quartale fallen. Ein deutscher IT-Distributor berichtete bereits Anfang Dezember 2025, dass DRAM-Vertragspreise binnen eines Jahres um deutlich über 100 Prozent gestiegen seien und DDR5-Preise gegenüber dem Vorjahr teils um mehr als das Doppelte angezogen hätten; NAND-Hersteller Sandisk habe seine Vertragspreise im November 2025 um 50 Prozent erhöht. Das ist eine einzelne Händlerstimme, keine Marktstatistik — aber sie deckt sich in der Größenordnung mit der TrendForce-Kurve für denselben Zeitraum.
Wer diese Kurve nicht mitkaufen will, muss die Frage vor der Bestellung stellen, nicht danach. IT-Infrastruktur mieten — Hardware zum Festpreis, das Preisrisiko liegt beim Anbieter.
/03Wer treibt den Preis — und warum trifft es Server härter als PCs
Der Grund ist auf der Nachfrageseite banal und auf der Angebotsseite unbequem: KI-Infrastruktur bei Hyperscalern verschlingt Speicherkapazität in einem Tempo, das die Hersteller nicht mit neuen Fabriken einholen — Kapazitätserweiterungen bei DRAM- und NAND-Fertigung brauchen Jahre, die Nachfrage kam binnen Quartalen. Speicherhersteller priorisieren dabei Server-Anwendungen gegenüber Consumer-Produkten, weil Cloud-Anbieter höhere Preise zahlen und über mehrjährige Abnahmeverträge (Long-Term Agreements) Kapazität fest binden. Wer keinen solchen Vertrag hat — und das sind die meisten Mittelständler —, zahlt den vollen Aufschlag im Quartalstakt, während Großkunden mit LTA einen Teil der Preisdynamik abgefedert bekommen. TrendForce nennt genau diesen Mechanismus als Grund, warum die Zuwachsrate im dritten Quartal 2026 „nur" bei 13 bis 18 Prozent liegt: Große Cloud-Anbieter mit Verträgen bremsen den Durchschnitt, kleinere Abnehmer ohne Vertrag spüren die volle Wucht weiterhin.
Das erklärt auch, warum Server unverhältnismäßig teurer werden als PCs. Speicher macht bei einem klassischen Server historisch etwa ein Viertel bis 40 Prozent der Stückliste aus — mit der aktuellen Preisdynamik ist dieser Anteil Berichten zufolge auf über die Hälfte gestiegen. Ein Server mit 512 GB oder 1 TB RAM trägt entsprechend viel mehr von der Preissteigerung als ein Büro-PC mit 16 oder 32 GB. Serverhersteller haben reagiert: Dell, Lenovo, HP und HPE haben ihre Preislisten Ende 2025 und Anfang 2026 um rund 10 bis 17 Prozent angehoben — Lenovo und HPE im Bereich 10 bis 15 Prozent, Dell mit einer weiteren Erhöhung von 17 Prozent zum 30. März 2026. Für speicherlastige Konfigurationen kündigen einzelne Hersteller zusätzliche Aufschläge von bis zu 30 Prozent an. Eine belastbare, für das gesamte Herstellerportfolio gültige Einzelzahl gibt es dabei nicht — HPE selbst hat nach eigener Aussage keinen einheitlichen Prozentsatz über das gesamte Sortiment veröffentlicht, sondern preist Angebote zunehmend nur noch 14 Tage verbindlich und behält sich eine Nachkalkulation vor Auslieferung vor, wenn sich die DRAM-Kosten zwischenzeitlich ändern.
Merksatz: Ein Angebot für einen Server ist 2026 kein Preis mehr, sondern eine Momentaufnahme. Fragen Sie aktiv nach der Gültigkeitsdauer und danach, ob der Anbieter sich eine Nachkalkulation bei Lieferung vorbehält — das steht im Kleingedruckten, nicht im Angebotstext.
/04Ihre eigene Rechnung: Server-Neubeschaffung
Statt einer fremden Beispielrechnung brauchen Sie Ihre eigene — die Faktoren sind überall gleich, die Zahlen nicht. Für eine Server-Neubeschaffung zählen vier Positionen:
1. Basiskonfiguration (CPU, Chassis, Netzteile, Controller)
-> vom Preisanstieg kaum betroffen, meist im niedrigen einstelligen
Prozentbereich ueber die letzten zwei Quartale
2. Arbeitsspeicher (RDIMM je nach Kapazitaet)
-> Menge in GB x aktueller Modulpreis
-> aktueller Modulpreis beim Distributor abfragen, NICHT den Preis
aus einem Angebot von vor mehr als 4 Wochen uebernehmen
3. Lokaler Speicher (Enterprise-SSD/NVMe)
-> eigene Kurve, siehe Abschnitt /02 -- nicht mit Position 2
gleichsetzen
4. Aufschlag des Serverherstellers auf die Gesamtkonfiguration
-> Preisliste pruefen: wann zuletzt angehoben, Gueltigkeitsdauer
des aktuellen Angebots, Nachkalkulationsvorbehalt ja/nein
Summe Position 2-4 im Verhaeltnis zu Position 1 zeigt, wie speicher-
lastig Ihre Konfiguration ist -- und wie stark sie von der Kurve in
Abschnitt /02 getroffen wird.
Der Punkt, der in Angebotsvergleichen am häufigsten übersehen wird: Ein Angebot vom Mai ist im September kein gültiger Vergleichswert mehr. Bei einer Preisdynamik, die quartalsweise zweistellig bis dreistellig ausfällt, veraltet ein Angebot binnen weniger Wochen. Wer zwei Angebote von unterschiedlichen Zeitpunkten nebeneinanderlegt, vergleicht nicht zwei Anbieter, sondern zwei Momente einer Kurve.
Für KI-Workloads mit hohem VRAM-Bedarf kommt eine weitere Variable dazu: Datacenter-GPUs sind von derselben Nachfragedynamik betroffen, aber nicht zwingend im gleichen Ausmaß wie DRAM. Bevor eine zusätzliche Karte bestellt wird, lohnt der Blick auf GPU-Pooling: Eine vorhandene, nicht voll ausgelastete GPU per MIG oder vGPU auf mehrere Workloads aufzuteilen, spart in diesem Markt oft mehr als jede Verhandlung über den Stückpreis. Ob darüber hinaus ein aktueller oder ein gebrauchter Server die richtige Wahl ist, hängt am konkreten Modell — dazu gibt es eine eigene Rechnung unter Refurbished Enterprise-Hardware für KI.
/05Storage-Erweiterung: wenn Kapazität und Preis gegenläufig laufen
Bei Storage-Erweiterungen — zusätzliche Kapazität für ein SAN, ein Ceph-Cluster, einen ZFS-Pool (dessen ARC-Cache selbst wieder RAM braucht — die DRAM-Kurve aus Abschnitt /02 wirkt hier doppelt) oder ein S3-kompatibles Objektspeichersystem — verschärft sich die Rechnung durch die NAND-Kurve aus Abschnitt /02, die im zweiten Quartal 2026 stärker anzog als DRAM. Wer eine Erweiterung plant, sollte drei Fragen in dieser Reihenfolge stellen, nicht in der Reihenfolge „wie viel Kapazität brauche ich zuerst kaufen":
- Lässt sich die vorhandene Kapazität besser nutzen, bevor neue gekauft wird? Thin Provisioning, Deduplizierung und das Aufräumen alter Snapshots schaffen oft Kapazität, ohne ein einziges neues Laufwerk zu kaufen — bei aktuellen SSD-Preisen ist das die mit Abstand günstigste Erweiterung.
- Muss die Erweiterung NVMe sein, oder reicht ein langsameres Medium? Nicht jede Kapazitätserweiterung braucht die schnellste verfügbare Technik. Kalte oder selten gelesene Daten auf günstigerem Storage zu halten und nur die aktiven Datensätze auf schnellem NVMe-over-Fabrics zu belassen, senkt den GB-Preis der Erweiterung insgesamt.
- Wie viel Puffer braucht die Erweiterung wirklich? Wer aus Vorsicht auf Vorrat kauft, kauft in diesem Markt auf Vorrat teuer. Eine knapper bemessene Erweiterung mit einer klar terminierten Nachbestellung ist der Kurve aus Abschnitt /02 gegenüber im Vorteil, wenn sich die Rate wie prognostiziert tatsächlich verlangsamt.
Ehrlich: Keine dieser drei Maßnahmen ersetzt eine Kapazität, die tatsächlich fehlt. Wenn der Speicherplatz in sechs Wochen ausgeht, ist „abwarten, ob die Preise fallen" keine Option — dann zählt Abschnitt /07 dieses Artikels, nicht die Prognose aus Abschnitt /01.
/06Backup-Kapazität: der Sonderfall, der am wenigsten warten kann
Backup-Speicher ist der Fall, in dem „einfach weniger kaufen" am ehesten schiefgeht. Eine 3-2-1-Backup-Strategie mit Aufbewahrungsfristen, die aus Compliance-Vorgaben oder Versicherungsbedingungen folgen, lässt sich nicht einfach verkürzen, nur weil SSD- oder HDD-Kapazität teurer geworden ist. Wer die Aufbewahrungsdauer aus Kostengründen kürzt, spart am Speicherpreis und verliert im Ernstfall genau die Wiederherstellungspunkte, die eine Ransomware-Attacke erst nach Wochen sichtbar macht.
Was sich bei Backup-Kapazität dagegen sinnvoll drehen lässt, ohne die Schutzwirkung zu senken: die Speicherstufe. Nicht jede Aufbewahrungsstufe braucht dieselbe Hardware wie die produktive Umgebung. Ältere, seltener gebrauchte Wiederherstellungspunkte auf günstigere Medien zu verschieben und nur die jüngsten, am wahrscheinlichsten benötigten Sicherungen auf schnellem Speicher zu halten, senkt den Anteil, der von der teuersten Kurve — NAND — betroffen ist. Ebenso hilft eine ehrliche Prüfung der Deduplizierungsrate: Wer Vollsicherungen häufiger fährt als nötig, kauft NAND- oder HDD-Kapazität für Daten, die sich zu großen Teilen wiederholen.
Backup-Kapazität ist ein Baustein der Wiederherstellungsfähigkeit, nicht ihr ganzer Umfang. Colocation — eigene Hardware im zertifizierten Rechenzentrum, wenn Kapazität wachsen muss, ohne dass jede Erweiterung neu verhandelt werden muss.
Für Backup-Kapazität gilt zusätzlich: Wachstum ist planbar, weil Datenvolumen selten schlagartig springt. Wer die erwartete Wachstumsrate der nächsten zwölf Monate kennt, kann die nächste Erweiterung terminieren, statt sie ungeplant und damit zum ungünstigsten Zeitpunkt nachzukaufen.
/07Vier Wege durch die Preisspirale
Es gibt keinen Königsweg, nur vier Strategien mit unterschiedlichen Trade-offs. Die meisten Unternehmen kombinieren zwei davon.
| Weg | Vorteil | Risiko | Passt, wenn … |
|---|---|---|---|
| Jetzt kaufen | Planungssicherheit, kein weiteres Warten auf eine unsichere Entspannung | Kaufpreis liegt bereits deutlich über dem Niveau von 2025 | … Kapazität in den nächsten Wochen fehlt oder eine auslaufende Plattform ersetzt werden muss |
| Später kaufen | Chance auf eine langsamere Zuwachsrate laut 3Q26-Prognose | Keine Garantie auf fallende Preise; TrendForce prognostiziert bis 2027 weiter steigende Umsätze und Vertragspreise | … ein Zeitpuffer von mehreren Monaten tatsächlich vorhanden ist |
| Bestand strecken | Keine Investition zum ungünstigsten Zeitpunkt, Zeit für eine geordnete Planung | Auslaufende Hardware/Software-Plattformen (Support-Ende, fehlende Sicherheitsupdates) lassen sich damit nicht dauerhaft umgehen | … die vorhandene Plattform noch Support hat und Kapazität sich durch Aufräumen gewinnen lässt |
| Mieten (HaaS/Colocation) | Preisrisiko liegt beim Anbieter, Kapital bleibt frei, Kapazität planbar nachjustierbar | Über die volle Laufzeit gerechnet nicht zwingend günstiger als ein rechtzeitiger Kauf vor der Preisspirale | … Planungssicherheit wichtiger ist als der niedrigstmögliche Einzelpreis |
Die Zeile „später kaufen" verdient eine eigene Warnung, weil sie am häufigsten falsch verstanden wird. Die Prognose für das dritte Quartal 2026 zeigt eine langsamere Zuwachsrate — 13 bis 18 Prozent statt 58 bis 63 Prozent im Vorquartal. Das ist keine Prognose für fallende Preise, sondern für weiterhin, nur langsamer steigende. Wer auf einen Rückgang wartet, wartet auf ein Ereignis, das aktuell von keiner der zitierten Quellen vorhergesagt wird.
Diese vier Wege beantworten nur, wem die Hardware gehört und wer das Preisrisiko trägt — nicht, wo sie steht und wer sie betreibt. Diese zweite Achse lohnt sich mitzudenken: Server im eigenen Serverraum (On-Premise) binden zusätzlich Fläche, Strom und Klimatisierung. Wer die eigene, gekaufte Hardware stattdessen in einem dafür gebauten Rechenzentrum unterbringt (Colocation), kauft weiterhin selbst, spart sich aber den Betrieb der Gebäudetechnik. Und wer zusätzlich den laufenden Betrieb der Server abgibt, landet bei Managed Server — dort ist die Kauf-oder-Miete-Frage aus diesem Artikel bereits Teil eines Gesamtpakets und nicht mehr getrennt zu verhandeln.
/08Wo die Rechnung kippt
Kein Ratgeber ohne die Fälle, in denen er nicht greift. Vier Situationen, in denen die Empfehlungen aus diesem Artikel die falsche Priorität setzen würden:
- Auslaufende Plattformen sind kein Warte-Fall. Ein Server oder eine Storage-Plattform ohne Herstellersupport und ohne Sicherheitsupdates weiterzubetreiben, nur um den aktuellen Speicherpreis zu umgehen, tauscht ein Kostenrisiko gegen ein Sicherheitsrisiko — das ist keine gute Rechnung, auch wenn der Speicherpreis 2027 tatsächlich fällt.
- Wachstumssprünge lassen sich nicht strecken. Wenn ein Projekt, eine Übernahme oder ein neuer Standort in drei Monaten feststehende Kapazität braucht, ist „Bestand strecken" keine Option, sondern ein Rechenfehler mit Verzögerung.
- Miete lohnt sich nicht bei sehr langer, stabiler Nutzungsdauer. Wer eine Konfiguration mit hoher Sicherheit fünf Jahre oder länger unverändert betreibt, zahlt bei HaaS über die Laufzeit tendenziell drauf gegenüber einem rechtzeitigen Kauf — die Kalkulation dazu gehört in die eigene TCO-Rechnung, nicht in eine pauschale Empfehlung.
- Nicht jede Preissteigerung ist real spürbar. Wer ohnehin plant, in eine Cloud- oder Colocation-Lösung zu wechseln, bei der der Anbieter die Hardware stellt, trägt die Speicherpreisdynamik nicht direkt — sie steckt indirekt in der Kalkulation des Anbieters, aber nicht als eigene Position in der eigenen Beschaffung.
/09Die Entscheidung: kaufen, strecken oder mieten
Am Ende reduziert sich die Entscheidung auf drei Fragen, die sich in dieser Reihenfolge stellen lassen. Erstens: Gibt es einen belastbaren Grund, jetzt zu handeln — auslaufende Plattform, fehlende Kapazität, ein fest terminierter Bedarf? Wenn ja, ist „jetzt kaufen" oder „jetzt mieten" die richtige Frage, nicht „abwarten". Zweitens: Lässt sich die aktuelle Kapazität durch Aufräumen, Deduplizierung oder eine bewusste Verschiebung auf günstigere Speicherstufen strecken, ohne Schutzwirkung oder Betrieb zu gefährden? Wenn ja, gewinnt „strecken" Zeit, ohne ein Risiko einzugehen. Drittens: Ist das Preisrisiko der nächsten zwei bis drei Jahre größer als der Aufpreis, den Mieten gegenüber einem sofortigen Kauf kostet? Bei einer Preisdynamik, die laut TrendForce bis 2027 anhalten könnte, fällt diese Rechnung 2026 anders aus als noch 2024.
Ehrlich: Wer 2026 kauft, kauft teuer — das ändert keine der drei Fragen. Es ist aber kein Grund, eine auslaufende Plattform weiterzubetreiben, nur um auf einen Preisrückgang zu warten, der derzeit von keiner seriösen Quelle vorhergesagt wird. Die Entscheidung, die am längsten nachwirkt, ist nicht die günstigste, sondern die, die zur eigenen Zeitachse passt — und die lässt sich nur mit den eigenen Zahlen aus den Abschnitten /04 bis /06 treffen, nicht mit einer fremden Beispielrechnung.
Eine Rechnung, die Kapazität, Hybrid-Cloud-Anteile und Speicherpreise zusammen betrachtet, ist kein Excel-Sheet an einem Nachmittag. Virtualisierung — Kapazitätsplanung, die vorhandene Hardware zuerst ausreizt, bevor neue gekauft wird.
/10Häufige Fragen
/01Sollen wir eine geplante Server-Beschaffung jetzt vorziehen oder abwarten?+
/02Was kostet uns das konkret bei 512 GB RAM pro Server?+
/03Trifft der Preisanstieg auch Backup-Speicher und nicht nur produktive Server?+
/04Ist Mieten (HaaS) jetzt automatisch günstiger als Kaufen?+
/05Was, wenn wir eine auslaufende Plattform aus Kostengründen einfach weiterbetreiben?+
/06Woher weiß ich, ob unser Angebot einen Nachkalkulationsvorbehalt enthält?+
/07Wann wird sich die Lage wieder entspannen?+
- TrendForce, „Rapid Contract Price Surge Drives 1Q26 DRAM Industry Up 81% QoQ" (Ist-Werte 1Q26: DRAM-Vertragspreise +93 bis 98 % QoQ, Branchenumsatz +81 % QoQ auf 97 Mrd. US-Dollar), trendforce.com/presscenter, 01.06.2026, abgerufen am 31.08.2026.
- TrendForce, „Memory Makers Prioritize Server Applications, Driving Across-the-Board Price Increases in 1Q26" (Prognose 1Q26: konventionelles DRAM +55 bis 60 % QoQ, Server-DRAM >60 % QoQ, NAND/Enterprise-SSD +33 bis 38 % QoQ), trendforce.com/presscenter, 05.01.2026, abgerufen am 31.08.2026.
- TrendForce, „Memory Price Outlook for 1Q26 Sharply Upgraded" (revidierte Prognose 1Q26: konventionelles DRAM +90 bis 95 % QoQ, Enterprise-SSD +53 bis 58 % QoQ), trendforce.com/presscenter, 02.02.2026, abgerufen am 31.08.2026.
- TrendForce, „AI Server Demand to Drive Memory Contract Price Increases in 2Q26" (Prognose 2Q26: konventionelles DRAM +58 bis 63 % QoQ, NAND-Flash +70 bis 75 % QoQ), trendforce.com/presscenter, 31.03.2026, abgerufen am 31.08.2026.
- TrendForce, „AI Server Demand Continues to Support Memory Prices in 3Q26" (Prognose 3Q26: NAND-Flash +10 bis 15 % QoQ), trendforce.com/presscenter, 03.07.2026, abgerufen am 31.08.2026.
- TrendForce, „Long-Term Agreements Cap Price Increases; Server DRAM Contract Prices Expected to Rise 13-18% QoQ in 3Q26" (Prognose 3Q26: Server-DRAM und konventionelles DRAM je +13 bis 18 % QoQ), trendforce.com/presscenter, 09.07.2026, abgerufen am 31.08.2026.
- TrendForce, „AI Architecture Evolution Set to Drive Memory Market Revenue to a New Peak in 2027" (Prognose: Marktumsatz Speicher 2027 rund 842,7 Mrd. US-Dollar, +53 % YoY ggü. 2026-Prognose; DRAM- und NAND-Vertragspreise sollen bis 2027 weiter steigen), trendforce.com/presscenter, 22.01.2026, abgerufen am 31.08.2026.
- ipc2u, „RAM-Preise 2026: Warum DDR5 teuer ist & IT-Strategien" (deutscher IT-Distributor: DRAM-Vertragspreise binnen eines Jahres über 100 % gestiegen, DDR5 teils über 100 % ggü. Vorjahr, Sandisk NAND-Vertragspreise im November 2025 +50 %), ipc2u.de, 10.12.2025, abgerufen am 31.08.2026.
- Storage Switzerland, „Memory and Flash Prices Are Not Coming Down (Through 2027)" (Serverpreiserhöhungen Dell/Lenovo/HP/HPE rund 15 % Ende 2025/Anfang 2026, Dell zusätzlich +17 % zum 30.03.2026; Enterprise-SSD Q4 2025 +40 bis 50 % QoQ; IDC-Prognose 2026 DRAM-Angebotswachstum nur 16 % YoY), storageswiss.com, 06.05.2026, abgerufen am 31.08.2026.
- GetUniqCLI, „HPE and HP Price Increase 2026: Why Server DRAM Is the Real Driver" (HPE: kein einheitlicher Prozentsatz fürs Gesamtportfolio, berichtete Spanne 10 bis 15 % oder mehr auf Liste-/Angebotspreise, Beginn November 2025, verkürzte Angebotsgültigkeit von 14 Tagen mit Nachkalkulationsvorbehalt), getuniqcli.com, abgerufen am 31.08.2026.
