Seit dem 14. Oktober 2025 ist für Windows 10 nach Microsoft-Lifecycle der reguläre Support beendet. Viele Mittelständler haben aber noch erhebliche Restbestände an Windows-10-Geräten im Feld – sei es, weil die Hardware Windows 11 nicht unterstützt, sei es, weil ein Rollout schlicht nicht rechtzeitig fertig wurde. Für genau diese Geräte bietet Microsoft die Extended Security Updates (ESU) an. Bequem, aber teuer – und mit einer Kostenstruktur, die viele unterschätzen.
Dieser Artikel zeigt das ESU-Preismodell für Unternehmen, rechnet es nach Flottengröße hoch und stellt es drei realistischen Alternativen gegenüber: Windows-11-Migration, Hardware-Refresh (auch refurbished) und Linux-Desktop bzw. DaaS. Preisangaben mit Stand Juni 2026.
Die Kernaussage vorweg: ESU ist eine Brücke, keine Strategie. Der Preis pro Gerät verdoppelt sich jedes Jahr und ist kumulativ zu zahlen – nach spätestens zwei Jahren wird „einfach weiterzahlen" unwirtschaftlich gegenüber neuer oder refurbished Hardware.
Stichtag 14.10.2025 – was End of Support konkret bedeutet
End of Support heißt nicht, dass die Geräte stehenbleiben. Sie laufen weiter – aber Microsoft liefert keine Sicherheitsupdates mehr. Jede nach dem Stichtag entdeckte Schwachstelle bleibt auf nicht-ESU-Geräten dauerhaft offen. Für ein Einzelgerät im Heimnetz mag das vertretbar sein, für eine Unternehmensflotte ist es ein konkretes Risiko: Ein einziger ungepatchter Client kann als Einfallstor für Ransomware dienen.
Hinzu kommt die rechtliche Dimension. Der Betrieb unsupporteter Betriebssysteme kann gegen die Sorgfaltspflichten zur IT-Sicherheit verstoßen – Stichworte NIS2 / § 30 BSIG sowie DSGVO Art. 32 („Stand der Technik"). Und Cyberversicherer verlangen zunehmend supportete Systeme; unsupportete Clients können den Versicherungsschutz im Schadensfall gefährden (Branchenquelle: Versicherer-Bedingungen).
ESU für Unternehmen – das Preismodell
61 / 122 / 244 USD pro Gerät – die kumulative Verdopplung
Über Volume Licensing kostet ESU laut Microsoft Learn im ersten Jahr 61 USD pro Gerät. Im zweiten Jahr verdoppelt sich der Preis auf 122 USD, im dritten auf 244 USD. Der entscheidende und oft übersehene Punkt: Die Preise sind kumulativ. Wer erst im zweiten Jahr einsteigt, muss laut Microsoft das erste Jahr nachzahlen – ESU lässt sich nicht „überspringen".
| Jahr | Preis pro Gerät | Kumulativ pro Gerät |
|---|---|---|
| Jahr 1 (Okt. 2025–2026) | 61 USD | 61 USD |
| Jahr 2 (Okt. 2026–2027) | 122 USD | 183 USD |
| Jahr 3 (Okt. 2027–2028) | 244 USD | 427 USD |
Über drei Jahre summiert sich ESU damit auf 427 USD pro Gerät – also auf einen Betrag, für den man vielerorts bereits ein ordentliches refurbished oder sogar neues Windows-11-Gerät bekommt. Quelle der Preise: Microsoft Learn / Volume Licensing, Stand 06/2026.
Maximal drei Jahre, dann ist Schluss
ESU ist auf drei Jahre nach End of Support begrenzt. Einen vierten Zyklus gibt es nicht. Wer auf ESU setzt, kauft also bestenfalls Zeit bis Oktober 2028 – die Migration kommt so oder so, nur eben teurer aufgeschoben.
Consumer-ESU vs. Business-ESU – warum 30 USD keine Firmenlösung sind
Im Umlauf ist häufig der Wert „30 USD". Das ist das Consumer-ESU: einmalig rund 30 USD, aber nur bis 13.10.2026 und ausdrücklich nicht für Unternehmensflotten oder domänengebundene Geräte gedacht. Für Firmen gilt das Volume-Licensing-Modell mit 61/122/244 USD. Wer das Consumer-Angebot für die Firmenflotte einplant, plant falsch.
ESU-Kosten nach Geräteanzahl
Erst in der Hochrechnung wird die Dimension sichtbar. Die folgende Tabelle zeigt die kumulativen ESU-Kosten über drei Jahre für typische Flottengrößen (427 USD pro Gerät über drei Jahre):
| Flottengröße | Jahr 1 (61 USD) | Jahr 1–2 kumulativ | Jahr 1–3 kumulativ |
|---|---|---|---|
| 50 Geräte | 3.050 USD | 9.150 USD | 21.350 USD |
| 100 Geräte | 6.100 USD | 18.300 USD | 42.700 USD |
| 250 Geräte | 15.250 USD | 45.750 USD | 106.750 USD |
Ehrlich: Bei 100 Geräten reden wir über rund 42.700 USD allein für das Recht, drei Jahre lang weiter Sicherheitsupdates für veraltete Hardware zu bekommen. Für dieses Geld lässt sich ein erheblicher Teil der Flotte bereits durch refurbished Windows-11-Geräte ersetzen – mit dem Unterschied, dass danach kein viertes Jahr Zwangsmigration ansteht.
Alternative 1 – Migration auf Windows 11
Für alle Windows-11-tauglichen Geräte ist die direkte Migration fast immer die wirtschaftlichere Wahl. Voraussetzung ist die Hardware-Tauglichkeit: TPM 2.0, Secure Boot, eine unterstützte CPU (Microsofts CPU-Liste) und ausreichend RAM. Geräte ab ca. Baujahr 2018 erfüllen das meist; ältere fallen häufig an TPM 2.0 oder der CPU-Liste durch.
Die Migration selbst kostet vor allem Projektzeit – Inventarisierung, Tauglichkeitsprüfung, Image-Pflege, Rollout und Anwendungstests. Sie ist aber eine Einmalinvestition, die danach Ruhe bis zum Windows-11-Lifecycle-Ende schafft, statt jährlich steigender ESU-Gebühren. Ein Managed Workplace kann diesen Rollout standardisiert übernehmen.
Alternative 2 – Hardware-Refresh inklusive Refurbished
Für Win11-untaugliche Geräte ist der Austausch oft günstiger als der dritte ESU-Zyklus. Besonders refurbished Business-Hardware (generalüberholte Markengeräte mit Garantie) bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis: Ein solides refurbished Notebook oder ein Mini-PC mit Windows 11 liegt häufig in der Größenordnung der kumulativen 3-Jahres-ESU-Gebühr eines einzigen Geräts.
Refurbished hat zudem einen Nachhaltigkeitsvorteil: Die Geräte werden weiterverwendet statt verschrottet, was auf das Thema Green IT einzahlt. Wichtig ist, auf Markengeräte mit echter Hersteller- oder Händlergarantie und sauberer Lizenzierung zu achten.
Alternative 3 – Linux-Desktop oder DaaS für Altgeräte
Nicht jeder Arbeitsplatz braucht zwingend Windows. Für Geräte, die ohnehin nur Browser, Mail und ein paar Web-Anwendungen ausführen, kann ein Linux-Desktop die Lebensdauer der Hardware um Jahre verlängern – ohne Lizenz- und ohne ESU-Kosten. Der Haken: Anwendungskompatibilität und Anwenderakzeptanz wollen vorher geprüft sein.
Die elegantere Variante für gemischte Umgebungen ist Desktop as a Service (DaaS): Das Altgerät wird zum reinen Anzeige-Client, der eigentliche Windows-11-Desktop läuft im Rechenzentrum. So bleibt die gewohnte Windows-Umgebung erhalten, während die lokale Hardware nur noch eine Remote-Verbindung aufbauen muss – ihr Alter spielt dann kaum eine Rolle. Für nicht migrierbare Spezialarbeitsplätze ist das oft die sauberste Lösung.
Entscheidungslogik: Wann ESU sinnvoll ist (und wann nicht)
ESU ist kein Pauschalfehler – aber ein Werkzeug für einen sehr engen Zweck. Die folgende Matrix fasst die Optionen zusammen:
| Option | Einmalkosten | Folgekosten | Empfohlen für |
|---|---|---|---|
| ESU | gering | steigend (61→122→244 USD) | nicht migrierbare Einzelgeräte, befristet |
| Windows-11-Migration | Projektaufwand | keine bis Lifecycle-Ende | Win11-taugliche Geräte |
| Refurbished-Refresh | moderat (Gerätekauf) | gering | Win11-untaugliche Altgeräte |
| Linux / DaaS | gering bis moderat | laufend (DaaS) / gering (Linux) | Web-/Standardarbeitsplätze, Spezialfälle |
In der Praxis: ESU ist eine Brücke, keine Strategie. Wir empfehlen, ESU gezielt nur für nicht migrierbare Geräte – etwa fest verbaute Leitstand-PCs oder maschinengebundene Steuerungs-Clients – zu nutzen und die übrige Flotte parallel zu modernisieren. Für Altgeräte sind Refurbished oder DaaS oft günstiger als der dritte ESU-Zyklus. Den Managed-Workplace-Betrieb verantworten wir ISO 27001-zertifiziert (Nr. 202787).
Zwei Praxisszenarien
120-Geräte-Flotte, 30 davon Win11-untauglich: „ESU für alle drei Jahre" kostet rund 120 × 427 USD ≈ 51.240 USD. Die klügere Variante: 90 taugliche Geräte direkt auf Windows 11 migrieren (Projektkosten, danach Ruhe), die 30 untauglichen durch refurbished Hardware ersetzen. Unter dem Strich meist günstiger – und am Ende steht eine durchgängig supportete Flotte statt eines auslaufenden ESU-Programms.
Produktion mit fest verbauten Altgeräten: Hier ist ESU genau richtig eingesetzt – als gezielte Brücke nur für die nicht migrierbaren Leitstand- oder Maschinen-PCs, während die Büro- und Standardarbeitsplätze regulär migriert werden. So zahlen Sie ESU nur dort, wo wirklich keine Alternative besteht.
Häufige Fragen
Was kostet Windows-10-ESU für Unternehmen?
Über Volume Licensing 61 USD (Jahr 1), 122 USD (Jahr 2) und 244 USD (Jahr 3) pro Gerät. Der Preis verdoppelt sich jährlich und ist kumulativ zu zahlen – wer erst im zweiten Jahr einsteigt, muss laut Microsoft auch das erste Jahr nachzahlen. Quelle: Microsoft Learn.
Wie lange gibt es ESU?
Maximal drei Jahre nach End of Support (14.10.2025), danach endet das Programm. Einen vierten ESU-Zyklus sieht Microsoft nicht vor.
Kann ich das 30-USD-Consumer-ESU im Betrieb nutzen?
Nein. Das Consumer-Angebot läuft nur bis 13.10.2026 und ist nicht für Unternehmensflotten oder domänengebundene Geräte gedacht. Für Firmen gilt das Volume-Licensing-Modell mit 61/122/244 USD.
Lohnt ESU oder gleich Windows 11?
Bei Windows-11-tauglicher Hardware meist direkt migrieren. ESU ist nur als gezielte Brücke für nicht migrierbare Geräte sinnvoll, etwa fest verbaute Leitstand-PCs oder maschinengebundene Clients.
Was tun mit Win11-untauglichen Altgeräten?
Hardware-Refresh (auch refurbished), Linux-Desktop oder DaaS prüfen – das ist oft günstiger als ein dritter ESU-Zyklus zu 244 USD pro Gerät und schafft zugleich eine durchgängig supportete Umgebung.