- Das Projekt lief in 6 Wochen von der Planung bis zum Go-Live und band 15 Standorte einer Autohaus-Gruppe mit über 600 Mitarbeitern an die neue Infrastruktur an.
- Eine RDS-Farm mit 500 Concurrent Usern läuft auf 8 Windows-Server-Session-Hosts mit GPU-Beschleunigung über 4x NVIDIA A40, seit Go-Live steht eine Verfügbarkeit von 99,99 %.
- Der Ceph-Storage-Cluster stellt 120 TB nutzbaren NVMe-All-Flash-Speicher mit dreifacher Replikation bereit und erreicht mehr als 500.000 IOPS bei zufälligen Lesezugriffen.
- Der zweite Rechenzentrumsstandort liegt mehr als 50 km entfernt und repliziert kritische Daten synchron in Echtzeit, sodass ein Totalausfall ohne Datenverlust (RPO = 0) abgefangen wird.
- Die Dark-Fiber-Anbindung verbindet den Hauptstandort mit unter 0,5 ms Latenz an das Rechenzentrum und lässt sich ohne Faserwechsel von 1G bis über 100G skalieren.
Viele mittelständische Unternehmen stehen vor der Herausforderung: Der eigene Serverraum ist veraltet, die Klimatisierung unzureichend, die Stromversorgung nicht redundant. Ein Neubau wäre teuer und bindet Kapital. Die Alternative: Die komplette IT-Infrastruktur in ein professionelles Rechenzentrum verlagern.
In diesem Use Case zeigen wir, wie wir gemeinsam mit einem regionalen Stadtwerk eine hochverfügbare Infrastruktur aufgebaut haben - von der Dark Fiber Anbindung bis zum standortgetrennten Disaster Recovery Standort.
Das Projekt in Zahlen: 6 Wochen von der Planung bis zum Go-Live. 15 Standorte angebunden. 500+ User auf RDS-Farm migriert. 3 Proxmox-Nodes im HA-Cluster. 2 RZ-Standorte mit >50km Entfernung. 99,99 % Verfügbarkeit seit Go-Live.
/01Die Ausgangslage
Das Unternehmen - eine Autohaus-Gruppe mit 15 Standorten und über 600 Mitarbeitern - betrieb seine zentrale IT seit 15 Jahren im eigenen Serverraum am Hauptstandort. Was damals für 3 Filialen ausreichte, war für die heutige Größe nicht mehr tragbar:
- Veraltete Hardware ohne Herstellersupport
- Keine redundante Stromversorgung (USV nur für 15 Minuten)
- Klimaanlage am Limit - im Sommer regelmäßig Überhitzungen
- Kein Disaster Recovery - bei einem Brand wäre das DMS und alle Kundendaten verloren
- IT-Team mit 3 Personen für 15 Standorte zuständig - von Helpdesk bis Serverwartung
- 500+ Arbeitsplätze mit lokaler Software - Updates und Patches ein Albtraum
- Werkstatt-Diagnose und Hersteller-Portale benötigen stabile, schnelle Verbindungen
Serverraum ausgelastet oder Standort unsicher? Colocation in Bayern bietet Fläche, Strom und Anbindung ohne eigenes Rechenzentrum.
/02Die Lösung: Stadtwerke-Partnerschaft
Die lokalen Stadtwerke betreiben ein eigenes Rechenzentrum mit freien Kapazitäten - und ein Glasfasernetz, das direkt am Firmengelände vorbeiführt. Die perfekte Kombination für unser Projekt.
Dark Fiber Anbindung
Statt einer Standard-Internetleitung haben wir eine dedizierte Glasfaserverbindung (Dark Fiber) vom Unternehmensstandort ins Stadtwerke-Rechenzentrum realisiert. Die Vorteile:
- Keine geteilte Bandbreite: Die Faser gehört exklusiv dem Kunden
- Unbegrenzt skalierbar: Von 1G bis 100G+ durch Wechsel der Optiken
- Minimale Latenz: Unter 0,5ms zum Rechenzentrum
- Maximale Sicherheit: Kein Routing durchs öffentliche Internet
- Zukunftssicher: Die physische Faser bleibt, nur die Technik an den Enden wird aufgerüstet
Warum Dark Fiber? Bei einer normalen WAN-Anbindung teilen sich viele Kunden die Infrastruktur. Bei Dark Fiber mieten Sie die physische Glasfaser - was darauf läuft, bestimmen Sie selbst. Ideal für Unternehmen mit hohen Anforderungen an Bandbreite, Latenz und Sicherheit.
/03Die Infrastruktur im Detail
Im Rechenzentrum haben wir eine komplett neue Infrastruktur aufgebaut - keine Migration alter Hardware, sondern ein sauberer Neustart mit moderner Technologie.
Proxmox VE Cluster
3-Node High-Availability Cluster für virtualisierte Workloads. Automatisches Failover bei Hardwareausfall.
vGPU für VDI/RDS
NVIDIA vGPU für GPU-beschleunigte Grafik auf allen Remote Desktops.
RDS Farm (500 User)
Windows Remote Desktop Services Farm für 500 Benutzer mit GPU-Beschleunigung.
Ceph Storage Cluster
Software-Defined Storage mit dreifacher Replikation. Keine Single Points of Failure.
Security Stack
Mehrstufiges Sicherheitskonzept mit OPNsense HA-Cluster, Zenarmor NGFW und SIEM.
Architektur-Übersicht
Die gesamte Infrastruktur ist nach dem Defense-in-Depth-Prinzip aufgebaut - mehrere Sicherheitsschichten, keine Single Points of Failure.
/04Der zweite Standort
Hochverfügbarkeit im Rechenzentrum schützt vor Hardwareausfällen - aber nicht vor Katastrophen wie Brand, Überschwemmung oder längerfristigen Stromausfällen. Deshalb haben wir einen zweiten Standort in >50km Entfernung angebunden.
Synchrone Replikation
Alle kritischen Daten werden in Echtzeit zum DR-Standort repliziert. Bei einem Totalausfall des primären Rechenzentrums können die Systeme innerhalb von Minuten am Backup-Standort hochfahren - ohne Datenverlust (RPO = 0).
- Ceph RBD Mirroring: Block-Level Replikation aller VM-Disks
- Proxmox Backup Server: Tägliche Full-Backups am DR-Standort
- Automatisches Failover: DNS-basiertes Failover für kritische Services
- Regelmäßige DR-Tests: Quartalsweise Failover-Tests ohne Produktionsunterbrechung
Warum >50km? Bei regionalen Katastrophen (Erdbeben, Überschwemmungen, großflächige Stromausfälle) können näher gelegene Standorte ebenfalls betroffen sein. 200 km gelten nach BSI-Empfehlung als Mindestabstand für echte Georedundanz. Die niedrige Latenz der Dark Fiber Verbindung (<1ms) ermöglicht trotzdem synchrone Replikation.
/05Security: Mehrstufiger Schutz
Die Verlagerung ins Rechenzentrum bietet die Chance, Security von Grund auf richtig zu machen. Unser Konzept basiert auf dem Zero-Trust-Prinzip: Vertraue niemandem, verifiziere alles.
OPNsense HA-Cluster mit Zenarmor
Zwei OPNsense Firewalls im Active-Passive Cluster mit Zenarmor NGFW-Plugin bilden die erste Verteidigungslinie. Open Source trifft auf Enterprise-Features:
- OPNsense: FreeBSD-basierte Open Source Firewall mit professionellem WebUI
- Zenarmor: AI-powered Next-Generation Firewall als Plugin integriert
- Deep Packet Inspection: Analyse des gesamten Traffics, auch verschlüsselt
- Application Control: Granulare Kontrolle über 700+ Anwendungen
- Threat Intelligence: Echtzeit-Updates gegen aktuelle Bedrohungen
- CARP Failover: Automatisches Failover in unter 1 Sekunde
Wazuh SIEM
Alle Logs fließen in unser Wazuh-basiertes Security Information and Event Management:
- Zentrale Log-Aggregation aller Systeme
- Echtzeit-Korrelation und Alerting
- File Integrity Monitoring auf kritischen Servern
- Vulnerability Detection und Compliance Checks
- Integration mit OPNsense/Zenarmor für automatisierte Reaktionen
Netzwerk-Segmentierung
Das interne Netzwerk ist strikt segmentiert - VLANs für jeden Bereich, Firewall-Regeln zwischen allen Segmenten:
- Management: Nur für Admins erreichbar, separates VLAN
- Server: Produktiv-VMs, kein direkter Internet-Zugang
- DMZ: Exponierte Services, streng isoliert
- Storage: Dediziertes Netzwerk für Ceph-Traffic
- Backup: Isoliertes Netz für Backup-Verkehr
/06vGPU: 500 Arbeitsplätze mit GPU-Power
Ein besonderes Highlight: Alle 500+ Arbeitsplätze laufen jetzt als Remote Desktops im Rechenzentrum - mit GPU-Beschleunigung durch NVIDIA vGPU für flüssige Grafik und Video.
Warum Remote Desktop für ein Autohaus?
- DMS zentral: Dealer Management System (Autoline, CROSS) läuft zentral, alle Standorte greifen auf dieselbe Instanz zu
- Hersteller-Portale: Zugriff auf BMW, Mercedes, VW Portale ohne lokale Installation
- Werkstatt-Diagnose: ISTA, XENTRY, ODIS direkt vom Arbeitsplatz - keine lokalen Diagnose-PCs mehr
- 15 Standorte, 1 IT: Software-Updates zentral ausrollen statt 15x vor Ort
- Thin Clients: Günstige, robuste Endgeräte - ideal für Werkstatt und Verkauf
NVIDIA A40 mit vGPU
Vier NVIDIA A40 Karten (je 48GB VRAM) versorgen die gesamte RDS-Farm mit GPU-Beschleunigung. Jede Session erhält ein 4GB vGPU-Profil für flüssige Teams-Calls, Video-Wiedergabe und Hersteller-Konfiguratoren.
RDS Farm für 500 User
Neben den dedizierten CAD-Arbeitsplätzen betreiben wir eine skalierbare Remote Desktop Services Farm für alle Mitarbeiter. Die Besonderheit: Auch hier kommt vGPU zum Einsatz - für flüssige Multimedia-Wiedergabe und Office-Anwendungen.
- 8 Session Hosts: Gemischte Umgebung aus Windows Server 2022 und 2025
- 500 Concurrent User: Dynamisches Load Balancing über RD Connection Broker
- vGPU für alle: A40-4Q Profile (4GB) für Hardware-beschleunigte Grafik
- User Profile Disks: Persistente Profile auf Ceph Storage
- FSLogix Container: Schnelle An- und Abmeldung, Office 365 optimiert
- RemoteFX: USB-Redirection für Drucker, Scanner und Signaturtablets
Warum Windows Server 2022 und 2025? Server 2022 für produktive Workloads mit bewährter Stabilität. Server 2025 als Preview für Tests neuer Features wie verbesserte RDP-Kompression und Copilot-Integration. Durch die Farm-Architektur können beide parallel betrieben werden.
Performance wie lokal
Dank Dark Fiber und vGPU fühlt sich der Remote Desktop an wie ein lokaler PC.
Kundendaten sicher
Alle Daten bleiben im RZ. Kein USB-Stick, keine lokale Kopie - DSGVO-konform.
15 Standorte, 1x pflegen
Updates einmal ausrollen statt 15x. IT-Team spart 80 % Zeit bei Wartung.
Neuer Standort in Minuten
Standort 16 eröffnet? Internet + Thin Clients = fertig. Keine Server vor Ort.
/07Das Ergebnis
Nach 6 Wochen Projektlaufzeit waren alle 15 Standorte migriert. Der alte Serverraum am Hauptstandort wurde zurückgebaut - die IT läuft jetzt im professionellen Rechenzentrum der Stadtwerke.
- 99,99 % Verfügbarkeit: Seit Go-Live kein ungeplanter Ausfall
- 500+ User produktiv: Alle Mitarbeiter arbeiten auf der RDS-Farm
- 15 Standorte zentral: Eine IT-Infrastruktur für alle Filialen
- RPO = 0: Synchrone Replikation, kein Datenverlust bei Disaster
- RTO < 15 Min: Failover zum DR-Standort getestet und dokumentiert
- IT-Team entlastet: Kein Hardwarebetrieb an 15 Standorten mehr
- Zukunftssicher: Standort 16, 17, 18... einfach anbinden, keine neue Hardware
- BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik), Empfehlung zum Mindestabstand von 200 km zwischen Rechenzentrumsstandorten für echte Georedundanz.
