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Cloud vs. On-Premise: Die richtige Entscheidung

Die Wahl der richtigen IT-Infrastruktur ist eine strategische Entscheidung mit langfristigen Auswirkungen. Wir beleuchten die Vor- und Nachteile beider Ansätze und helfen Ihnen bei der Orientierung.

Kategorie InfrastrukturStand 23.08.2026Lesezeit 8 Min.
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Entscheidung fällt pro Anwendung, nicht pro Unternehmen: 86 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen laut Bitkom Cloud Report 2026 Cloud-Dienste, betreiben dort aber im Schnitt nur 47 Prozent ihrer IT-Anwendungen.
  • On-Premise kostet vorne, die Cloud hinten: Bei 64 Prozent der cloudnutzenden Unternehmen sind die Cloud-Betriebskosten 2025 gestiegen, nur 9 Prozent erwarten für 2026 sinkende Ausgaben.
  • Lock-in ist die teuerste Nebenwirkung: 59 Prozent nennen ihn als Grund, warum ein Anbieterwechsel unterbleibt — beim Einstieg achten aber nur 37 Prozent auf eine einfache Wechselmöglichkeit.
  • Der Souveränitätswunsch trifft auf gewachsene Verträge: 71 Prozent beziehen Cloud-Dienste von US-Anbietern, bevorzugen würden das nur 8 Prozent.
  • Hybrid ist keine Übergangslösung: 34 Prozent der cloudnutzenden Unternehmen fahren bereits eine Kombination aus privater und öffentlicher Cloud, und nur 8 bis 9 Prozent der Rückverlagerer holen wirklich alles zurück.
KI-Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde teilweise mit Unterstützung von KI-Systemen erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Kennzeichnung gemäß EU-KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689).

Die Frage »Cloud oder On-Premise?« ist in den meisten Unternehmen längst beantwortet — nur anders, als die Folien der Hyperscaler es nahelegen. Sie wird nicht einmal für das ganze Haus entschieden, sondern immer wieder neu, für jede Anwendung. Dieser Beitrag ordnet beide Betriebsmodelle anhand der aktuellen Marktzahlen ein und benennt, was die jeweilige Entscheidung wirklich kostet.

/01Wo der Mittelstand wirklich steht

Der Bitkom Cloud Report 2026 — eine repräsentative Telefonbefragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten — liefert die nüchternen Zahlen: 86 Prozent der Unternehmen nutzen Cloud Computing, weitere 14 Prozent planen oder diskutieren es. Für gerade einmal 1 Prozent ist das Thema keines.

Interessanter als die Nutzungsquote ist die Tiefe. Im Durchschnitt laufen 47 Prozent der IT-Anwendungen aus der Cloud; 2024 waren es 38 Prozent. In fünf Jahren erwarten die Befragten 58 Prozent. Die Cloud wächst also, aber sie räumt das Rechenzentrum nicht leer. Bemerkenswert ist außerdem, welches Modell überwiegt: Die Private Cloud liegt mit 64 Prozent vor der Public Cloud mit 53 Prozent.

Auch die strategische Haltung ist differenzierter, als die Debatte vermuten lässt. Unter den cloudnutzenden Unternehmen verfolgen 17 Prozent einen »Cloud only«-Ansatz, 33 Prozent »Cloud first«, 28 Prozent ergänzen ihre bestehende IT lediglich um Cloud-Anwendungen. Ehrlich: Die kompromisslose Cloud-Fraktion ist ein Sechstel des Marktes.

/02On-Premise: Kontrolle mit Preisschild

Bei On-Premise betreiben Sie die Infrastruktur selbst — in eigenen Räumen oder in einem Colocation-Rechenzentrum. Der Nutzen ist real und lässt sich benennen:

  • Datenhoheit ohne Zwischeninstanz. Wer Zugriff hat, entscheiden Sie — nicht der Support-Prozess eines Anbieters. 87 Prozent der Unternehmen nennen »Schutz vor unbefugtem Zugriff durch den Cloud-Anbieter selbst« als Muss-Kriterium.
  • Kalkulierbare Betriebskosten. Nach der Beschaffung ist die Kostenlinie flach. Sie zahlen Strom, Wartung, Support — keine Abrechnung nach Datenvolumen oder API-Aufrufen.
  • Unabhängigkeit von der Leitung. Fällt die Internetverbindung aus, arbeiten lokale Anwendungen weiter. Für Produktion, Lager und Praxisbetrieb ist das kein Randargument.
  • Steuerlich schneller abgeschrieben als früher. Seit dem BMF-Schreiben vom 22. Februar 2022 lässt sich Computerhardware und Software mit einer Nutzungsdauer von einem Jahr ansetzen — vorher waren drei bis fünf Jahre üblich. Das verschiebt die CAPEX-Rechnung spürbar.

Der Preis dafür steht ebenso fest: hohe Anfangsinvestition, Verantwortung für Wartung, Updates und Ersatzteilverfügbarkeit, sowie eine Skalierung, die über Beschaffung läuft und damit Wochen statt Minuten braucht. Und: Sie brauchen Menschen, die das können. Laut Bitkom sind in Deutschland 109.000 IT-Stellen unbesetzt, eine Neubesetzung dauert im Schnitt 7,7 Monate. Für viele Mittelständler ist das der eigentliche Grund, den Betrieb abzugeben — an einen Dienstleister oder an die Cloud.

/03Cloud: Tempo, das laufend bezahlt wird

Die Stärken der Cloud sind unbestritten: keine Vorabinvestition, Skalierung in Minuten, Redundanz ab Werk, automatische Updates, Zugriff von überall. Der wichtigste Grund für die Cloud ist inzwischen aber ein anderer — 75 Prozent der Nutzer und Planer nennen die Erhöhung der IT-Sicherheit als Ziel, ein Anstieg um 18 Prozentpunkte gegenüber 2024. Kostenreduzierung folgt mit 67 Prozent.

In der Praxis stellt sich genau diese Kostenreduzierung als das wackeligste Versprechen heraus. Im Bitkom-Report berichten 64 Prozent der cloudnutzenden Unternehmen von gestiegenen Cloud-Betriebskosten im Jahr 2025 — bei 19 Prozent stark, bei 45 Prozent leicht. Für 2026 erwarten 54 Prozent weiter steigende Ausgaben und nur 9 Prozent sinkende.

Das ist kein reines Preisproblem, sondern ein Steuerungsproblem. Der Flexera State of the Cloud Report 2026 beziffert den Anteil verschwendeter Cloud-Ausgaben auf 29 Prozent — erstmals seit fünf Jahren wieder steigend, getrieben durch KI-Workloads und neue PaaS-Dienste. Wer in die Cloud geht, kauft Geschwindigkeit ein und muss Kostenkontrolle als eigene Disziplin danebenstellen.

In der Praxis: Die Rechnung »Cloud ist billiger« geht am ehesten bei schwankender Last auf — Testumgebungen, saisonale Spitzen, Projektgeschäft. Bei gleichmäßiger Grundlast, die 24 Stunden am Tag läuft, gewinnt eigene oder gemietete Hardware fast immer, sobald man drei Jahre statt drei Monate rechnet.

/04Lock-in: die selbstgebaute Barriere

Vendor-Lock-in klingt nach einem abstrakten Risiko, bis der Wechsel ansteht. Die Zahlen zeigen, wie fest die Bindung ist: Nur rund ein Drittel der cloudnutzenden Unternehmen hat überhaupt schon einmal den Anbieter gewechselt (26 Prozent einmal, 8 Prozent mehrfach), 43 Prozent haben es nicht vor.

Als größte Wechselbarriere nennen 59 Prozent Lock-in-Effekte — schwierige Datenexporte, aufwendige Migrationen. Dahinter folgen personeller Aufwand und Anwendungskomplexität mit je 45 Prozent, finanzieller Aufwand mit 41 Prozent und ein grundsätzlich zu hohes Risiko mit 28 Prozent.

Der aufschlussreichste Wert steht an anderer Stelle: Bei der Anbieterauswahl ist die »einfache Wechselmöglichkeit« nur für 37 Prozent ein Muss-Kriterium — der zweitniedrigste Wert der gesamten Liste. Die Barriere, die später am meisten stört, wird beim Einstieg am wenigsten geprüft. Praktisch heißt das: Exportformate, Datenabzug und Ausstiegsklauseln gehören in den Vertrag, nicht in die spätere Krisensitzung.

/05Souveränität: Wunsch und Wirklichkeit

Zwischen Anspruch und Vertragslage klafft eine Lücke, die im Bitkom-Report deutlich sichtbar wird. 98 Prozent der Unternehmen geben an, dass das Herkunftsland des Anbieters bei der Auswahl eine Rolle spielt. Tatsächlich beziehen aber 71 Prozent Cloud-Dienste von US-Anbietern — bevorzugen würden das nur 8 Prozent. Umgekehrt nutzen 53 Prozent deutsche Anbieter, während 91 Prozent sie vorziehen würden.

85 Prozent halten Deutschland für zu abhängig von US-Cloud-Anbietern; 2025 waren es 78 Prozent. Zugleich sagen 43 Prozent, für ihre Anforderungen gebe es keine gleichwertige europäische Alternative zu den Hyperscalern. Diese beiden Sätze widersprechen sich nicht — sie beschreiben denselben Zustand aus zwei Richtungen.

Für die Entscheidung zwischen Cloud und eigenem Betrieb ist das relevant, weil Souveränität nicht am Serverstandort endet. Der CLOUD Act knüpft an den Sitz des Anbieters an, nicht an den des Rechenzentrums. Wer diese Frage abschließend klären muss — Kanzleien, Gesundheitswesen, Kommunen, Verteidigungszulieferer —, kommt an einem europäischen Anbieter oder an eigener Infrastruktur nicht vorbei.

/06Vergleich auf einen Blick

Kriterium On-Premise Public Cloud
Kostenprofil CAPEX, hohe Anfangsinvestition, danach flach OPEX, kein Startkapital, laufend variabel
Kostenentwicklung 2025 planbar über die Nutzungsdauer bei 64 % gestiegen, davon 19 % stark
Skalierung Beschaffung, Wochen Minuten, in beide Richtungen
Datenkontrolle vollständig, eigener Zugriffskreis abhängig von Anbieter und Rechtsraum
Ausstieg Hardware bleibt, Daten liegen lokal Lock-in ist für 59 % die größte Hürde
Personalbedarf eigenes Know-how oder Dienstleister weniger Betrieb, mehr Steuerung und FinOps
Passt gut zu konstanter Grundlast, harten Compliance-Auflagen schwankender Last, Projekten, schnellem Start

/07Hybrid ist der Normalfall

Die verbreitetste Antwort auf die Ausgangsfrage lautet: beides. 34 Prozent der cloudnutzenden Unternehmen betreiben bereits eine Hybrid-Cloud aus privaten und öffentlichen Diensten, weitere 22 Prozent planen es. 38 Prozent setzen auf Multi-Cloud über mehrere Anbieter.

Auch die viel zitierte Rückverlagerung aus der Cloud gehört in dieses Bild. Der oft genannte Wert stammt aus einer Barclays-CIO-Befragung: 83 bis 86 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen wollten zumindest einzelne Workloads aus der Public Cloud zurückholen. Das klingt nach Massenflucht, ist aber keine. IDC-Erhebungen zeigen, dass nur 8 bis 9 Prozent eine vollständige Rückverlagerung planen — der große Rest schiebt einzelne Datenbanken, Backups oder Anwendungen zurück und bleibt im Übrigen in der Cloud.

Das ist keine Kehrtwende, sondern Normalisierung: Jeder Workload muss seinen Platz verdienen.

/08Welcher Workload gehört wohin?

Eine belastbare Faustregel entsteht nicht aus Grundsatzdebatten, sondern aus vier Fragen je Anwendung:

  • Wie konstant ist die Last? Gleichmäßige 24/7-Last spricht für eigene oder gemietete Hardware, schwankende Last für die Cloud.
  • Wie eng ist die Anwendung an Daten gebunden, die nicht raus dürfen? Personaldaten, Patientendaten, Konstruktionsdaten — hier entscheidet der Rechtsraum, nicht der Preis.
  • Was passiert bei Leitungsausfall? Wenn die Produktion stillsteht, sobald die Anbindung fällt, gehört das System nach unten ins Haus oder braucht einen zweiten Weg.
  • Wie sieht der Ausstieg aus? Wenn Sie die Antwort nicht in zwei Sätzen geben können, ist der Lock-in bereits eingebaut.

Unser Ansatz: Wir bewerten Ihre Anwendungen einzeln — Last, Datenklasse, Ausfallfolgen, Ausstiegspfad — und leiten daraus die Zuordnung ab: eigener Betrieb, Colocation, private oder öffentliche Cloud. Compliance-Anforderungen und Kostenverlauf über drei bis fünf Jahre gehören dabei in dieselbe Rechnung wie der Listenpreis.

Quellen
  1. Bitkom Research: Cloud Report 2026 — Status Quo & Trends in Wirtschaft und Politik. Repräsentative CATI-Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, Juni 2026.
  2. Flexera: 2026 State of the Cloud Report, März 2026 — Anbieterstudie zu Cloud-Ausgaben und -Verschwendung.
  3. Barclays CIO Survey (Q4 2024) und IDC-Erhebungen zur Rückverlagerung von Workloads, eingeordnet u. a. bei Digital Chiefs.
  4. Bitkom: Der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte, Bitkom-Studie 2025 (n = 855 Unternehmen ab drei Beschäftigten).
  5. Bundesministerium der Finanzen: BMF-Schreiben vom 22.02.2022 (IV C 3 - S 2190/21/10002 :025) zur Nutzungsdauer von Computerhardware und Software.
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