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NetBird: ein Netz, das sich selbst verkabelt

Ein Mesh-VPN verlegt keine neuen Leitungen — es spart den Umweg über die Mitte. NetBird baut dieses Netz auf WireGuard-Basis, bindet die Anmeldung an den Identitätsanbieter, den Sie ohnehin betreiben, und lässt sich vollständig im eigenen Haus betreiben. Was das im Alltag ändert, wo die Grenzen liegen — und wann der klassische Konzentrator die bessere Wahl bleibt.

Kategorie Open SourceStand 26.08.2026Lesezeit 15 Min.
Das Wichtigste in Kürze
  • NetBird spannt ein verschlüsseltes Netz über Server, Standorte und Laptops hinweg, in dem jedes Gerät jedes andere direkt erreicht — die Verschlüsselung übernimmt WireGuard, das seit Kernel 5.6 (März 2020) fest im Linux-Kern sitzt und mit rund 4.000 Zeilen Code auskommt.
  • Die Anmeldung läuft über den Identitätsanbieter, den Sie ohnehin betreiben: Microsoft Entra ID, Keycloak, Google Workspace oder ein anderer OIDC-Anbieter. Wer das Konto sperrt, sperrt damit auch den Netzzugang — ohne einen zweiten Satz Schlüssel zu pflegen.
  • Zugriff wird je Gruppe erlaubt, nicht je Netz: Die Buchhaltung erreicht den Buchhaltungsserver, sonst nichts. Das klassische VPN öffnet nach der Anmeldung in der Regel das ganze Segment.
  • Der Eigenbetrieb umfasst vier Dienste — Verwaltung, Signalisierung, Relais und Oberfläche. Sie laufen als Container auf einer einzelnen Maschine; die Lizenz ist BSD-3-Clause, es gibt also keine Nutzerzahl, die den Betrieb verteuert.
  • NetBird ersetzt keine Firewall. Es entscheidet, wer wen erreicht, nicht was dabei durch die Leitung geht — Segmentierung, Inhaltsprüfung und Protokollierung am Übergang bleiben Aufgabe der Firewall.

/01Was NetBird ist — und was es nicht ist

NetBird ist ein Overlay-Netz: eine zweite, verschlüsselte Ebene über dem Netz, das Sie ohnehin haben. Auf jedem Gerät läuft ein kleiner Dienst, der dem Gerät eine feste Adresse aus einem privaten Bereich gibt und Tunnel zu allen anderen Geräten aufbaut, die dazugehören dürfen. Ein Laptop im Hotel-WLAN erreicht den Datenbankserver im Rechenzentrum dann genauso wie vom Schreibtisch aus — über dieselbe Adresse, ohne Portfreigabe, ohne feste IP am Anschluss.

Die Verschlüsselung macht NetBird nicht selbst. Sie kommt von WireGuard, das seit Kernel 5.6 im März 2020 fest im Linux-Kern sitzt. Der Unterschied zu älteren Verfahren ist vor allem Größe: WireGuard kommt mit rund 4.000 Zeilen Code aus, wo OpenVPN und IPsec-Implementierungen im sechsstelligen Bereich liegen. Weniger Code heißt weniger Fläche, auf der ein Fehler sitzen kann — das ist der ganze Grund, warum WireGuard sich durchgesetzt hat.

Was NetBird hinzufügt, ist die Verwaltung drumherum. Reines WireGuard verlangt, dass jemand für jede Verbindung ein Schlüsselpaar erzeugt, es auf beiden Seiten hinterlegt, die erlaubten Adressbereiche einträgt und bei jedem neuen Gerät alles wiederholt. Bei drei Servern ist das eine halbe Stunde. Bei vierzig Geräten und wechselnden Mitarbeitern ist es eine Aufgabe, die niemand zuverlässig erledigt — und genau dort entstehen die Schlüssel, die noch gültig sind, obwohl der Laptop längst ausgemustert wurde.

Die Abgrenzung in einem Satz: WireGuard ist das Schloss, NetBird ist die Schließanlage. Das Schloss war nie das Problem — die Verwaltung der Schlüssel war es.

Ebenso wichtig ist, was NetBird nicht ist. Es ist keine Firewall: Es entscheidet, wer wen erreichen darf, nicht was dabei über die Leitung geht. Inhaltsprüfung, Segmentierung am Übergang ins Internet und die Protokollierung, die eine NIS2-Meldung stützt, bleiben Aufgabe der Firewall. Und es ist kein Ersatz für ein Rechtekonzept in der Anwendung selbst — wer den Server erreicht, hat damit noch keine Berechtigung in der Datenbank darauf.

Netzzugang ist ein Baustein, nicht die Architektur. Managed Firewall mit OPNsense — Segmentierung, Regelwerk und Protokollierung im Betrieb.

/02Wie eine Verbindung zustande kommt

Der interessante Teil ist die Frage, wie zwei Geräte hinter zwei verschiedenen Routern zueinander finden, ohne dass an einem der beiden Anschlüsse ein Port offen steht. NetBird löst das in drei Schritten, und es lohnt sich, sie zu kennen — sie erklären sowohl die gute Geschwindigkeit als auch den einen Fall, in dem sie ausbleibt.

Laptop (Hotel-WLAN)                         Server (Rechenzentrum)
      |                                              |
      |  1. Anmeldung am Identitätsanbieter          |
      +--------------------> [ Verwaltung ] <--------+
      |     Wer bin ich, welche Gruppen, welche Regeln?
      |                                              |
      |  2. Kandidatenaustausch über die Signalisierung
      +--------------------> [  Signal   ] <---------+
      |     Adressen und Ports, die beide versuchen können
      |                                              |
      |  3a. direkter Tunnel (Regelfall)             |
      +==============================================+
      |          WireGuard, UDP, Ende zu Ende        |
      |                                              |
      |  3b. Rückfall über das Relais, wenn 3a scheitert
      +--------------------> [  Relais   ] <---------+
            verschlüsselt durchgereicht, nicht entschlüsselt

Schritt 1 klärt die Berechtigung, Schritt 2 vermittelt nur die Kontaktdaten, Schritt 3 ist der eigentliche Datenweg. Entscheidend: In Schritt 3a fließen die Daten direkt zwischen den beiden Geräten. Kein zentraler Konzentrator, über den alles läuft, keine Strecke ins Rechenzentrum und wieder zurück, wenn zwei Kollegen im selben Büro sitzen. Das ist der spürbarste Unterschied im Alltag.

Scheitert der direkte Weg — restriktive Firewalls, symmetrisches NAT, Mobilfunknetze mit Carrier-Grade-NAT —, springt das Relais ein und reicht den verschlüsselten Verkehr durch. Es sieht dabei nur Chiffrat; die Schlüssel liegen ausschließlich auf den Endgeräten. Der Preis ist Umweg und damit Latenz. Wer das Relais selbst betreibt, sollte es deshalb dort hinstellen, wo die meisten Nutzer sind, nicht dort, wo gerade Platz im Rack ist.

/03Was sich gegenüber dem VPN-Konzentrator ändert

Der klassische Aufbau hat eine Mitte: einen Konzentrator auf der Firewall, durch den jede Verbindung läuft. Das ist übersichtlich und seit zwanzig Jahren erprobt — und es hat drei Eigenschaften, die im verteilten Arbeiten teuer werden.

Klassischer VPN-Konzentrator gegenüber einem Mesh wie NetBird — Betriebssicht
PunktKonzentratorMesh
Datenwegimmer über die Zentrale, auch zwischen zwei Nachbarndirekt, Relais nur als Rückfall
Ausfall der Zentraleniemand kommt mehr reinbestehende Tunnel laufen weiter, neue kommen nicht zustande
Reichweite nach der Anmeldungmeist das ganze Segmentgenau die freigegebenen Ziele
Neues Gerät aufnehmenProfil erzeugen, verteilen, dokumentierenAnmeldung am Identitätsanbieter, Rest automatisch
Gerät entziehenProfil sperren — sofern es jemand tutKonto sperren genügt
Durchsatzbegrenzt durch die Hardware der Zentralebegrenzt durch die beteiligten Anschlüsse
Was mitgelesen werden kannalles, an einer Stelle — gut für Prüfung, schlecht bei Kompromittierungnichts unterwegs; Protokoll nur über Zugriffsversuche

Die letzte Zeile ist die unbequeme. Ein Konzentrator ist auch eine Prüfstelle: Dort lässt sich Verkehr aufbrechen und untersuchen. Ein Mesh nimmt Ihnen diese Stelle weg. Wer Inhaltsprüfung braucht — weil eine Richtlinie es verlangt oder weil der Versicherer danach fragt —, muss sie an anderer Stelle unterbringen, typischerweise am Übergang ins Internet und auf den Endgeräten. Das ist kein Argument gegen das Mesh, aber es ist eine Entscheidung, die man bewusst trifft und nicht nachträglich entdeckt.

Die zweite Zeile wird oft falsch verstanden. Fällt die Verwaltung aus, brechen bestehende Verbindungen nicht ab — sie laufen weiter, weil der Datenweg gar nicht durch die Verwaltung führt. Was ausfällt, ist das Aufnehmen neuer Geräte und das Ändern von Regeln. Für die Verfügbarkeitsrechnung ist das ein erheblicher Unterschied zum Konzentrator, dessen Ausfall sofort jeden aussperrt.

/04Zugriffsregeln statt Netzzugang

Der eigentliche Gewinn liegt nicht in der Technik des Tunnels, sondern darin, wie Zugriff beschrieben wird. Im Konzentrator-Modell lautet die Frage: Darf dieser Mensch ins Netz? Im Mesh lautet sie: Welche Gruppe darf welche Gruppe auf welchem Port erreichen?

Praktisch heißt das: Geräte und Menschen werden Gruppen zugeordnet — meist automatisch aus dem Identitätsanbieter, also aus den Gruppen, die in Entra ID oder Keycloak ohnehin gepflegt werden. Regeln verbinden dann Gruppe mit Gruppe. „Buchhaltung erreicht Buchhaltungsserver auf 3389" ist eine Regel. Alles, was keine Regel hat, ist nicht erreichbar — nicht gefiltert, sondern schlicht nicht sichtbar.

Damit fällt die Aufgabe weg, die im Alltag am häufigsten liegen bleibt: das Aufräumen. Ein ausgeschiedener Mitarbeiter verliert den Netzzugang in dem Moment, in dem sein Konto gesperrt wird — nicht dann, wenn jemand daran denkt, auch das VPN-Profil zu widerrufen. Wer MFA am Identitätsanbieter erzwingt, erzwingt sie damit auch für den Netzzugang, ohne einen zweiten Faktor separat auszurollen.

Zusätzlich lassen sich Bedingungen an den Zustand des Geräts knüpfen — Betriebssystemstand, Version des Dienstes, Herkunftsland. Das ist die Stelle, an der ein Mesh dem nahekommt, was unter Zero Trust beschrieben wird: nicht einmal prüfen und dann vertrauen, sondern bei jeder Verbindung erneut entscheiden. Wie weit Sie das treiben, ist eine Frage der Betriebsreife; die erste Stufe — Gruppen statt Netze — bringt bereits den größten Teil des Nutzens.

/05Selbst betreiben: die vier Dienste

NetBird steht unter der BSD-3-Clause-Lizenz — Sie dürfen es betreiben, verändern und weitergeben, ohne eine Nutzerzahl zu lizenzieren. Der Eigenbetrieb ist kein Sonderweg, sondern vorgesehen. Er besteht aus vier Diensten, die üblicherweise als Docker-Container auf einer einzelnen Maschine laufen.

Verwaltung

Der Kern: Hier stehen Geräte, Gruppen, Regeln und die Verbindung zum Identitätsanbieter. Jeder Dienst auf einem Endgerät fragt hier nach, wen er erreichen darf und mit welchem öffentlichen Schlüssel. Nutzdaten laufen nicht durch die Verwaltung — sie kennt nur die öffentlichen Schlüssel, nie die privaten. Wenn Sie etwas sichern müssen, dann den Zustand dieses Dienstes; die Geräteschlüssel selbst bleiben auf den Geräten und werden bei Bedarf neu erzeugt.

Signalisierung

Der Vermittler. Zwei Geräte, die sich verbinden wollen, tauschen hierüber die Adressen und Ports aus, die sie beim jeweils anderen versuchen können. Der Dienst reicht Verbindungsangebote durch und sonst nichts — er ist klein, aber er muss von beiden Seiten erreichbar sein, sonst kommt keine neue Verbindung zustande.

Relais

Der Rückfall. Wenn der direkte Weg scheitert, läuft der Verkehr hierüber — verschlüsselt, und das Relais entschlüsselt nichts. Es ist der einzige der vier Dienste, durch den Nutzdaten fließen, und damit der einzige, bei dem Bandbreite und Standort eine Rolle spielen. Wer ihn im eigenen Rechenzentrum betreibt und Nutzer in ganz Deutschland hat, sollte das bei der Latenzerwartung einrechnen.

Oberfläche

Die Weboberfläche, über die Gruppen und Regeln gepflegt werden. Sie ist Bequemlichkeit, nicht Voraussetzung — die Verwaltung hat auch eine Schnittstelle, über die sich dasselbe automatisieren lässt.

Was Sie zusätzlich brauchen: einen von außen erreichbaren Namen samt Zertifikat, einen OIDC-Anbieter für die Anmeldung — und die Bereitschaft, für diese Maschine dieselbe Verfügbarkeit zu liefern, die Sie bisher von Ihrem VPN-Konzentrator erwartet haben. Der On-Premise-Betrieb spart keine Verantwortung, er verlagert sie.

Die ehrliche Einschätzung: Die Installation ist an einem Vormittag erledigt, der Betrieb ist die eigentliche Aufgabe. Aktualisierungen der vier Dienste, Überwachung der Erreichbarkeit, ein zweiter Weg auf die Server für den Fall, dass die Verwaltung ausfällt — das ist der Aufwand, den man beim Vergleich mit einem gehosteten Dienst gegenrechnen muss.

/06Einordnung: NetBird, Tailscale, Headscale, WireGuard von Hand

Vier Wege, dieselbe Grundtechnik. Der Unterschied liegt nicht im Tunnel — der ist überall WireGuard —, sondern darin, wer die Steuerungsebene betreibt und wie viel Handarbeit übrig bleibt.

NetBird, Tailscale, Headscale und WireGuard von Hand — was sich im Betrieb unterscheidet
PunktNetBirdTailscaleHeadscaleWireGuard von Hand
LizenzBSD-3-Clause, Server und ClientClient quelloffen, Steuerungsebene nichtBSD-3-Clause, unabhängig von Tailscale gepflegtGPLv2 im Linux-Kern
Steuerungsebene im eigenen Hausvorgesehener Wegnicht vorgesehen — sie wird als Dienst bezogender ganze Zweck des Projektses gibt keine; Sie sind sie
Anmeldungüber den eigenen OIDC-Anbieterüber die unterstützten Anbieter des DienstesOIDC möglich, Umfang folgt dem Vorbild mit AbstandSchlüsselpaare statt Konten
ZugriffsregelnGruppe zu Gruppe, in der OberflächeRegelwerk als Dateidasselbe Regelformat wie das Vorbildüber erlaubte Adressbereiche und die Firewall
Endgeräte-Clienteigener Client für Rechner und Mobilgeräteeigener Client für Rechner und Mobilgerätenutzt die Clients des Vorbildsoffizielle Clients, aber ohne Verwaltung
Betriebsaufwandvier Dienste plus Identitätsanbieterfaktisch keiner — dafür Abhängigkeit vom Anbieterein Dienst, Relais je nach Aufbau eingebaut oder eigenständigHandarbeit je Verbindung, wächst mit jedem Gerät
Passt, wenn …… Sie die Steuerungsebene im Haus wollen und einen Identitätsanbieter haben… Sie schnell starten wollen und der Bezug als Dienst vertraglich tragbar ist… Sie bereits im Tailscale-Ökosystem sind und die Mitte zurückholen wollen… es bei einer Handvoll fester Verbindungen bleibt

Das ist eine Einordnung nach Betriebsmerkmalen, kein Leistungsvergleich — die Tunnelgeschwindigkeit unterscheidet sich zwischen den vier Wegen praktisch nicht, weil sie dieselbe Technik nutzen. Was sich unterscheidet, ist die Frage, wen Sie anrufen, wenn die Steuerungsebene steht, und wo die Daten über Ihre Geräte und Gruppen liegen. Für Betriebe mit NIS2-Pflichten oder einem ISO/IEC 27001-Zertifikat ist genau das die Frage, die im Fragebogen auftaucht.

Die letzte Zeile ist die praktisch wichtigste: Für vier feste Standortkopplungen ist reines WireGuard auf der Firewall völlig ausreichend und die einfachere Lösung. Ein Mesh lohnt sich, wenn Geräte dazukommen und verschwinden — nicht, wenn sie stehen bleiben.

/07Wo es hakt

Kein Werkzeug ohne Preis. Diese sechs Punkte sollten Sie kennen, bevor Sie umbauen — nicht danach.

Die Verwaltung ist eine neue Abhängigkeit

Bestehende Verbindungen überleben ihren Ausfall, neue nicht. Wer selbst betreibt, braucht deshalb einen zweiten Weg auf die eigenen Server — Konsole am Hypervisor, ein Zugang außerhalb des Mesh, irgendetwas, das nicht davon abhängt, dass NetBird läuft. Das ist derselbe Gedanke wie beim Fernwartungszugang neben dem VPN, nur konsequenter zu Ende gedacht.

Der direkte Weg gelingt nicht immer

Streng gefilterte Gastnetze, Mobilfunkanschlüsse hinter Carrier-Grade-NAT und manche Hotelnetze zwingen die Verbindung über das Relais. Sie merken das an der Latenz, nicht an einem Fehler — und genau deshalb wird es oft erst spät bemerkt. Wie häufig das eintritt, hängt an Ihren Standorten und lässt sich nur messen, nicht schätzen.

Die Prüfstelle in der Mitte fällt weg

Ein Mesh hat keinen Punkt, an dem sich Verkehr aufbrechen und inhaltlich untersuchen lässt. Wenn eine Richtlinie, ein Versicherer oder ein Prüfer das verlangt, muss es an anderer Stelle stattfinden — am Übergang ins Internet und auf den Endgeräten. Das ist machbar, aber es ist Arbeit, die nicht im Projektplan steht, wenn man sie nicht vorher benennt.

Ein weiterer Dienst auf jedem Gerät

Der Client muss aktuell gehalten werden. Auf verwalteten Geräten ist das eine Zeile in der Geräteverwaltung; auf privaten Rechnern und Fremdgeräten ist es eine Bitte. Wer Zugriff für externe Dienstleister braucht, sollte deshalb prüfen, ob ein Browser-Zugang über ein Portal nicht der sauberere Weg ist.

Geräte ohne Client hängen an einem Übergang

Drucker, Steuerungen, Altsysteme und alles, worauf sich nichts installieren lässt, erreichen Sie nur über ein Gerät, das ihr Netz ins Mesh weiterreicht. Dieses Gerät ist dann wieder eine Mitte — mit allem, was daran hängt: Ausfall, Durchsatz, Wartungsfenster. In gewachsenen Produktionsnetzen ist das kein Randfall, sondern die Regel.

Der Adressbereich kann kollidieren

Overlay-Netze dieser Bauart vergeben Adressen aus 100.64.0.0/10 — dem Bereich, den RFC 6598 für Carrier-Grade-NAT reserviert hat. Wenn Ihr Internetanbieter, eine Cloud-Umgebung oder ein Kundennetz denselben Bereich benutzt, gibt es eine Überschneidung. Das ist lösbar, aber es ist der häufigste unangenehme Fund am ersten Tag.

/08Wann sich der Wechsel lohnt — und wann nicht

Die Frage ist selten „welches Produkt", sondern „passt die Bauform zu unserem Betrieb". Vier Anzeichen dafür, dass sie passt — und vier dagegen.

Dafür spricht

  • Verteiltes Arbeiten: Viele mobile Arbeitsplätze und mehr als ein Standort. Je öfter zwei Geräte miteinander reden, die beide nicht in der Zentrale stehen, desto teurer wird der Umweg.
  • Ein gepflegter Identitätsanbieter ist da: Entra ID, Keycloak oder Google Workspace laufen bereits und die Gruppen darin stimmen. Das ist die Voraussetzung, nicht das Ergebnis.
  • Das VPN-Regelwerk ist historisch gewachsen: Freigaben wurden hinzugefügt und selten entfernt, und niemand traut sich, aufzuräumen. Ein Neuaufbau nach Gruppen ist dann ohnehin fällig.
  • Externe brauchen Zugriff auf einzelne Systeme: Ein Dienstleister, der nur eine Maschine warten soll, bekommt genau diese — statt eines VPN-Profils, das ihm das halbe Netz zeigt.

Dagegen spricht

  • Ein Standort, feste Arbeitsplätze: Wenn fast alles im Haus steht und Außendienst die Ausnahme ist, trägt der Konzentrator. Ein Mesh brächte dann Betriebsaufwand ohne Gegenwert.
  • Kein Identitätsanbieter, kein Wille dazu: Ohne zentrale Konten fällt der halbe Nutzen weg. Dann ist die erste Aufgabe die Identität, nicht das Netz.
  • Inhaltsprüfung am zentralen Übergang ist gesetzt: Wenn eine Vorgabe die Untersuchung des Verkehrs an einer Stelle verlangt und sich das nicht verlagern lässt, bleibt der Konzentrator.
  • Viele Geräte ohne Client-Möglichkeit: Produktionsnetze mit Steuerungen und Altsystemen gewinnen wenig — dort verschiebt sich der Aufwand nur.

Und es ist kein Entweder-oder. Beide Wege lassen sich nebeneinander betreiben, und das ist in der Praxis der übliche Ablauf: erst ein abgegrenzter Anwendungsfall — Administrationszugänge oder die Kopplung zweier Standorte —, dann die Arbeitsplätze, und der Konzentrator bleibt so lange stehen, bis niemand mehr ihn benutzt. Wer den konzeptionellen Rahmen dahinter sucht, findet ihn unter VPN gegen Zero Trust Network Access und in der schrittweisen Umsetzung unter Zero Trust im Mittelstand. Dieser Artikel beschreibt das Werkzeug, jene beschreiben die Architektur.

Der Netzzugang ist ein Teil des Arbeitsplatzes, nicht sein Ersatz. Modern Workplace — Zusammenarbeit, Geräte, Identität und Zugriff als ein Betrieb.

/09Häufige Fragen

/01Wir haben WireGuard schon auf der Firewall. Brauchen wir NetBird überhaupt?+
Wenn es bei wenigen festen Verbindungen bleibt: nein. WireGuard auf der Firewall ist dafür die einfachere Lösung, und einfacher heißt im Betrieb meist zuverlässiger. Die Rechnung dreht sich, sobald Geräte laufend dazukommen und verschwinden — dann ist die Schlüsselpflege die Aufgabe, die liegen bleibt, und genau die nimmt NetBird ab.
/02Geht das ohne Konto bei einem Anbieter?+
Ja. NetBird steht unter BSD-3-Clause und lässt sich vollständig im eigenen Haus betreiben — Verwaltung, Signalisierung, Relais und Oberfläche als Container auf einer Maschine. Was Sie zusätzlich brauchen, ist ein erreichbarer Name mit Zertifikat und ein Identitätsanbieter für die Anmeldung.
/03Was passiert, wenn der Verwaltungsdienst ausfällt?+
Bestehende Tunnel laufen weiter, weil der Datenweg nicht durch die Verwaltung führt. Was ausfällt, ist das Aufnehmen neuer Geräte, das Ändern von Regeln und die Neuanmeldung. Planen Sie trotzdem einen zweiten Weg auf Ihre Server ein, der nicht vom Mesh abhängt — sonst sperren Sie sich im Ernstfall selbst aus.
/04Ersetzt NetBird unsere Firewall?+
Nein, und das ist keine Formsache. NetBird entscheidet, wer wen erreichen darf; es prüft nicht, was dabei übertragen wird. Segmentierung am Übergang ins Internet, Inhaltsprüfung und die Protokollierung, die eine Meldepflicht stützt, bleiben Aufgabe der Firewall. Auch ein Rechtekonzept in der Anwendung ersetzt es nicht: Wer den Server erreicht, hat damit noch keine Berechtigung in der Datenbank dahinter.
/05Was ist mit Druckern, Steuerungen und Altsystemen?+
Auf denen läuft kein Client. Sie erreichen solche Geräte über einen Übergang: ein Gerät im selben Netz nimmt am Mesh teil und reicht das Netz dahinter weiter. Das funktioniert, macht dieses eine Gerät aber wieder zur Mitte — mit Ausfall, Durchsatzgrenze und Wartungsfenster. In Produktionsnetzen ist das der Punkt, an dem der Nutzen eines Mesh am kleinsten ist.
/06Wie schnell ist die Verbindung?+
Auf dem direkten Weg begrenzen die beteiligten Anschlüsse, nicht das Mesh — die Verschlüsselung ist auf heutiger Hardware selten der Engpass. Über das Relais kommt der Umweg dazu, und der kostet Latenz. Belastbare Zahlen liefert nur eine Messung in Ihrer Umgebung; jede Angabe ohne Ihre Anschlüsse und Standorte wäre geraten.
/07Wir nutzen 100.64.0.0/10 bereits. Ist das ein Ausschlusskriterium?+
Nein, aber es gehört auf den Tisch, bevor Sie anfangen. Der Bereich ist laut RFC 6598 für Carrier-Grade-NAT reserviert und wird von Overlay-Netzen dieser Bauart gern belegt, weil er selten im Haus vorkommt. Selten heißt nicht nie — prüfen Sie Ihre Provideranschlüsse und Cloud-Umgebungen vorher, sonst finden Sie die Überschneidung am ersten Tag.
Quellen
  1. WireGuard ist mit Linux 5.6 (März 2020) in den Kernel aufgenommen worden; Umfang und Aufbau sind auf wireguard.com dokumentiert.
  2. NetBird, Quelltext und Lizenzangabe BSD-3-Clause, Projektarchiv github.com/netbirdio/netbird.
  3. RFC 6598, „IANA-Reserved IPv4 Prefix for Shared Address Space" (100.64.0.0/10), IETF, April 2012.
Herausgeber

HostSpezial-Redaktion — HostSpezial betreibt seit 2010 Managed Services für den Mittelstand aus deutschen Rechenzentren, zertifiziert nach ISO/IEC 27001 (Zertifikat 202787), Sitz in Lichtenfels. Fachliche Prüfung und Freigabe dieses Beitrags liegen bei der Redaktion. Impressum · Kontakt

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Netzzugang durchsprechen.

Ob ein Mesh bei Ihnen trägt, entscheidet sich an Ihren Standorten, Ihren Geräten und Ihrem Identitätsanbieter — nicht am Werkzeug. Wir sehen uns an, was heute läuft, und sagen auch, wenn der vorhandene Konzentrator die bessere Wahl bleibt. Was wir am Übergang übernehmen, steht unter Managed Firewall.

ISO/IEC 27001 zertifiziert · Zertifikat 202787

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