Container haben die Art revolutioniert, wie wir Software entwickeln und betreiben. Docker machte Container massentauglich, Kubernetes wurde zum De-facto-Standard für Orchestrierung. Aber nicht jedes Unternehmen braucht einen Kubernetes-Cluster - und nicht jeder Cluster gehört in die Cloud.
Docker vs. Kubernetes: Was brauchen Sie wirklich?
Bevor wir über On-Premise vs. Cloud diskutieren, müssen wir eine grundlegendere Frage klaeren: Brauchen Sie überhaupt Kubernetes, oder reicht Docker allein?
Wann Docker allein ausreicht
Docker ohne Kubernetes ist völlig ausreichend, wenn:
- Sie weniger als 20-30 Container betreiben
- Ihre Anwendungen nicht automatisch skalieren müssen
- Ausfallzeiten bei Deployments akzeptabel sind
- Sie kein dediziertes DevOps-Team haben
- Die Anwendungen auf einem oder wenigen Servern laufen
Tools wie Docker Compose oder Portainer machen die Verwaltung von Docker-Containern einfach. Für viele mittelständische Unternehmen ist das völlig ausreichend.
Wann Sie Kubernetes brauchen
Kubernetes wird sinnvoll, wenn:
- Sie dutzende bis hunderte Container orchestrieren müssen
- Automatische Skalierung bei Last erforderlich ist
- Zero-Downtime-Deployments Pflicht sind
- Mehrere Teams unabhängig deployen sollen
- Self-Healing und automatische Recovery wichtig sind
- Sie Multi-Cloud oder Hybrid-Szenarien planen
Unsere Empfehlung: Starten Sie mit Docker und Docker Compose. Migrieren Sie erst zu Kubernetes, wenn Sie an die Grenzen stossen. Kubernetes löst reale Probleme - aber nur, wenn Sie diese Probleme auch haben.
On-Premise vs. Cloud: Die Entscheidung
Wenn Sie sich für Kubernetes entschieden haben, stellt sich die nächste Frage: Wo soll der Cluster laufen? Managed Kubernetes in der Cloud (EKS, AKS, GKE) oder selbst betrieben im eigenen Rechenzentrum?
Für On-Premise spricht
- Volle Kontrolle über Daten und Infrastruktur
- Planbare Kosten ohne überraschende Cloud-Rechnungen
- Keine Abhängigkeit von Cloud-Providern
- Compliance-Anforderungen (DSGVO, branchenspezifisch)
- Niedrigere Latenz bei lokalen Workloads
- Bestehende Hardware kann genutzt werden
Gegen On-Premise spricht
- Höhere initiale Komplexität beim Setup
- Betriebsverantwortung liegt bei Ihnen
- Updates und Patches selbst managen
- Skalierung erfordert Hardware-Beschaffung
- Mehr Expertise im Team erforderlich
- Keine automatische globale Verteilung
Kubernetes On-Premise: Die technischen Optionen
Wenn Sie sich für On-Premise entscheiden, haben Sie mehrere Optionen für die Kubernetes-Distribution:
k3s - Leichtgewichtig und einfach
K3s von Rancher ist unsere Empfehlung für die meisten mittelständischen Unternehmen. Mit unter 100 MB ist es leichtgewichtig, läuft auf Proxmox-VMs oder Bare Metal und ist in Minuten installiert. Perfekt für Cluster mit 3-20 Nodes.
RKE2 - Der sichere Mittelweg
RKE2 (Rancher Kubernetes Engine 2) bietet mehr Enterprise-Features als k3s, bleibt aber einfacher als Vanilla Kubernetes. Gute Wahl für Unternehmen mit höheren Sicherheitsanforderungen.
Vanilla Kubernetes - Maximale Kontrolle
Installation mit kubeadm oder Kubespray. Maximale Flexibilität, aber auch maximaler Aufwand. Nur sinnvoll, wenn Sie ein dediziertes Platform-Team haben.
Die beste Kubernetes-Distribution ist die, die Ihr Team beherrscht. Komplexität ohne Nutzen ist keine Tugend - starten Sie einfach und wachsen Sie mit den Anforderungen.
Best Practices für Kubernetes On-Premise
Aus unseren Projekten haben wir einige Best Practices für On-Premise Kubernetes entwickelt:
Infrastruktur-Empfehlungen
- Mindestens 3 Control Plane Nodes für Hochverfügbarkeit
- Dedizierte Worker Nodes für Workloads, getrennt von Control Plane
- Schneller Storage - SSDs sind Pflicht, NVMe empfohlen
- 10 GbE Netzwerk zwischen den Nodes für Ceph/Storage
- Redundante Netzwerk-Anbindung für die Worker
Software-Stack
- Ingress Controller: Traefik oder Nginx Ingress
- Storage: Longhorn (einfach) oder Rook-Ceph (performant)
- Monitoring: Prometheus + Grafana (Helm Chart)
- Logging: Loki oder EFK-Stack
- GitOps: ArgoCD oder Flux für Deployments
- Backup: Velero für Cluster-Backups
Kostenkalkulation: On-Premise vs. Cloud
Eine realistische Kostenbetrachtung für einen mittelgroßen Kubernetes-Cluster (6 Worker Nodes, 3 Control Plane):
Cloud (AWS EKS)
- EKS Control Plane: ~150€/Monat
- 6x m5.xlarge Worker: ~600€/Monat
- 3x t3.medium Control Plane: ~100€/Monat
- Storage (EBS): ~200€/Monat
- Load Balancer: ~50€/Monat
- Data Transfer: variabel, oft unterschätzt
- Gesamt: ~1.100€/Monat = ~13.200€/Jahr
On-Premise (auf Proxmox)
- Hardware (3 Server): ~15.000€ einmalig, 5 Jahre Nutzung
- Strom + Kuehlung: ~200€/Monat
- Colocation/Housing: ~300€/Monat
- Support/Wartung: ~200€/Monat
- Gesamt: ~700€/Monat + 3.000€/Jahr Abschreibung = ~11.400€/Jahr
On-Premise ist bei diesem Szenario leicht günstiger - aber der wahre Vorteil liegt in der Planbarkeit und Kontrolle. Keine überraschenden Kosten bei Traffic-Spitzen, volle Datenhoheit.
Fazit: Die richtige Entscheidung treffen
Kubernetes On-Premise macht Sinn, wenn Sie Datenhoheit, planbare Kosten und Unabhängigkeit von Cloud-Providern schaetzen. Es erfordert mehr initialen Aufwand, aber mit den richtigen Tools und Partnern ist der Betrieb gut beherrschbar.
Für viele Unternehmen ist ein hybrider Ansatz optimal: Produktive Workloads On-Premise für Kontrolle und Compliance, Cloud für Burst-Kapazität und globale Verteilung.
Wir bei HostSpezial unterstützen Sie bei der Planung, Implementierung und dem Betrieb von Container-Plattformen - ob Docker, Kubernetes oder beides.
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